5 Minuten mit...

Julia Sarr

Emotion und Spiritualität

Julia Sarr * Foto: Joseph Johansson
» Musik ist eine Gabe, die von oben kommt. «



Die Sängerin wurde in Dakar im Senegal geboren, aber sie lebt seit über fünfundzwanzig Jahren in Frankreich. Eine Afrikanerin aus Paris, kultiviert, neugierig auf die anderen, verwurzelt in der Kultur ihres Heimatlandes und offen für die Welt, für ihre Veränderungen, für ihre ständige Vermischung. Sie ist eine der originellsten und talentiertesten Stimmen Afrikas und machte zunächst als Backgroundsängerin Karriere.

Text: Martina Zimmermann


Julia Sarr singt in der senegalesischen Landessprache Wolof, rüttelt aber an den Traditionen, indem sie Jazzimprovisationen beimischt und in die swingende Welt des Afrojazz reist. Ihre Stimme ist sehr klar, hat mal ein leicht angerautes Timbre, ist laut oder leise, aber immer kraftvoll und von unglaublicher Präsenz. Mal folgt sie den Instrumenten, mal spielt sie mit ihnen, immer exakt, mal fröhlich, oft innerlich und besinnlich. Ihre Atemtechnik könne sie nicht erklären, meint Sarr, sie könne nur sagen, dass sie sich selbst gibt, wenn sie singt – „Ohne Maske und auf der Suche nach Authentizität.“

AKTUELLES ALBUM:
Daraludul Yow (L’Autre Distribution, 2014)

Cover Daraludul Yow

Zu ihrem zweiten, jüngsten Album Daraludul Yow, an dem sie seit 2008 arbeitete, lud sie so bekannte wie unterschiedliche Pianisten ein: den Serben Bojan Z, Jean-Philippe Rykiel, Sohn der Pariser Modemacherin Sonia Rikyiel, und Mario Canonge, das Tastengenie aus Martinique, außerdem den Finnen Samuli Mikkonen und den Franzosen Fred Soul. Aber im Vordergrund bleibt Sarrs Stimme, mit der sie schon so vielen namhaften Künstlern als Choristin gedient hat: Lokua Kanza, Richard Bona, Youssou N’Dour, Miriam Makeba, Salif Keita, Oumou Sangare, Mano Solo, Alpha Blondy, MC Solaar, Jean-Jacques Goldman, Michel Fugain, Christophe Maé. Nur Julio Iglesias, für den sie einen Titel im Studio sang, hat sie nicht persönlich getroffen. „Bei jeder Begegnung habe ich etwas gelernt“, sagt die Weltbürgerin.
„Das Stück ‚Nawna‘ auf Daraludul Yow ist zum Beispiel von Lokua, es ist 1994 entstanden und stammt aus unserer gemeinsamen Zeit. Es geht um Ruanda, wir haben damals viel geweint, wir waren traumatisiert von dem Völkermord.“ Alle anderen Songs sind neue Kompositionen mit Piano und traditionellen afrikanischen Instrumenten wie Kora, Ngoni, Tama und Kalebassenbass.
Eine große Anziehungskraft habe immer das Klavier auf sie ausgeübt, erzählt sie. Bei ihrer Großmutter in Gambias Hauptstadt Banjul habe ein „völlig verstimmtes, abgenutztes, mit gelben Tasten“ in der Wohnung gestanden. Aber ihre musikalischen Kindheitserinnerungen führen eher auf den Markt Sandaga in Dakar, wo vor allem die Stimme Youssou N’Dours erklang. „Man könnte meinen, du kennst die Lieder im Radio besser als deinen Schulstoff“, sagte ihr Vater, als sie dreizehn war und die Familie bereits in Paris lebte. Er war Presseattaché an der senegalesischen Botschaft, ihre Mutter Beamtin bei der UNESCO. Die Eltern kehrten bald wieder in die Heimat zurück.

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Update vom
27.04.2015
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