Instrumente
der Welt

Daumenklavier
Des Wanderers Freund

 
Bei diesem „Klavier“ sind die „Tasten“ zugleich die „Saiten“. Mindestens fünf Lamellen oder Zungen sind beim Daumenklavier üblich – es können aber bis zu sechsundfünfzig sein, die dann in mehreren Registerreihen übereinanderliegen. Man zupft sie tatsächlich mit den Daumen an, außerdem mit den Zeigefingern, und zwar mit Fingernägeln und Fingerkuppen. Das Daumenklavier ist vielleicht das afrikanischste aller Instrumente – ohne Vorgänger oder Parallelen auf anderen Erdteilen.

TEXT: HANS-JÜRGEN SCHAAL
STELLA CHIWESHE

Südlich der Sahara findet man es in vielen weit voneinander entfernten Gebieten in West-, Zentral-, Süd- und Ostafrika bei ganz unterschiedlichen Ethnien und unter ganz verschiedenen Namen. Timbili heißt es in Kamerun, Mbira in Simbabwe, Kadongo in Uganda, Nsansi in Mosambik, Kalimba in Malawi. In Tansania firmiert es auch als Luliimba, im Kongo als Likembe oder Gibinji. In Südafrika kennt man es als Deza, in Burkina Faso als Kone. Musikwissenschaftler bevorzugen den Namen „Sanza“ oder reden überhaupt von einem Lamellofon oder Zupfidiofon. Im Musikalienhandel heißt es meist Kalimba oder Mbira. Um da Verwirrungen vorzubeugen, ist der Begriff „Daumenklavier“ doch recht sinnvoll. Er mag veraltet und kolonialistisch sein, aber diskriminierend ist er nicht.
» Die Saiten werden ‚in der Luft‘ gegriffen. «
MBIRA DZA VADZIMU MIT RESONANZKÖRPER * FOTO: KLAUS-PETER BRENNER

Die Lamellen des Daumenklaviers bestehen traditionell aus Metall, Bambus, Baumrinde, Schilfrohr oder Palmstängel. Im heutigen Afrika werden dafür auch schon mal Teelöffel oder umgeschmolzene Sesselfedern und Fahrradspeichen verwendet. Befestigt sind die Zungen auf einem kleinen Resonanzkästchen, das aus Holz oder Bambus gefertigt wird. Auch Schalen, aufgeschnittene Bambusrohre, halbe Kalebassen, Schildkrötenpanzer, selbst Plastikgefäße dienen als Resonanzkörper. Gestimmt wird das „kleine afrikanische Klavier“ sehr unterschiedlich, je nach der in einer Region bevorzugten Tonalität. Zungen, deren Töne dissonieren, liegen in der Regel weit auseinander. Gelegentlich werden Metallmanschetten, Schneckenhäuser oder auch Kronkorken an den Zungen befestigt, um einen klirrenden Klang zu erhalten. Moderne Daumenklaviere werden heute auf der ganzen Welt gefertigt. Es gibt auch besondere Varianten wie die Array Mbira mit ihren einhundertfünfzig Lamellen oder die Sansula, die mit einer Rahmentrommel kombiniert ist. Auf Kuba ist die Marimbula (Rumbabox) gebräuchlich.

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Update vom
26.12.2014
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