PARVAZ HOMAY * FOTO: BERND G. SCHMITZ

„In der Hölle ist es besser als im Paradies“

Der iranische Sänger und Dichter Parvaz Homay

Musik im Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik

Parvaz Homay gilt als Erneuerer der traditionellen persischen Liedlyrik. Während es bisher in der klassischen iranischen Kunstmusik überwiegend üblich war, die Texte bedeutender Dichter wie Hafez, Khayyam, Attar oder Rumi gesanglich zu interpretieren, trägt der vierunddreißigjährige Sänger aus der nordwestiranischen Provinz Gilan bei seinen Konzerten eigene Texte vor – zwar kunstvoll gereimt, aber in ihrer Aussage im Hinblick auf konservative Kleriker nicht wenig provozierend. Viele Iraner schätzen den frischen Wind, den er mit seiner frechen Lyrik entfacht hat. Auch junge Männer und Frauen, denen die traditionelle Musik bisher zu verstaubt erschien, wenden sich dieser jetzt voller Neugier zu. Um öffentlich auftreten zu können, muss Parvaz Homay allerdings ins Ausland reisen.
TEXT: BERND G. SCHMITZ

Parvaz Homay wird 1980 im nordwestiranischen Dorf Ahmadsargurab als Sohn eines Bauern geboren. Saieed Jafar-Zadeh, so sein Geburtsname, wächst in ländlicher Umgebung auf. Neben der Schule muss er dem Vater bei der Landarbeit helfen. Der kleine Junge genießt die Zeit in der Natur und beobachtet gerne Tiere. Vor allem die Flugkünste der Vögel faszinieren ihn.
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Sarbazan (Mastan Records, 2011)
Dar Aghosh-e Khoda (Mastan Records, 2012)
Banu-ye Irani (Mastan Records, 2012)
Divane Cho Divane Bebinad (Mastan Records, 2013)
Bayadha Va Nabayadha (Mastan Records, 2014)

COVER DIVANEH CHO DIVANEH BEBINAD

» Der Adler, dessen Namen ich gewählt habe, ist der Stärkste und Freieste unter den Vögeln. «

„Schon als Kind wollte ich fliegen können. Deshalb mochte ich auch Vögel lieber als andere Tiere“, erinnert er sich heute. Später nennt er sich deshalb „Homay“ – nach einem mächtigen Greifvogel aus der klassischen persischen Literatur. „Der Adler, dessen Namen ich gewählt habe, ist der Stärkste und Freieste unter den Vögeln. Ihm fühle ich mich besonders nah, wenn ich in den Bergen Irans meinem Lieblingssport nachgehe. Ich bin nämlich begeisterter Gleitschirmflieger.“

Auch an die Musik seiner Kindheit erinnert sich Parvaz Homay, der ein Jahr nach der Islamischen Revolution zur Welt kam, genau: „Das waren ausschließlich traditionelle Klänge. Alles andere war verboten. Mir gefiel aber die Musik, die ich damals im Radio hörte. Deshalb begann ich, mich immer mehr damit zu beschäftigen.“ Wie alle jungen Leute im Iran bewundert er Mohammad-Resa Schadscharian, den Großmeister des klassischen persischen Gesangs, aber auch Fereydoon Pourreza und dessen nordiranische Volkslieder. Letzterer wird sein erster Musiklehrer.

Bereits in frühen Jahren interessiert sich Parvaz Homay für alles Künstlerische. In der Schule sind persische Dichtung und Malerei seine Lieblingsfächer. Mit fünfzehn meldet er sich auf einer Kunstschule in der nahen Provinzhauptstadt Rascht an. Zeitgleich nimmt er Gesangsunterricht und versucht sich auf der Theaterbühne. 1999, im Alter von neunzehn Jahren, wechselt Homay ans Musikkonservatorium in Teheran, lernt dort Klavierspielen und Setar, die dreisaitige iranische Langhalslaute. Menschen, die in dieser Zeit mit ihm zu tun haben, bescheinigen ihm schon damals viel Ehrgeiz und eine große Zielstrebigkeit.

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Update vom
26.12.2014
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