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Troubadour, Poet, Politsänger

WOODY GUTHRIE

„All you can write is what you see“

Woody Guthrie Statue in Oklahoma City

Woody Guthrie war 28 Jahre alt, als der Volksliedforscher Alan Lomax im März 1940 mit ihm drei Stunden Songs und Gespräche für die Kongressbibliothek in Washington aufnahm. Geboren am 14. Juli 1912 in der kleinen Stadt Okemah in den Sanddünen von Oklahoma, hatte Guthrie sich schon früh, nach einer ganzen Reihe familiärer Tragödien, mit seiner Mundharmonika auf den Weg in den Westen gemacht. Er folgte dem wachsenden Heer der „Okies“, der Wanderarbeiter, denen die Staubstürme in Arkansas, Oklahoma und Texas ihr Land und damit die Existenzgrundlage geraubt hatten.

TEXT: MICHAEL KLEFF

Informationen rund um Woody Guthrie und das „Woody Guthrie Centennial“
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Auf seinen Fahrten lernte er die Nöte der Minenarbeiter und das Elend der Vorstadtbaracken ebenso kennen wie die Überlebenstechniken der Abenteurer und die Gitarrenakkorde der umherziehenden Tagelöhner. Mit der Gitarre über der Schulter und Farbpinseln in der Tasche streifte Woody Guthrie durch das Land, fuhr als Hobo als blinder Passagier auf den Güterzügen mit, arbeitete, wo er Arbeit fand, und notierte alles, was er sah, hörte und fühlte. „The best stuff you can sing about is what you saw and if you look hard enough you can see plenty to sing about“, schrieb er 1940 in einem Brief an Alan Lomax.

Cover House of the Rising Sun

Als Folkmusiker und Chronist vor allem der Dreißiger- und Vierzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts gilt Woody Guthrie als einer der großartigsten Balladenschreiber Amerikas. Die Grundzüge seines Lebens sind vor allem durch Joe Kleins Biografie Woody Guthrie – A Life bekannt. Guthrie hat die ersten Stationen aber auch selber beschrieben in seiner Musik und in seiner 1943 erschienenen Autobiografie Bound For Glory, in der er nach Ansicht des Rock Lexikons „seine Wanderjahre durch das arme Amerika mit der gleichen unkontrollierten literarischen Spontanität“ beschreibt, „wie vierzehn Jahre später Jack Kerouac“, der Beatpoet in seinem Buch On The Road.

Mit seinen Liedern und seiner Autobiografie gab Guthrie einen tief greifenden Einblick in die amerikanische Wirklichkeit. Mit dem zu einer Art alternativen Nationalhymne erkorenen Song „This Land Is Your Land“ begründete er seinen Ruhm in aller Welt – geschrieben als eine leidenschaftliche Reaktion und Parodie auf Irving Berlins „God Bless America“. Es ist kein Protestsong „gegen“ etwas: Guthrie beschreibt, was er in seinem Land beobachtete – und das war Arbeitslosigkeit ebenso wie die soziale Not der Farmer. So gern er die Schönheit des Landes besang, so schildert er in den letzten Strophen jedoch auch, wie die Menschen vor dem Sozialamt Schlange stehen, weil sie obdachlos sind und kein Essen haben. Es ist ein Lied, mit dem Woody Guthrie den Menschen eine Stimme geben wollte, die nicht gehört werden, weil Regierung, Militär und Konzerne das Sagen haben. Insofern ist es ein absolut zeitloses Lied, da – das zeigt die aktuelle politische Lage – auch heute noch die Stimmen so vieler Menschen mit ihren Sorgen und Hoffnungen überall in der Welt ungehört bleiben.

Mit zwanzig Jahren gründete Woody Guthrie in Texas seine erste Band: das Corncob Trio. 1931 war er seinem Vater nach Pampa gefolgt, wo er Mary Jennings kennenlernte, die er zwei Jahre darauf heiratete und mit der er drei Kinder bekam: Gwen, Sue und Bill. Mitte der Dreißigerjahre verließen im Zuge der „großen Dürre“ die ersten Bewohner von Pampa die Stadt und machten sich auf dem Highway 66 auf den Weg gen Westen. Im April 1935 zog der „große Staubsturm“ über Pampa hinweg und im folgenden Jahr ging auch Woody nach Kalifornien. In Los Angeles hatte er im Juli 1937 sein Radiodebüt beim Sender KFVD, wo er mit Maxine Crissman („Lefty Lou“) kurze Zeit später eine eigene Radiosendung bekam. 1938 beauftragte der Besitzer von KFVD Guthrie, sich mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter zu beschäftigen. Ein Thema, das auch in John Steinbecks im Frühjahr 1939 erschienenen Buch Früchte des Zorns im Mittelpunkt stand. Im Mai bekam Woody in der kommunistischen Zeitung People's World eine eigene Kolumne unter dem Titel „Woody Sez“ (ein Verballhornung von „Woody says“). Im Sommer und Herbst tourte er dann mit dem Schauspieler Will Geer durch die Lager der Wanderarbeiter. Als er die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter mit eigenen Augen sah, wurden seine Texte politischer. „All you can write is what you see“, lautete fortan sein Grundprinzip. Der linken Szene in Los Angeles angehörende Künstler politisierten
WOODY GUTHRIE * Foto: Lester Balog / Courtesy of Woody Guthrie Archives
ihn weiter, darunter neben Geer u. a. der Sänger Cisco Houston. Sie erkannten die einzigartige Fähigkeit Guthries, mit den Menschen zu kommunizieren.

„This machine kills Fascists“

1940 trampte der ruhelose Woody Guthrie nach New York. Dort lernte er Pete Seeger kennen und Alan Lomax. Der war so begeistert von ihm, dass er Guthrie für die Aufnahme einer Reihe von Platten für die Library of Congress nach Washington einlud. Er trat bei mehreren New Yorker Radiostationen auf und spielte sein erstes Album Dust Bowl Ballads für Victor Records ein. Darauf findet sich auch „Tom Joad“. Er schrieb das Lied, nachdem er den auf John Steinbecks Buch basierenden Film Früchte des Zorns gesehen hatte. Steinbeck soll beim Hören des Songs gesagt haben: „Dieser Hurensohn! Er hat in einer Nacht das niedergeschrieben, wofür ich zwei Jahre brauchte!“ Nur wenige Jahre später meinte der Schriftsteller: „Er [Woody] singt die Lieder eines Volkes, und ich Cover Dust Bowl Ballads habe den Verdacht, er ist irgendwie dieses Volk. Woody hat nichts Liebliches an sich, auch seine Lieder nicht. Doch diejenigen, die ihm zuhören, werden etwas viel Wichtigeres darin finden: den Willen des Volkes, der Unterdrückung standzuhalten und gegen sie zu kämpfen.“

Im Januar 1941 verließ Woody Guthrie New York Hals über Kopf und zerstörte dadurch seine Radiokarriere. Im Mai bekam er den Auftrag, Songs für einen Film über den Columbia River und den Bau des Grand-Coulee-Damms in Oregon zu schreiben. In 30 Tagen brachte er 26 Songs zu Papier. Darunter „Roll On Columbia“, „Pastures Of Plenty“ und „Grand Coulee Dam“. Wieder in New York, schloss sich Woody Guthrie den von Pete Seeger, Lee Hays, Millard Lampell und einigen anderen Musikern gegründeten Almanac Singers an. Mit ihren Liedern, die sich an den sozialen Interessen der Arbeiter orientierten und zum Kampf für die Verbesserung der Gesellschaft aufriefen, wurden sie zum „Sprachrohr der kleinen Leute“. In New York arbeitete Guthrie auch an seiner Autobiografie, die im März 1943 erschien. Nach der Trennung von Mary hatte er ein Jahr zuvor Marjorie Greenblatt Mazia kennen gelernt, eine Tänzerin der Martha Graham Dance Company. Die beiden heirateten 1945 und bekamen vier Kinder: Cathy, Arlo, Joady und Nora.

Während des Zweiten Weltkriegs ging Guthrie gemeinsam mit seinem Freund Cisco Houston zur Handelsmarine. Als Vater von drei Kindern aus seiner ersten Ehe wurde er von der Armee freigestellt. „Er war sehr patriotisch und wollte wirklich seinen Beitrag in diesem Krieg leisten“, erzählt seine Tochter Nora Guthrie. Nicht ohne Grund stand auf seiner Gitarre „This machine kills Fascists“. Nachdem sein Schiff zum zweiten Mal torpediert worden war, wurde Guthrie mit allen Ehren entlassen und kehrte nach Brooklyn zurück. Dort wurde Tochter Cathy geboren, die im Alter von nur drei Jahren an bei einem Unfall im Haus erlittenen Verbrennungen starb. Wahrscheinlich auch deshalb konzentrierte sich der Musiker in jener Zeit zunächst ganz auf Kinderlieder. Damals entstand unter anderem der Klassiker „Riding In My Car“.

Grammy für historische Liveaufnahme

Trotz der Vielzahl der heute zugänglichen, aus jener Zeit stammenden Aufnahmen gab es keine Schallplattenkarriere Woody Guthries im eigentlichen Sinne. „Leute wie mein Vater machten einfach keine Schallplattenaufnahmen“, meint Tochter Nora. „Sie waren dafür bekannt, Songs zu schreiben und sie zur Dokumentation ihrer Arbeit auf Tonband aufzunehmen.“ Rund drei Viertel von Guthries Platten entstanden bei Moses Asch zwischen 1944 und 1954. Der Gründer der legendären Plattenfirma Folkways Records hatte ein kleines Studio in Manhattan, aber kein Geld, um den Künstlern Honorare zu zahlen. Und viele Künstler hatten ihrerseits kein Geld, um ein teures Studio zu mieten. Einen Vertrag im klassischen kommerziellen Sinn hätte Guthrie also dort nie bekommen. „So schickte Gott einfach Moe. Er sagte zu meinem Vater: ‚Wann immer du einen Song hast, komm einfach her. Du brauchst keinen Termin …‘“, erinnert sich Nora. „Das musste man Woody nicht zweimal sagen.“ Er arbeitete also zu Hause, im Zug, in der U-Bahn, wo auch immer er sich gerade aufhielt, an seinem Material. Dann ging er rüber zu Moses Asch und nahm pro Session fünf bis zwanzig Songs an einem Stück auf. So entstand seine heute auf CD erhältliche Folkways-Sammlung. „Manchmal, wenn das Studio gerade besetzt war, setzte er sich in den Korridor und schlief dort ein“, berichtet Woodys Tochter. „Wenn Moe ihn dann weckte und ins Studio holte, machte mein Vater die gerade auf einen Zettel notierten Songtexte mit einem Klebeband am Mikrofon fest, um sie bei der Aufnahme ablesen zu können.“ Diese Asch-Aufnahmen würde man aus heutiger Sicht wohl eher als „Demotapes“ bezeichnen.

Zu Woody Guthries 40. Todestag am 3. Oktober 2007 erschien unter dem Titel The Live Wire erstmals ein Tonträger mit Liveaufnahmen. Sie stammen von einem Konzert, das Guthrie im Dezember 1949 in Newark, New Jersey, gab. Natürlich entspricht dieser Mitschnitt auf einem Drahtspulenrekorder – einer Technik, die damals nur für kurze Zeit bis zum Aufkommen von Bandmaschinen eingesetzt wurde – nicht den heutigen Soundansprüchen. Aber seine Cover Woody Guthrie Sings Folk Songs Veröffentlichung stellt einen Meilenstein für die Geschichte der Folkmusik dar. Wird doch, so Jorge Arévalo Mateus, Kurator des Woody-Guthrie-Archivs in New York, mit der jetzt vorliegenden Konzertdokumentation zum ersten Mal „live“ hörbar, warum der Künstler für so viele Songwriter – von Dylan bis Springsteen – das große Vorbild ist. „Hier steht Guthrie vor einem Publikum. Er zeigt, wie er mit den Menschen kommuniziert, wie er mit ihnen spricht – klar, direkt und einfach. Das beherrschte nach ihm keiner so. Singer/Songwriter waren schon immer von der Qualität seiner Texte fasziniert.“ The Live Wire wurde 2008 mit einem Grammy in der Kategorie „Bestes historisches Album“ ausgezeichnet.

Bob Dylan: Woody Guthrie Jukebox

Den meisten Amerikanern sind die bekanntesten Songs Woody Guthries sehr vertraut. Allerdings trifft man immer wieder Leute, die fälschlicherweise davon ausgehen, dass Lieder wie „This Land Is Your Land“ oder „Pretty Boy Floyd“ Traditionals sind, deren Autoren unbekannt seien. Besser wusste es einer der ersten Verehrer und Nachahmer Guthries: Bob Dylan. Nachdem er in den späten Fünfzigerjahren seine Autobiografie gelesen und alle von ihm erhältlichen Aufnahmen gehört hatte, änderte er seinen Namen, seine musikalische Richtung und sogar seinen Akzent, nur um wie einer aus Oklahoma zu klingen. Dylan selbst sagte einmal rückblickend, er sei in jenen Jahren eine Art „Woody Guthrie Jukebox“ gewesen.

Nora Guthrie erinnert sich noch gut daran, wie eines schönen Tages Robert Allen Zimmerman, der sich Bob Dylan nannte, an die Tür ihres Hauses in Howard Beach klopfte – auf der Suche nach Woody. Die elf Jahre alte Nora saß gerade vor dem Fernseher und verfolgte ihr Lieblingsprogramm, die Rock-’n’-Roll-Show American Bandstand. Sie fühlte sich von dem ziemlich heruntergekommen aussehenden jungen Mann, der da mit einer Gitarre über der Schulter in ihrer Haustür stand, gestört. „Mein Vater ist nicht da“, sagte sie nur und schlug dem verdutzt dreinschauenden Dylan die Tür vor der Nase zu. Dieses Spiel wiederholte sich, bis beim dritten Klopfen schließlich der Babysitter zur Tür ging, um dem hartnäckig um Einlass bittenden Besucher mitzuteilen, dass weder Woody noch Marjorie da seien und er ein anderes Mal wiederkommen solle. „Der Lärm hatte mittlerweile das Interesse meines Bruders Arlo geweckt, der nur wenige Jahre jünger als Dylan war. Er ließ ihn dann rein“, erinnert sich Nora. Der Rest ist Geschichte.

John Lennon: „Woody lives. And I am glad.“

Ohne Woody Guthrie hätte es also wohl keinen Bob Dylan gegeben. Der wiederum wurde zum Vorbild für die unzähligen Singer/Songwriter, die ihn, seinen kommerziellen Erfolg vor Augen, nachahmten. Und ohne Dylan hätten wohl auch die Protestbewegungen der Sechzigerjahre, die Bürgerrechtsbewegung und die Antivietnamkriegsbewegung anders ausgesehen. Schließlich gibt es sogar einen Zusammenhang zwischen Guthrie und den Beatles festzustellen. Denn John Lennon und Paul McCartney räumten von Beginn ihrer Karriere an ein, wie sehr Dylans Art, Songs zu schreiben, sie beeinflusst habe. Er zeigte ihnen, wie man Texten mehr Bedeutung geben kann, im Unterschied zu den Rocktexten der Fünfzigerjahre, mit denen sie aufgewachsen waren. John Lennon schrieb 1975 einen Brief an das Büro, in dem damals Woody Guthries Nachlass aufbewahrt wurde: „Dear whoever. Woody lives. And I am glad. Love. John Lennon.“ Für Nora Guthrie ist es ein Beleg dafür, dass Lennon „eine Verbindung zu Woody gefühlt haben muss. Es war offensichtlich, dass auch ihm Sachen wie Politik und die Anliegen des Volkes wichtig waren. Es hat mich sehr bewegt, dass er sich hingesetzt hat, um meinem Vater nach dessen Tod einen persönlichen Brief zu schreiben. Es kommt mir vor, als hätte er ihn an den Geist von Woody Guthrie gerichtet. Es ging ihm dabei um eine größere Idee, um einen universalen Gedanken. Es war keine Reaktion auf eine neue Platte oder so. Lennon nahm Verbindung zu einem Geist auf, der längst gegangen war.“

WOODY GUTHRIE * Courtesy of Woody Guthrie Archives

Rastloser Hobo

Woody Guthrie war nie ein Künstler, der sich zum Schreiben neuer Songs zurückzog. Oft entstanden seine Texte als Kommentare zu Zeitungsartikeln, die er gelesen hatte. Zudem benutzte er jedes Stück Papier, das er greifen konnte. „Selbst eine Serviette, mit dem ich mir kurz zuvor den Mund abgewischt hatte“, erinnert sich Nora Guthrie, „die Rückseite irgendeiner Zeitung, und manchmal musste sogar Klopapier als Manuskriptblatt dienen.“ Fast immer merkte ihr Vater auch an, wann und wo er den Text geschrieben hatte. Nie fehlte der Hinweis: „Text und Musik: Woody Guthrie“, wobei Guthrie nur die Texte aufschrieb. Nicht aber die Musik.

Die letzte Aufnahmesession, an der Guthrie teilnahm, fand am 18. Januar 1954 im Studio von Moses Asch statt. Unter anderem waren auch Ramblin’ Jack Elliott, Sonny Terry und Brownie McGhee dabei. Guthrie war seine Krankheit nicht nur in der Stimme anzuhören. Er brauchte auch eine ganze Weile, um sich an den Text seines Songs „The Sinking Of The Reuben James“ erinnern zu können. In Unkenntnis der Symptome der tückischen Nervenkrankheit Huntington’s Disease dachten viele in seiner Umgebung, dass sein zunehmend seltsamer gewordenes Verhalten mit zu viel Alkohol zusammenhing. Nachdem er mit HD diagnostiziert worden war, verbrachte Guthrie die letzten zwölf Jahre seines Lebens in verschiedenen Hospitälern. Wenige Wochen vor seinem Tod am 3. Oktober 1967 veröffentlichte sein Sohn Arlo sein erstes Album mit dem humorvollen Antikriegssong „Alice’s Restaurant“, der zur Untergrundhymne und einem kommerziellen Erfolg zugleich wurde.

Obwohl Woody Guthrie fast dreißig Jahre lang in New York lebte, blieb er ein rastloser Hobo. Wobei er in Marjorie eine Frau gefunden hatte, die seine Rastlosigkeit verstand, war sie doch als Tänzerin selber viel unterwegs gewesen. Guthries 2005 verstorbener Manager und Freund Harold Leventhal beschreibt Woody als einen Menschen, dem es – wie anderen kreativen Künstlern auch – schwer fiel, sich festzulegen bzw. sich zu binden. Das galt selbst für die Politik. Obwohl er die Kommunisten unterstützte und regelmäßig für das KP-Organ Daily Worker schrieb, war er nie Mitglied der Partei. In diesem Zusammenhang wird oft die folgende Aussage von Guthrie zitiert: „I ain’t a Communist necessarily, but I been in the red all my life.“

Die im Laufe der Jahre entstandene enge Verbindung zwischen den beiden Männern wurde nach Guthries Tod 1967 auf Marjorie und ihre Kinder übertragen. Seine zweite Ehefrau war eine Sammlerin. Sie hatte alle Texte, Briefe, Tagebucheintragungen, Gedichte und Notizen zu Hause aufbewahrt. Nach ihrem Tod 1983 wurde Guthries in Kisten verpackte Hinterlassenschaft in einer Ecke von Harold Leventhals Büro gelagert und blieb dort unbeachtet, bis Nora eines Tages eher zufällig darauf stieß und die unsortierten Berge von Papier vor sich auf dem Fußboden ausbreitete.

Das Revidieren eines eindimensionalen Bildes

Nora Guthrie war gerade einmal fünf Jahre alt, als ihr Vater 1955 mit Huntingston’s Disease ans Bett gefesselt wurde. Und obwohl sie ihn regelmäßig sah, lernte sie ihn damals nicht richtig kennen. Erst die intensive Beschäftigung mit der „Hinterlassenschaft aus Papier“ Anfang der Neunzigerjahre führte dazu, dass sie sich „in seine Texte verliebte“. 1996 gründete sie das Woody-Guthrie-Archiv, das heute über zehntausend Gegenstände beherbergt, darunter unzählige Textbücher, Manuskripte, Fotos, Zeichnungen und Tondokumente. Zunehmend wird es von Wissenschaftlern, Journalisten und Musikern als Fundgrube für ihre Arbeit genutzt. Ende 2012 wird das Archiv anlässlich des 100. Geburtstags von Woody Guthries in Tulsa eine neue Heimat finden. Die dortige George Kaiser Family Foundation hat es erworben und plant ein Museum und ein Studienzentrum unter einem Dach. „Oklahoma war wie seine Mutter“, sagt Nora Guthrie. „Jetzt kehrt Woody in die Arme seiner Mutter zurück.“

Die Aufarbeitung des Materials hat dazu beigetragen, das eindimensionale Bild von Woody Guthrie zu revidieren. „Bis noch vor gar nicht langer Zeit war jeder, der sich für Woody interessierte, nur an seiner politischen Einstellung interessiert“, sagt seine Tochter. „Aber er war weit mehr als ein politischer Sänger und Aktivist. Er war zugleich Dichter, Maler und Zeichner. Nicht ohne Grund hatte er von Anfang an immer Gitarre und Farbpinsel im Gepäck.“ Nora erinnert sich daran, dass ihr Vater auf Packpapier ebenso zeichnete wie auf den Seiten seines Terminkalenders. „Er benutzte vor allem Wasserfarben“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei drei Kindern gab es ja auch reichlich Zeichenpapier im Haus.“ Es gibt sogar mehrere Ölbilder. Eins davon ist ein Porträt von Abraham Lincoln, das fünfzig Jahre lang in einer Kirche in Texas hing und heute dem Smithsonian Museum in Washington gehört. Die Sammlung politischer Cartoons,
PETE SEEGER UND WOODY GUTHRIE CA. 1940
seine mit kühnen Pinselstrichen und vor Farbe nur so strotzenden Zeichnungen für Kinder sowie seine Skizzen mit Alltagsthemen sind beeindruckend.

Ellen Landau, Professorin für Kunst und Kunstgeschichte an der Case Western Reserve University, hat Woody Guthries Arbeiten mit dem Werk einiger etablierter amerikanischer Künstler der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts verglichen – mit dem des politischen Cartoonisten William Gropper, der Guthries marxistische Ansichten teilte, sowie mit dem des Malers Thomas Hart Benton, der ebenso wie Guthrie ein romantisches Verständnis vom einfachen Volk hatte. Für jedes seiner Bücher und für viele seiner Tagebucheintragungen fertigte der Künstler seine eigenen Illustrationen an. Auch die Cover für seine Platten zeichnete Guthrie selber. „Selbst Postkarten, die er an meine Mutter schrieb, illustrierte er mit kleinen Strichmännchen“, erzählt Nora. Gemeinsam mit Steven Brower veröffentlichte sie 2005 unter dem Titel Woody Guthrie: Artworks eine Sammlung mit Guthries Zeichnungen und Illustrationen.

Neue musikalische Würdigung

Auch neue Plattenproduktionen und Buchveröffentlichungen haben in der jüngsten Vergangenheit das bislang eindimensionale Bild Woody Guthries als ausschließlich politischer Liedermacher revidiert. 1996 diskutierten in Cleveland, im US-Bundesstaat Ohio, auf Einladung der Rock and Roll Hall of Fame und des Woody-Guthrie-Archivs Musiker, Wissenschaftler und Publizisten, darunter viele Zeitgenossen Guthries, über seine Bedeutung für die heutige Musikszene. Höhepunkt war ein Konzert in der ehrwürdigen Severance Hall der Stadt, die, bis dahin ausschließlich der Klassik vorbehalten, zum ersten Mal in ihrer 65-jährigen Geschichte ihre Pforten für eine Veranstaltung mit populärer Musik öffnete. Zu den Künstlern, die sich zu dem von Schauspieler und Regisseur Tim Robbins mit Texten von Woody Guthrie moderierten Konzert einfanden, gehörten unter anderem Bruce Springsteen, David Pirner (Soul Asylum), die Indigo Girls, Ani DiFranco, Ramblin’ Jack Elliott, Guthries Sohn Arlo, Pete Seeger und viele andere mehr. Unter dem Titel Hard Travelin’ – The Life And Legacy Of Woody Guthrie zeigten Konzert und Konferenz 1996 erstmals, wie aktuell Woody Guthrie auch Jahrzehnte nach seinem Tod für Musik und Gesellschaft nicht nur in den USA ist.

Nora Guthrie war vor allem von den unterschiedlichen Themen überrascht, um die es in den Texten ihres Vaters geht. „Ich habe dann – zunächst nur so aus Spaß – angefangen, einige auszusortieren und bei mir im Büro an die Wand zu heften. Einfach nur, um sie mir anzuschauen. Im Laufe der Zeit entstand die Idee, dass ich diese Lieder irgendwann einmal aufnehmen wollte.“ Sie machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Interpreten, der die Texte vertonen konnte. In dem englischen Ex-Punkmusiker und Liedermacher Billy Bragg fand Nora Guthrie den richtigen Partner für ihr Vorhaben. Bragg sieht sich in einer Tradition, die in einer Linie über The Clash, Phil Ochs und Bob Dylan bis zu Woody Guthrie führt, „den man durchaus als ersten wahren Singer/Songwriter bezeichnen kann.“

Es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick für Bragg. Doch für das Vorhaben, Guthrie-Texte zu vertonen, war genau das nach seiner Ansicht von großem Vorteil. Weil er so „genügend Abstand [hatte], um völlig unvoreingenommen an die Texte herangehen zu können“. Gemeinsam mit der US-Band Wilco präsentierte Bragg bewusst nicht nur den „politischen“ Woody Guthrie auf den beiden Grammy-nominierten Alben Mermaid Avenue, Volume 1 und Volume 2 – so benannt nach der Straße in New Yorks Stadtteil Coney Island, in der Woody Guthrie nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der Fünfzigerjahre lebte – sondern u. a. auch Liebeslieder.

Buchcover Bound for Glory

Billy Bragg: Woody ist kein Relikt aus den Dreißigerjahren

„Woody ist kein Relikt aus der Zeit des Dust Bowl der Dreißigerjahre“, sagt Billy Bragg. „Er war ein großartiger Vertreter politischer Popmusik, bevor Pop überhaupt erfunden wurde. Bob Dylan war ein Songwriter. Pete Seeger war ein Folksänger. Aber Woody Guthrie ist eine literarische Größe. Es dürfte schwierig sein, jemanden in diesem Jahrhundert zu finden, der so geschrieben hat wie Woody. Wenn du kraftvolle Poesie in Amerika finden willst, musst du bis Walt Whitman zurückgehen, der so ausdrucksstark wie Woody über normale Menschen schreiben konnte. Und wenn wir über Guthries Autobiographie Bound For Glory reden, ist Mark Twain der einzig mögliche Vergleich.“

Für den englischen Musiker ist Guthrie in gewisser Weise „einer der letzten Interpreten in der Tradition der großen Balladensänger aus dem elisabethanischen Zeitalter Englands im 16. Jahrhundert. […] Woody kannte Hunderte von Mörderballaden, Songs über Gesetzlose und populäre sentimentale Liebeslieder, die von den Familien in ihren Salons gesungen wurden. Vor diesem Hintergrund war Woody eigentlich gar kein richtiger Songwriter, griff er meistens doch bekannte Folkmelodien auf und benutzte sie für seine Texte.“

Unter dem Titel Mermaid Avenue ist für 2012 die Veröffentlichung eines Boxsets angekündigt, das neben den beiden Alben Volume 1 und Volume 2 eine CD mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen enthält sowie die DVD Man In The Sand, eine Dokumentation der Mermaid-Avenue-Sessions von Billy Bragg und Wilco in Dublin.

Sexy Jewish Woody

Die Mehrzahl der Musiker, die bislang im Woody-Guthrie-Archiv nach unveröffentlichtem Material suchten, um es zu vertonen, waren Männer. Sie haben sich – von wenigen Ausnahmen wie Billy Bragg abgesehen – Guthries politischen Liedern zugewandt. Jonatha Brooke, die erste Frau, die ein ganzes Guthrie-Album gemacht hat, fühlte sich von völlig anderen Texten angezogen. Ob in kindlichen Versen, spirituellen Gedanken oder sexuellen Gefühlen, bei ihrem 2008 erschienenen Album The Works dreht sich alles um die Liebe, verpackt in einem Folkpopalbum mit leichten Jazzanleihen. Woody habe eine eigene feminine Herangehensweise gehabt, sagt Brooke. Doch nicht nur das. In seinen Texten
WOODY GUTHRIE UND LEADBELLY
stecke noch viel mehr: „Sie sind sexy! Die Details darin sind einfach eine Wucht.“

Widmete sich Jonatha Brooke Woody Guthries Liebesliedern, so entdeckten die Klezmatics eine andere, bislang wenig beachtete Seite des nordamerikanischen Musikers und Poeten. Als die Guthrie-Familie in den späten Vierzigerjahren auf der Mermaid Avenue in Coney Island lebte, war ihr Haus eine Begegnungsstätte zweier Welten: Besucher wie Pete Seeger und Leadbelly trafen auf eine lebendige jüdische Kultur, war Guthries Schwiegermutter doch die angesehene Dichterin und Aktivistin Aliza Greenblatt. Von ihr inspiriert, schrieb Woody Guthrie Hunderte von Texten, die sich mit jüdischer Kultur und jüdischem Leben beschäftigen. Die Vertonungen der Klezmatics auf dem Album Wonder Wheel, für das die Band 2007 einen Grammy bekam, spiegeln die Musikkultur der heutigen Bewohner von New York wider. So erklingen Guthries Gedichte, seine Liebeserklärungen an das von russischen Juden, Polen und Italienern geprägte Kleine-Leute-Viertel seiner Zeit heute in einer Mischung aus karibischen, westafrikanischen, osteuropäischen und sogar indischen Klängen. Guthries Texte handeln von „universaler mystischer Spiritualität“ sagt der Klezmatics-Trompeter und -Sänger Frank London.

Zum 100. Geburtstag von Woody Guthrie erscheinen gleich mehrere neue Veröffentlichungen. Unter dem Titel Note Of Hope nahm der Bassist Rob Wasserman ein Album mit Improvisationsduetten im Beatpoet-Stil u. a. mit Madeleine Peyroux, Lou Reed, Tom Morello, Michael Franti und Jackson Browne auf (s. dazu den go! Beitrag von Manfred Maurenbrecher in Folker 1/2012). Für das Frühjahr sind u. a. angekündigt eine CD von Jay Farrar, Will Johnson, Anders Parker und Yim Yames mit Vertonungen von Guthrie-Texten unter dem Titel New Multitudes. Smithsonian/Folkways gratuliert mit dem 3-CD-Boxset Woody At 100 und einem 150-seitigem Buch. Und für Freunde von alternativen Stadttouren erscheint im Mai ein 4-CD-Boxset, das als eine Art akustischer Stadtführer zu allen Plätzen führt, an denen Woody Guthrie in New York lebte. Auf My Name Is New York kommen neben Woody Guthrie selbst seine beiden Ehefrauen Mary und Marjorie, seine Kinder Arlo und Nora sowie Weggefährten wie Pete Seeger, Bess Lomax, Sonny Terry, Ramblin' Jack Elliott und Bob Dylan zu Wort. Und auch Wenzel hat mit Woody 100 ein Nachfolgealbum zu Ticky Tock angekündigt.

Wenzel: Kein Widerspruch zwischen Kunst und Leben

Cover The Asch Recordings Vol. 1 1997

Auf seiner 2003 veröffentlichten CD Ticky Tock – Wenzel singt Woody Guthrie trotzt der Berliner Musiker Wenzel Guthries Werk neue und auch ungewöhnliche Aspekte ab. Seine Vertonungen und Bearbeitungen verstecken an keiner Stelle ihren besonderen kulturellen Standort, hier werden die Traditionen ordentlich durcheinandergemischt: Franz Schubert musiziert mit irischen Einwanderern, eine Balkankapelle begleitet den einsamen Tramp auf seiner „Flucht aus Dreck und Staub“, so der Titel der deutschen Übertragung von Guthries Song „Dust Bowl Refugee“. Wenzel würdigt Woody Guthrie als einen Mann, der „den ewig diskutierten Widerspruch zwischen ‚Kunst‘ und ‚Leben‘ aufzuheben vermochte mit einfachsten Mitteln.“

Wenzel war an Guthries literarischer Dimension interessiert. Für den Berliner, wie er 2003 in einem Interview mit MDR Kultur (heute MDR Figaro) sagte, gehört er „sozusagen zu einer europäischen Kultur, die im 19. Jahrhundert ausgewandert ist. Die Auswanderer haben damals die Industrialisierung und auch die politischen Verhältnisse Europas verlassen und in Amerika mit Rudimenten ihrer eigenen Kultur eine andere aufgebaut, die wiederum später Europa dominiert hat. Woody Guthrie steht am Anfang einer Kultur der Singer/Songwriter. Das, was in Deutschland mit Brecht, Eisler und Weill in einer anderen, mehr akademischen Form passiert ist, das hat in Amerika Woody Guthrie in einer ganz naiven Form geschafft, nämlich in der Moderne eine quasi literarische Form wieder zur Musik zurückzuführen. Guthrie hat Volkslied und Literatur auf eine ganz neue Art, in ganz neuen politischen Verhältnissen wieder zusammengebracht.“

Das Zweite, was Guthrie für Wenzel in diesen neoliberalen Zeiten so wichtig macht: „Er fordert persönliche Freiheit ein, die nicht auf Kosten anderer geht, sondern die sozusagen einen solidarischen, einen utopischen Entwurf für die Gesellschaft noch in sich selber trägt. Diese persönliche Freiheit fordert er rigoros ein, er verlässt seine Frau und zieht rum, er ist an einem bestimmten Punkt unberechenbar in seiner Art. Bei ihm ist Freiheit keine Phrase, nicht einfach nur Gegenbegriff zur Diktatur, zum Geknechtet-Werden. Für ihn ist es eine wirkliche Utopie, dass der Einzelne sich selber bestimmen kann, und dass er eine Lebensform findet, die mit Solidarität funktioniert.“

Für den Berliner Künstler ist Woody Guthrie eines der wenigen Beispiele in der Popkultur, das sich der Ausschließlichkeit von Kommerz oder intellektuellem Hochmut, Unterhaltung oder Erkenntnis, Tradition oder Innovation entziehen würde. In seinem 2002 veröffentlichten Essay „Woody Guthrie: Der soziale Clown an den Grenzen der Welt“ schrieb Wenzel: „Woody Guthrie hat sich den von
WOODY GUTHRIE
Trendsettern konzipierten Vereinfachungen versperrt. Seine Poesie lebt von den Früchten der harten Realität. Keine ästhetische Schule, kein modisches Label hat so viel Einfluss auf Melodie, Sound und Sprechduktus wie die unaushaltbare Welt. […] Der Wanderer, dem Wilhelm Müller die Sprache gab, den Franz Schubert zum Singen brachte, der Wanderer durch die erstarrten Zustände im nachrevolutionären Europa hat in Woody Guthrie einen Bruder gefunden. Seine Reisen werden – anders als bei Schubert – vom Rhythmus der Eisenbahnschwellen getrieben. Seine Melodien, sein Sound sind geschult am Blues der Schwarzen, seine Solidarität lebt auf im volksliedhaften Ton einer Urerfahrung, aus der Zukunft erwachsen könnte. Der Volkston wird nicht imitiert als gefällige Geste mit dem Hintergedanken der Verkaufbarkeit. Die Spuren des großen Aufbruchs in die Welt des Fortschritts, in die Ölmeere voller Reichtum und Euphorie, die Abstürze in Wirtschaftskrisen, Rezessionen und Insolvenzen – das sind die Quellen aus denen Woody Guthries Poesie gespeist wurde.“ (s. dazu auch go! Wenzels Artikel in Folker 1/2012)

Guthrie selbst schrieb schon im Vorwort zu dem von ihm gemeinsam mit Pete Seeger 1940 geschriebenen, aber erst 1967 veröffentlichten Buch Hard Hitting Songs for Hard-Hit People: „I’ve been a rambling man, from Oklahoma to California and back three times by freight train, highway and thumb, and I’ve been stranded and disbanded, busted, disgusted with people of all sorts, sizes, shapes and calibres – folks that wandered around over the country looking for work, down and out, and hungry half of the time.“

Lou Reed: „Ein Gitarrenpicker mit drei Akkorden, aber mit den Gedanken eines Dichters“

Wie ist es nun um das Vermächtnis von Woody Guthrie bestellt? Welche Bedeutung haben seine Lieder und Texte heute, wo der Kommunismus gescheitert ist und der Kapitalismus sich in einer ständigen Krise befindet? Wenn Woody Guthrie heute in den Vereinigten Staaten unterwegs wäre, was würde er wohl über die Lage der amerikanischen Arbeiter denken, über die Gewerkschaften, die konzentrierte Macht des Kapitals und Occupy Wall Street? Eine Antwort gibt er selbst in seinem Song „Pretty Boy Floyd“:
Yes, as through this world I’ve wandered
I’ve seen lots of funny men;
Some will rob you with a six-gun,
And some with a fountain pen.

In zwei Zeilen – „Manche Leute rauben dich mit einem Revolver aus, andere mit einem Füllfederhalter“ – bringt Guthrie zeitlos auf den Punkt, was viele Menschen auch heute fühlen: Politik und große Konzerne stehlen sich aus der Verantwortung. Weiter heißt es in „Pretty Boy Floyd“:
And as through your life you travel,
Yes, as through your life you roam,
You won’t never see an outlaw
Drive their family from their home.

Vor diesem Hintergrund kommt Lou Reed zu diesem Urteil: „Wenn man ein Stück von ihm aufnimmt, wird einem erst bewusst, wie zeitgenössisch Woody Guthrie noch immer ist, ein Gitarrenpicker mit drei Akkorden, aber mit den Gedanken eines Dichters und der nötigen Empfindsamkeit, um die Hymnen, Geschichten und Träume der Menschen, denen er begegnet oder die er erfand, in Worte zu fassen.“

Oder wie Pete Seeger es mit Blick auf Woody Guthrie ausdrückt: „Jeder Idiot kann kompliziert sein. Aber um Einfachheit zu erreichen, braucht man Genie.“


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