GASTSPIEL

Keine Dominanz im Musikmarkt

Amazons Macht wird überschätzt

Ein Boykott gegen den Onlinehändler ist derzeit nicht erforderlich

CHRISTIAN RATH * FOTO: CHRISTIAN BOULANGER

In der Buchbranche gilt Amazon als Super-Bösewicht: Ein Handelsriese, der seine Marktmacht missbraucht und den Verlagen seine Bedingungen diktieren will. Gilt das auch für den Musikmarkt? Kann man noch guten Gewissens CDs und MP3s bei Amazon kaufen?

TEXT: CHRISTIAN RATH

Amazon hat in den letzten Jahren einen massiven Imageschaden hinnehmen müssen. Immer mehr gilt das Unternehmen aus Seattle als Krake, die so viele Handelsbranchen wie möglich dominieren will. Verkauft wird heute fast alles, vom Gartenschlauch bis zur Windel. Das Wachstum der riesigen Versandlager realisierte Amazon zeitweise vor allem mit Leiharbeitern, die schlecht behandelt und eingeschüchtert wurden. Dies führte auch immer wieder zu Konflikten mit der Gewerkschaft. Seit Amazon verstärkt auf Festangestellte setzt, wird um die Höhe der Löhne gestritten. Während Verdi eine Bezahlung nach dem Einzelhandelstarif durchsetzen möchte, will Amazon nur nach dem (niedrigeren) Logistiktarif zahlen. Durch raffinierte Deals mit dem Luxemburger Fiskus hat Amazon zudem erreicht, dass es auf seine europäischen Gewinne nur ein Prozent Steuern zahlt. Auch bei der Umsatzsteuer wurde getrickst. Als Luxemburger Unternehmen führt der Konzern nur drei Prozent Umsatzsteuer ab, statt neunzehn Prozent wie deutsche Konkurrenten. Auch das ist ein Grund für die günstigen Preise. Die EU-Kommission will nun für mehr Steuergerechtigkeit sorgen.

Am meisten Aufmerksamkeit fanden zuletzt aber die Auseinandersetzungen um den Buchmarkt. Amazon wollte die Handelsspanne für E-Books von dreißig auf fünfzig Prozent steigern. Die Verlage wiesen das zurück. Deshalb setzte Amazon in den USA und in Deutschland einzelne Verlagsgruppen unter Druck, indem zum Beispiel ältere Bücher nicht mehr in den Empfehlungen auftauchten („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch …“). Rund zweitausend Autoren unterzeichneten einen Aufruf gegen Amazon. Inzwischen haben sich der Onlinehändler und die Verlage vertraulich geeinigt – wohl auf vierzig Prozent Rabatt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hielt seine Kartellbeschwerde aber aufrecht, Amazon missbrauche seine Marktmacht.

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Update vom
26.12.2014
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