Rezensionen EUROPA


COOPE BOYES & SIMPSON
In Flanders Fields

(No Masters NMCD42, go! www.coopeboyesandsimpson.co.uk )
Do-CD, 50 Tracks, 143:56, mit engl. Infos

Der letztjährige hundertste Jahrestag des Beginns jenes Krieges, der angeblich alle Kriege beenden sollte, wurde auf erschütternde und manchmal unerträgliche Weise begangen, unerträglich, weil wir leider wissen, dass die Menschheit im Prinzip nichts, aber auch gar nichts gelernt hat. Also müssen Friedensfreunde aus anderen positiven Dingen Kraft ziehen, und eine solche grandiose Quelle ist die herausragende künstlerische Leistung der englischen A-cappella-Gruppe Coope Boyes & Simpson. Seit 1993 nehmen sie regelmäßig mit neuen Programmen an den Friedenskonzerten im belgischen Ypres teil, einem Ort besonders grausamen und sinnlosen Gemetzels. Über die Jahre ist so eine beeindruckende Sammlung von traditionellen und selbst verfassten, alten und neu aufgenommenen Liedern entstanden, die häufig ihre Antikriegshaltung durch teils ironische Beschreibung von Tatsachen und Umständen bezieht. Dabei ist der Gesang durchaus nicht immer unbegleitet. Dieses Doppelalbum ist uneingeschränkt empfehlenswert, diese Musik kann nicht oft genug ertönen, denn das Motto der Produktion ist simpel und korrekt: „Je mehr wir über Krieg lernen, umso wichtiger wird es, vom Frieden zu singen.“

Mike Kamp

 

COOPE BOYES & SIMPSON – In Flanders Fields


DUNKELBUNT
Mountain Jumper

(Dunkelbunt Records/Broken Silence 16922 , go! www.dunkelbunt.org )
13 tracks, 50:45

Zu Beginn des Balkanbooms Anfang des 21. Jahrhunderts zog es den Deutschen Ulf Lindemann nach Wien, um Balkan, Klezmer, Swing und elektronische Beats miteinander zu verbinden. Mit anderen Worten: Ohne eigene volksmusikalische Wurzeln zu haben, kauft er sich Musiker mit Balkan-, Klezmer- oder Gypsy-Hintergrund ein und lässt sie vor Elektronikbeats eine Musik spielen, die den modischen Ansprüchen des Dancefloors genügt. Damit hat sich der kühle Konzeptionist mittlerweile ein Imperium geschaffen, das neben Tee, Würzmischungen und Marmelade auch Musik im Angebot hat. Für das aktuelle Album lässt er, wie gehabt, die Rhythmusmaschine die Beats heraushauen, auch balkanesk schräg, doch diesmal hat er sich einen weiteren musikalischen Kontinent zur Vereinnahmung ausgesucht: Amerika. Da zischt und flötet es orientalisch, während gleichzeitig Gospelchöre jubilieren, Banjos zirpen und eine Slidegitarre den Blues hat. Pferde wiehern, US-Folk-Songs erklingen, eine Fiedel ist auch dabei, und dann rappt ein deutscher Sänger: „Es ist egal, wo du herkommst, wohin du willst, solange du deinem Herzen folgst und dafür gerade stehst.“ Wenn es so einfach wäre, gäbe es das Problem der Authentizität nicht.

Harald Justin

 

DUNKELBUNT  – Mountain Jumper


FLYGMASKIN
Fall

(Homerecords.be, go! www.flygmaskin.be )
10 Tracks, 74:31

Das belgische Quartett Flygmaskin legt mit Fall ein ganz wunderbares Album vor. In der Besetzung Piano, Akkordeon, Kontrabass und Schlagzeug kreiert die Band einen sehr dichten und orchestralen Sound, der nirgendwo so richtig reinzupassen scheint und genau dadurch unheimlich spannend ist. In langen Bögen und raffinierten Arrangements werden die Stücke – ausschließlich Eigenkompositionen – mehr entwickelt als gespielt, jenseits von Klischees und voraussehbaren Formen. Die Musiker interagieren mit großer Sensibilität, Intensität und einer enormen dynamischen Bandbreite. Dabei geht das Quartett überragend mit Platz, Tempo und Dichte um, es passt alles. Hier wurde mit ganz großen Ohren gespielt. Über das gesamte Album überrascht Flygmaskin immer wieder durch unerwartete harmonische Wendungen, interessante Sounds – vor allem von Drummer Wouter Roggemans – und bleibt dabei immer sehr eingängig. Die Grundstimmung von Fall ist durchaus melancholisch – nicht nur aufgrund des Bandnamens könnte man die Heimat der Musiker irgendwo in den Fjorden Skandinaviens vermuten. Sehr stark, ganz großes Kino.

Christian Kussmann

 

FLYGMASKIN – Fall


THE GRASS HARP
Sketis SKMR-112

( go! www.ergo-culture.com )
Do-CD, CD 1: 7 Tracks, 30:51; CD 2: 16 Tracks, 73:58, mit russ. u. engl. Infos

The Grass Harp besteht aus einer halbstündigen Studio-CD und einem knapp achtzigminütigen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2013. Obwohl die Musiker auf beiden CDs identisch sind, handelt es sich bei The Grass Harp eher um ein Projekt als um eine Band, vergleichbar vielleicht den Klangwelten von Rüdiger Oppermann. Das Projekt lebt von der Zusammenarbeit der udmurtischen Sängerin Maria Korepanpova mit dem deutschen Koraspieler Stefan Charisius. Der Klang der westafrikanischen Harfe harmoniert perfekt mit dem russischen Gesang. Zwei völlig unterschiedliche Musiktraditionen schmelzen ineinander und bilden eine Einheit. So wirkt der Gesang durchaus auch westafrikanisch und klingt dennoch stimmig in der russischen Ummantelung. Das extreme Tremolo der Sängerin hat einen hohen Wiedererkennungswert und gibt der harschen russischen Sprache eine psychedelische Note, die zum Träumen verführt. Weitere Mitglieder des Ensembles, das Percussionwunder Marian Caldaru und der deutsche Flötist Matthias Schneider-Hollek, ergänzen das Stimmungsbild des Ensembles zu einem gelungenen Ganzen. Vergleiche mit den übergroßen Farlanders oder dem Moscow Art Trio braucht The Grass Harp nicht zu scheuen.

Chris Elstrodt

 

THE GRASS HARP  – Sketis SKMR-112


DAS GROSSMÜTTERCHEN HATZ SALON ORKESTAR
Terry Goes Around

(Eiffelbaum Records EB0044/Hoanzl, go! www.gmhorkestar.at )
10 Tracks, 51:54

Das sollte man vor dem Hören wissen: Vor rund einem Jahrzehnt startete das Sandy Lopicic Orkestar von Graz aus praktisch im Alleingang den Hype um die Balkangrooves – und verschied, nicht ohne mit den ausscheidenden Musikern die Saat für viele weitere Projekte zu legen. Wesentlicher Instrumentalist der Band war Saxofonist Richie Winkler. Und der betreibt mit der Akkordeonistin Franziska Hatz mittlerweile in Wien das DGHSO (s. o.) Der umständliche Name mag zungenbrechend sein, die Musik aber kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: Für dieses zweite Album wurde das Quartett zu einem Zehn-Kopf-Orchester erweitert, und das Ganze klingt noch vielfältiger und einzigartiger als der Erstling, der die Oma Hatz zu Publikumslieblingen werden ließ. Der Bläsersatz zündet, das Akkordeon grundiert, die Violine ist mittendrin, und Winkler versteht es bestens, salonmusikhafte melodische Eingängigkeit mit jenem wehmutvollen Ton auf seinen Blasinstrumenten zu beseelen, der schon das Sandy Lopicic Orkestar auszeichnete. Gemütlich macht es sich die alte Dame aber nicht: Clever arrangierte Rhythmuswechsel und melodischer Witz verschmelzen balkaneske Melodien mit interpretatorischem Feuer. Zugreifen!

Harald Justin

 

DAS GROSSMÜTTERCHEN HATZ SALON ORKESTAR – Terry Goes Around


HAZELIUS HEDIN
Sunnan

(Amigo go! www.hazeliushedin.com )
12 Tracks, 58:52

Wie das Musikmagazin Lira schreibt, spielen Esbjörn Hazelius, Cittern, Gitarre und Gesang, und Johan Hedin, Nyckelharpa, auf einem überirdischen Niveau. Ihr harmonisches Zusammenspiel entspricht der technischen Qualität und der gefühlsmäßigen Übereinstimmung von klassischen Streichquartetten. Für ihr erstes Album (2011) wurden die beiden bei der Manifestgala 2012 als beste Folkgruppe des Jahres ausgezeichnet. Als Musiker oder Produzenten sind sie neben ihren eigenen Gruppen an unzähligen Projekten anderer Musiker beteiligt. Daneben ist Hazelius künstlerischer Leiter des im Jahre 2013 gegründeten Stockholm Folk Festivals. Alle Stücke des Albums haben einen unverwechselbaren Grundklang. Die Hälfte sind traditionelle Melodien und Lieder, wobei das lange, mittelalterlich und feierlich klingende Set „Donat – Boussard – Clarin“ besonders eindrucksvoll ist. Die verschiedenen Polskas sind da etwas lockerer. Eine andere Klangfarbe lässt Hazelius mit seiner warmen ungekünstelten Stimme entstehen. Er bringt die alten Volkslieder wie „Det Händer Sig En Aftonstund“ zum Klingen. Wie nah er diesen Traditionen ist, beweist er mit seinem eigenen Lied „Tretton År“. Dieses Album kann man immer wieder hören.

Bernd Künzer

 

HAZELIUS HEDIN – Sunnan


DAVID HOPE
Scarecrow

(Deepdive Records DH2/Believe Digital, go! www.davidhope.ie )
11 Tracks, 38:36

Stampfender Country, Folkballaden, heulende Blueslicks, kernige Stimme, und hier und dort ein wenig Bluegrass – David Hope beherrscht die gesamte Klaviatur des Americana. Die Songs seines zweiten Albums, das nun drei Jahre nach der Entstehung auch in Deutschland veröffentlicht wird, stehen knietief in amerikanischer Rootsmusik jedweder Ausprägung. Geeint werden die elf Tracks durch den Gesang Hopes, der sich das bruststimmenlastige Organ eines Pogues-Frontsängers oder eines Tom Waits angelegt hat. Besonders schön wird die Stimme jedoch, wenn sie unaffektiert und weniger martialisch in den Balladen wie „Let Her Go“ als Erzählmedium agiert statt als Kunstprodukt. Und erzählen kann Hope. Seine Songs sind grimmig, wertend, humorvoll, sentimental und voller Fantasie. In dem Titeltrack „Scarecrow“ malt Hope das Bild einer wahrhaft finsteren Kreatur: „Ich bin Jesus in heruntergekommenem Anzug, habe Stroh als Eingeweide und einen Besen als Rückgrat. Ich bin eine Vogelscheuche. Ich bin die Dunkelheit, der Raum dazwischen. Ich bin der hinterhältige Schneider, der deine Träume webt.“ Der Ire aus dem ländlichen County Clare kann sich ohne Weiteres mit Zeit- und Landesgenossen wie Mick Flannery und Declan O’Rourke messen.

Judith Wiemers

 

DAVID HOPE – Scarecrow


SARAH McQUAID
Walking Into White

(Waterbug Records WBG119 go! www.sarahmcquaid.com )
14 Tracks, 34:45, mit engl. Texten u. Infos

Auf ihrem vierten Album hat die englische Amerikanerin Sarah McQuaid von gewohnten Klängen Abschied genommen. Ihr bisheriger folkorientierter Produzent, der Ire Gerry O’Beirne, taucht nur noch als Mitverfasser eines Songs auf. Dessen Aufgabe übernahmen die Amerikaner Adam Pierce und Jeremy Backofen, die mit Folk bislang wenig zu tun hatten. Deren Hörerwartungen unterscheiden sich deutlich von O’Beirne, und entsprechend anders klingt McQuaid: Der Sound geht eher in Richtung Indie und bewegt sich zwischen A-cappella-Gesang mit Hintergrundrauschen, angejazzten und bluesigen Tönen und Drums, Bass und Fender, aber selbstverständlich ist die akustische Gitarre weiterhin dabei. Auch sorgten Pierce und Backofen neben ungewöhnlichen Klangideen für deutlich gestraffte Texte, sodass die Lieder meist unter drei Minuten bleiben. Neben den Eigenkompositionen interpretiert McQuaid die Hymne „Lasst uns erfreuen“ (auf Englisch) und MacColls legendäres „The First Time Ever I Saw Your Face“. Ein mutiges Album mit einem potenziellen Pophit („The Silver Lining“), und im März können McQuaids Fans die Liveumsetzung im Rahmen einiger Deutschlandkonzerte überprüfen.

Mike Kamp

 

SARAH McQUAID   – Walking Into White


EITHNE NÍ UALLACHÁIN
Bilingua

(Gael Linn CEFCD 206, go! www.eithneniuallachain.com )
11 Tracks, 50:51, mit sehr umfangreichem Booklet

Einige Leser werden sich an La Lugh erinnern, eine interessante kleine Formation aus der nordirisch-irischen Grenzregion. Fiddle (Gerry O’Connor), Flute und Gesang standen im Vordergrund. Ende der Neunzigerjahre, als Eithne Ní Uallacháin den tragischen Weg in den Freitod wählte, waren die Aufnahmen für ihr erst jetzt vorgelegtes Soloalbum mit vorwiegend selbst geschriebenen Songs kurz vor der Vollendung. Während der schweren Folgejahre in die endgültige musikalische Form gegossen durch Sohn Donal (Fiddle, Keyboards), unter virtuoser Mitwirkung O’Connors und durch Beiträge anderer Freunde an Gitarre (Gilles Le Bigot), Pipes (John McSherry) Percussion, Cello sowie mit einem Streichquartett, ist dies ein ergreifendes, tief bewegendes und spannendes Album geworden. Noch einmal diese weiche, dennoch so gradlinig klare, fest in der irischen Gesangstradition begründete Stimme, dieser fantasievolle eklektische Ansatz, diese betörenden bis aufregend dissonanten Stimmschichtungen, fast psychedelisch manchmal – das ist einfach einzigartig! Ein reiches, liebevoll gestaltetes Booklet rundet diese außergewöhnliche Produktion ab. Höchste Empfehlung!

Johannes Schiefner

 

EITHNE NÍ UALLACHÁIN  – Bilingua


KURT OSTBAHN UND DIE MUSIKER SEINES VERTRAUENS
2014 Live Auf der Kaiserwiese Vol. 1 + 2

(E&A Records 142/Cargo Records , go! www.williresetarits.at )
CD 1: 8 Tracks, 42:15, CD 2: 7 Tracks, 39:03

Kurt Ostbahn, das muss man Nichtwienern erklären, ist eine Kunstfigur, ausgedacht von Günter Brödl (1955-2000). Ostbahn-Kurtl ist Kult in Wien, einst kündeten Graffitis von seinem Ruhm, und der begründete sich in rumpeligem Rock, mit dem Ostbahn-Kurtl musikalisch das österreichische Pendant zu Deutschrockern wie Lindenberg, BAP & Co. bildete. Nur: Brödls Texte waren besser, und Ostbahn-Kurtl war eine Klasse für sich. Dargestellt wurde er vom Sänger Willi Resetarits, der bei den Schmetterlingen in den Siebzigern politisches Bewusstsein gezeigt hatte und unter eigenem Namen das Beste ist, was Österreich zu bieten hat. Zuletzt ist er mit seiner Stubnblues-Band aufgefallen: Lieder im Wiener Dialekt, mit akustischem Instrumentarium. Allerdings ließ die Nachfrage nach seiner Rockvergangenheit nicht nach, und auch er meinte: „Mein Rock-’n’-Roll-Herz ist noch nicht befriedigt.“ Also raus zu einem Livekonzert vor einem Publikum, das Grund zur Begeisterung hat. Die zehnköpfige Band kann rocken ohne zu rumpeln, und es kann mit Akkordeon so wehmütig sein, wie es Resetarits und die von Melancholie und Witz gesättigten Songs verlangen. Kurt Ostbahn darf nicht sterben!

Harald Justin

 

KURT OSTBAHN UND DIE MUSIKER SEINES VERTRAUENS –  2014 Live Auf der Kaiserwiese Vol. 1 + 2


ALAN REID & ROB VAN SANTE
Rough Diamonds

(Red Sands Music RSCD004, go! www.reidvansante.com )
12 Tracks, 51:11, mit wenigen engl. Infos

Der Battlefield-Band-Gründer Reid und der Bandsoundmann (beide ex) erfreuen uns ausnahmsweise mal nicht mit einem Themenalbum, obwohl sich einige Songs – vielleicht eher zufällig – mit dem Bergbau beschäftigen. Eine weitere Konstante sind die Reid-Songs, fünf an der Zahl, die sich wie üblich mit historischen Gegebenheiten auseinandersetzen. Und dann sind da noch interessante Coverversionen, zum Beispiel Davy Steeles „Last Trip Home“ oder Paul Metsers „Farewell To The Gold“, ebenso großartige wie eingängige Lieder, nicht zu vergessen ein traditioneller Burns-Hit aus ihrem Liveprogramm: „My Love is Like A Red Red Rose“. Apropos Live, obwohl mit Stewart Forbes (Saxofon) und John Martin (Oktavgeige, Cello) zwei Gäste dabei sind, ist das Album in erster Linie ein Spiegel der Livearbeit von Reid/van Sante, ausgestattet nur mit sehr dezenten Overdubs, wobei sich beide Musiker die Gesangspflichten teilen. Eines der Werke, die Konzertbesucher herzlich gerne mit nach Hause nehmen, und obwohl die Arrangements zwei-, dreimal ein wenig sehr in Richtung altbackenem Tanzbandsound gehen, definitiv eines, das auch ohne das Liveerlebnis viel Freude bereitet.

Mike Kamp

 

ALAN REID & ROB VAN SANTE –  Rough Diamonds


TALI TOKÉ
Tali Toké

(Homerecords.be 4446115, go! www.talitoke.com )
11 Tracks, 60:05

Gute Nachrichten aus Brüssel: Mit Tali Toké bekommt Weltmusik neuen Spielraum. Ihr Name ist eine Mixtur aus Harry Belafontes „Come, Mista Taliman, tali mi banana“ und der Figur des verrückten Hutmachers, dem – auf Französisch – chapelier toqué. Heißt es doch in Alices Wunderland: „Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet.“ Die Musik des belgischen Quintetts ist eine raffiniert ausgeklügelte Fusion aus zeitgemäßem Folk, Ethnojazz und der freejazzartigen Experimentierfreude Neuer Musik. Der hörbare Spaß am Ausprobieren bringt Leichtigkeit mit sich. Exakt eine Handvoll Instrumentalisten, die nicht nur exzellent musizieren können, sondern dies auch mit überbordender Fantasie tun. Komponiert hat der Saxofonist François Lourtie, arrangiert haben sie alle zusammen. Jeder der fünf ist in eigenen Projekten engagiert. Dieses Album scheint ein Resümee ihrer Begegnung mit Saxofon, Geige, Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug. Mein Anspieltipp zum Aperitif ist „Chérie D’A“: ein königlich verspieltes Meditieren in pizzicato begleitendem Schreiten, das mal an das Penguin Cafe Orchestra, mal an das Kronos Quartett erinnert, geht nahtlos mit „Dans Les Petites Choses“ in Richtung Orient weiter.

Stefan Sell

 

TALI TOKÉ  –   Tali Toké


TOM THEUNS & PAUL RUSSELL
In Between Trees

(Homerecords.be 4446121, go! www.aurelia-feria.com , go! www.paulrussellmusic.com )
10 Tracks, 48:22, mit engl. Infos

Nach zahlreichen Veröffentlichungen mit Ambrozijn und Aurelia sowie seinem Soloalbum Songs From The River – vom Folker nahezu seit der Gründung des Magazins fast lückenlos mit erfreuten Rezensionen begleitet – legt der Genter Folkgitarrist und Sänger Tom Theuns mit In Between Trees erstmals ein Duoalbum vor. Gemeinsam mit dem Amerikaner Paul Russell, ebenfalls Gitarrist und Sänger und darüber hinaus Yogalehrer in Boulder, Colorado, zog er sich den Sommer über in eine Hütte in den Wäldern zurück, wo die beiden ihre jeweiligen Singer/Songwriter-Traditionen in einen homogenen Zehner makellosen Singer/Songwriter-Folks gossen. Von angelsächsischer Folklore über Ragtime bis Blues reicht das Spektrum, das sie in makelloser akustischer Produktion ebenso virtuos bespielen wie kompetent besingen. Inklusive „Scarborough Fair“, zum Ende des Albums in elegischer Ausführlichkeit interpretiert. Harmonisch im Vergleich zur üblichen Interpretation leicht eingedunkelt, lässt es ein harmonisch und rhythmisch munteres Albums angenehm entschleunigt ausklingen – kurz bevor noch ein Hidden Track in Kassettenrekorderaufnahmequalität folgt, der auch die so entstandene leichte Schwere wieder aufhebt...

Christian Beck

 

TOM THEUNS & PAUL RUSSELL – In Between Trees


THOMPSON
Family

(Fantasy/Universal, go! www.teddythompson.com )
CD: 10 Tracks, 41:11, mit Texten, DVD: 1 Track, 13:56

Familienbands sind in der Folkszene so selten nicht. Man denke nur an Waterson/Carthy oder die Cashs. Die Thompsons sind anders. Das ehemalige Folkrocktraumpaar Richard & Linda Thompson ist zwar schon lange geschieden, aber Tochter Kami und Sohn Teddy sind ebenfalls erfolgreich musikalisch tätig, und es war Letzterer, der die Idee eines Familienalbums hatte. So was macht man heutzutage auch über die Distanz per E-Mail und Soundfiles, und zu seinem großen Erstaunen sagten alle ihr Mitwirken und jeweils zwei Songs zu. Hinzu kamen Teddys Halbbruder Jack und der Neffe Zak Hobbs mit je einem Song. In London bearbeitete Teddy mit Mutter und Schwester die Beiträge, um dann mit den Resultaten nach Los Angeles zu fliegen, damit Vater Richard seinen Teil beisteuern konnte. Das Ergebnis: wunderbarer akustischer Folkrock höchster Qualität. Teddy Thompson ist nicht nur Initiator und Produzent, sondern auch der mitfühlende Sohn, dem die chaotische Familie wichtig ist. Sein Titelsong beweist das ebenso wie seine sympathischen Aussagen und Einstellungen auf der kurzen DVD, die unverständlicherweise nur der Deluxe-Ausgabe beiliegt. Live wird es diese Musik wohl nie geben, daher gilt für Thompson-Fans: Dieses Album ist ein Muss!

Mike Kamp

 

THOMPSON   –  Family

Update vom
28.02.2015
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