Jordan Tango Festival


TANZ IN
DER WÜSTE
 

Verständigung diesseits der Worte

Es ist knapp neun Jahre her, dass George W. Bush in seiner damaligen Rede zur Lage der Nation den später oft zitierten Begriff von der „Achse des Bösen“ gebrauchte und damit Länder wie Iran, Irak und Nordkorea im engeren, im Prinzip aber die gesamte arabische Welt im weiteren Sinne per se stigmatisierte. Eine der überzeugendsten Reaktionen darauf war das Projekt „Lullabies from the Axis of Evil“ (siehe Folker Heft 1/2005), ein Brückenschlag von Sängerinnen diesseits und jenseits dieser postulierten Grenze, eine Begegnung über alle suggerierten Demarkationslinien hinweg und mit den tiefsten und unmittelbarsten Kommunikationsformen überhaupt, nämlich denen zwischen Mutter und Kind, die alles andere ad absurdum stellen.

TEXT: CATHRIN ALISCH

go! www.jordantangofestival.com
Jordan Tango Festival

Nun findet sich ein junges tanzbegeistertes Team in Amman zusammen, theoretisch umringt von allerlei projizierten Feindbildern, hungrig nach Austausch, sucht auf seine Weise nach einer gemeinsamen Sprache, um auch ein europäisches Publikum zu locken und lädt im Herbst 2010 zum ersten Tangofestival nach Jordanien ein. Was bedeutet das? Und für wen bedeutet es etwas?

„Wo die Worte fehlen, werden, je nach Temperament, Mimik und Gestik eingesetzt.“

Tango ist schon lange sehr viel mehr als der klischeeüberfrachtete Exportschlager aus Argentinien, und das keineswegs nur im Ursprungsland, in den USA oder in den Metropolen Europas, Berlin, Basel, Barcelona. Wie vielleicht entfernt vergleichbar der Bal-Folk-Welle nach dem Fall des Eisernen Vorhangs (siehe go! Folker Heft 6/2002 ) lässt sich die Tangobewegung heute, zusammen mit aller stilistischen Pluralität zwischen Akrobatik, Salon und Strandbar, vor allem als soziales Phänomen beschreiben. Überall auf der Welt schießen die Milongas wie Pilze aus den Gassen, Terrassen und Lofts der Haupt- und Vorstädte, bedienen offenbar ein überbordendes, allgegenwärtiges Bedürfnis in der zunehmenden Singlelandschaft unserer Gegenwart und bieten selbstredend ein verfügbares nonverbales Repertoire, eine Basis der Begegnung, die auch noch funktioniert, wenn die Partner keinerlei gemeinsame Sprachen sprechen – und das ist viel!

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Update vom
27.12.2010
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