LEVON ESKENIAN * FOTO: HAYATO IMANISHI

„Jede Pause hat ihre Bedeutung“

Levon Eskenian und das Gurdjieff Folk Instruments Ensemble

Jahrtausende alte Musikschätze Armeniens



Levon Eskenian ist einer der herausragenden Köpfe in Sachen Bewahrung und Neuinterpretation der Musik des armenischen Volkes. Für sein Gurdjieff Folk Instruments Ensemble hat er in Feinarbeit Gurdjieffs/de Hartmanns weltbekannte Pianostücke in die vermutete Originalbesetzung zurückgeführt. Sein nächstes Projekt wird sich mit der Musik des Komponisten Komitas Vartabet befassen. Stefan Franzen traf Eskenian beim TFF in Rudolstadt.

» Als ich das erste Mal Gurdjieffs Pianomusik hörte, fühlte ich mich, als sei ich nach Hause gekommen. «
Welche Bedeutung hat Georges Gurdjieff für Sie persönlich?

Als ich das erste Mal Gurdjieffs Pianomusik hörte, fühlte ich mich, als sei ich nach Hause gekommen, denn ich habe solche Musik während meiner Kindheit gehört. Da diese Musik ursprünglich aus dem Osten kommt, dachte ich, es könnte zum Verständnis besser sein, sie für die Instrumente zu arrangieren, die Gurdjieff möglicherweise dort gehört hatte. Es gibt bei ihm Melodien aus Armenien, Griechenland, Arabien, Syrien, und die versuchte ich zurückzuübertragen. Als Basis für die Instrumentierung nahm ich die traditionelle Besetzung jeder dieser ethnischen Gruppen. Wichtig waren mir die Mikrointervalle und Rhythmen, die in den Klavierfassungen verloren gegangen sind.

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DISKOGRAFIE:
Music Of Georges I. Gurdjieff (ECM, 2011)
Das Album mit Werken von Komitas Vartabet ist für 2015 geplant.

Cover Music of Georges I. Gurdjieff

Gibt es in den Pianoarrangements von de Hartmann irgendwelche Hinweise auf die ursprüngliche Besetzung der jeweiligen Stücke?

Die Struktur der Stücke kann einen zu den Instrumenten führen, aber es war auch eine gewisse Recherche nötig. Wenn wir zum Beispiel den „Chant From A Holy Book“ spielen, ein Stück, das eng an die armenischen Hymnen angelehnt ist, dann verwende ich das typische armenische Blasinstrument, die Duduk. Bei einer kurdischen Melodie kommt die Langhalslaute Saz zum Zuge, denn sie ist typisch für die kurdischen Schäfer.

Ist die Tradition des Aschug, des Barden, und die der Folkensembles, die Gurdjieff in seiner Jugend hörte, heute noch lebendig in Armenien?

Es ist eine mündlich überlieferte Musik, und es gibt auch heute noch viele Aschugen, sogar eine Schule für die Bewahrung dieser Tradition. Einige der Musikstücke, die über Jahrhunderte oral tradiert wurden, kann man heute in Armenien noch hören, zum Beispiel den „Caucasian Dance“ in verschiedenen Versionen. Auch andere Stücke, die Zeitgenossen von Gurdjieff wie Komitas Vartabet geschrieben haben. Gerade Komitas liefert sehr wichtige Hinweise, die auch zum besseren Verständnis von Gurdjieff führen könnten. Denn Gurdjieff schickte de Hartmann 1919 auch nach Armenien, um die Musik von Komitas zu studieren, damit er in der Lage sein würde, seine eigenen Stücke besser zu transkribieren.

Ein Kritiker schreibt im Booklet Ihres Albums, es sei „aus der Stille erwachsen“. Ist es für diese Musik am besten, wenn sie in einem stillen, sakralen Rahmen, wie ihn die Stadtkirche Rudolstadt bietet, gespielt wird?

Sie braucht ganz sicherlich Konzentration des Publikums, damit jedes Timbre, jede Schwingung gehört werden kann, und Gurdjieff spricht ja oft von Schwingung. Die Musik muss in Verbindung kommen mit den drei Zentren: Gefühl, Verstand und Physis. Sie sollten in harmonischer Weise zusammenwirken. Und da hat jede Pause ihre Bedeutung.

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GEORGES I. GURDJIEFF


Georges I. Gurdjieff (1866-1949) suchte auf Reisen nach Persien, Tibet, Indien und in arabische Länder Antworten auf spirituelle Fragen, sammelte dabei auch Musik und Tänze, die er später seinem Assistenten Thomas de Hartmann zur Übertragung aufs Piano diktierte. Er entwickelte in seinem „Institut zur Harmonischen Entwicklung des Menschen“ unter anderem mittels bestimmter Bewegungen Konzentrationsübungen, die dem Menschen helfen sollen, seine wahre Natur zu erfassen. Gurdjieff wurde zu einem weltweit bekannten spirituellen Lehrer, ist wegen seiner unorthodoxen Methoden jedoch umstritten.

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Update vom
26.12.2014
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