Am echten Geist schnuppern

Note of Hope

Rob Wasserman und Freunde improvisieren Woody Guthrie

Note Of Hope

Woody Guthrie & Rob Wasserman:
Note Of Hope – A Collaboration In Words And Music
(429 Records/Fontana, 2011)

Schon die Ouvertüre ist eigenartig: Rob Wasserman am Bass, begleitet von einem kleinen Orchester, spielt eine fröhliche Tonfolge, die seltsam zögert, dann losstürmt, sich wieder zurückhält. Van Dyke Parks hat das Stück entworfen und instrumentiert, das Erinnerungen wachruft an Chaplin, den Tramp, John Steinbecks Helden aus der „Straße der Ölsardinen“, und an jenen singenden Arbeiterdichter Woody Guthrie, wie wir ihn aus Film, Geschichtsbuch und Biografie kennen. Den Wanderer. Den Hobo, der Bob Dylan und seine ganze Generation begeisterte. Und der sich einmal notierte, der Mensch sei eine „hoping machine“.

Wunschmaschine hat später Michel Foucault dazu gesagt. Aus den schönen Klischees der Ouvertüre schält sich ein fremder, hochmoderner Guthrie heraus, und die ersten gesungenen Zeilen des Albums könnten gerade eben entstanden sein: Dass die Zeiten härter werden, egal, „who wins office in that Big House on the hill“.
ORIGINAL NOTIZBÜCHER VON WOODY GUTHRIE * Foto: Bradley Brown
Madeleine Peyroux singt das, und noch mehr als sonst klingt sie hier wie Billie Holiday.

Text: Manfred Maurenbrecher

»Das Wort ist die Musik, und die Menschen sind das Lied.«

Ein Spiel zwischen den Zeiten also ist Note Of Hope. Ein Zyklus aus Skizzen zu Liedern, Anfängen von Kurzgeschichten, Tagebuchartigem, aus ganz unterschiedlichen Textsorten, die Woody Guthrie in den Vierzigern anlegte, als er mit Familie auf Coney Island lebte, in der Mermaid Avenue, von der er einmal gesagt hat, hier gäbe es alles, nur keine Meerjungfrau. Seine Tochter Nora brachte Jahrzehnte später den Bassisten und Experimentator Wasserman dazu, diese Fragmente mit Musik zu entzünden, sich Mitkünstler zu suchen, die sie vortragen, oft in einer Mischung aus Melos, Rappen und Sprechgesang. Der Bass ist dabei das groovende, singende Fundament, und – wie ein Fluss in und unter der Stadt – bahnt er einen Weg durch die Spottgesänge, Bargespräche, Clubnächte, kaltsonnigen Straßeneckenmomente, frühen Abende am Soiree-Flügel. Alles getreu nach der Guthrieschen Überzeugung, die Pete Seeger hier zum Banjo vorträgt, dass kein Trick dazu nötig wäre, Worte zur Musik zu setzen, wenn man erst einmal begriffen habe, „dass das Wort die Musik ist, und die Menschen sind das Lied.“

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Update vom
22.12.2011
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