Rezensionen NORDAMERIKA/ KANADA


AMERICAN NOMAD
Country Mile

(Spruce and Maple Music SM 1101, go! www.americannomadmusic.com )
13 Tracks, 58:14

Mit dem Namen Hassan El-Tayyab wird man in den USA derzeit nur schwer Karriere machen. Aber unter diesem Ziel dürfte der Nachfahre eines Beduinenvolkes auch nicht angetreten sein. Im Namen seiner Band steckt er noch drin, der Nomade. El-Tayyab zog es in seinem Chevy Malibu quer durch Nordamerika, von Boston aus übers ganze Land, bevor er in der kalifornischen Bay Area hängen blieb. Dort lernte der Gitarrist die Sängerin Shilo Parkerson kennen, die mit ihrer kräftigen Stimme etliche Stücke des Albums prägt – beeinflusst von so unterschiedlichen Künstlerinnen wie Gillian Welch, Loretta Lynn und Billie Holiday. Was in etwa auch die musikalische Bandbreite der Stücke erfasst: Die zum Großteil von El-Tayyab stammenden Songs berühren Old-Time, Western Swing, Country, Blues und Folk. Einige von ihnen hätten das Zeug, zu Klassikern zu werden, etwa der Folksong „Be Here Now“ mit seiner intimen Fingerpickinggitarre und der Botschaft, im Hier und Jetzt zu sein und den eigenen Augen zu trauen. Oder „Hallelujah“, das mit ausstrahlender Wärme entzückt, eine zu Herzen gehende Countryballade – aber ganz ohne schmalziges Timbre. Wenn das die Musik amerikanischer Nomaden ist, dann bitte gerne.

Volker Dick

 

AMERICAN NOMAD   – Country Mile


FLACO & MAX
Legends & Legacies

(Smithsonian Folkways SFW CD 40569/Galileo MC, go! https://myspace.com/flacojimenezmusic )
17 Tracks, 58 min, 44-seit. Booklet mit engl. u. span. Texten u. Infos

Flaco Jiménez und Max Baca gehören zu den Familiendynastien, die Tejano Conjunto Musik über die Grenzen von Texas hinaus bekannt gemacht haben. Flaco, dessen Spiel auf dem dreireihigen Knopfakkordeon einem breiteren Publikum erstmals durch Ry Cooders Chicken Skin Music bekannt wurde, feierte dieses Jahr seinen 75. Geburtstag. Max, Jahrgang 1967, stand mit sieben Jahren zum ersten Mal mit Flaco auf der Bühne, der sich im weiteren Verlauf als Mentor und Lehrer des jungen Banjo-Sexto-Spielers erwies. Das vorliegende Album feiert auf siebzehn Stücken die traditionelle Conjunto Musik, wie sie seit Generationen gespielt wird. Wir hören Klassiker wie „Margarita, Margarita“, Standards wie „Mi Primer Amor“, das seit Dekaden zu Flacos Programm gehört, oder auch Stücke, die Flacos Vater Santiago Jiménez Sr. verfasst hat. Zum ersten Mal in ihrer Karriere singen Max und Flaco gemeinsam, und Akkordeon und Barca, begleitet von Bass und Schlagzeug, sind die Grundlage jeden Stückes. Die Beiden sind in ihrem Element, und es gibt dementsprechend musikalisch keine Überraschungen. Die Produktion ist transparent und auf das Wesentliche beschränkt. Eine schöne Zusammenfassung des Genres von zwei Veteranen und Meistern ihres Faches.

Dirk Trageser

 

FLACO & MAX    – Legends & Legacies


CHUCK PROPHET
Night Surfer

(Yep Roc Records/Cargo-Records, go! www.chuckprophet.com )
Promo-CD, 12 Songs, 46:33 

Nach Anfängen als Gitarrist des Folkrockquartetts Green on Red steht Prophet bereits seit über zwanzig Jahren als Solokünstler auf der Bühne. Mittlerweile ist mit Night Surfer sein dreizehntes Album auf dem Markt. Peter Buck (Ex-R.E.M.) ist – wie beim Vorgängeralbum Temple Beautiful – wieder mit dabei und trägt zum folkigen Sechzigerjahre-Flair der Songs bei. Doch ist Prophet vor allem ein persönlicher Geschichtenerzähler, der sich zeitkritische Kommentare verkneift. Die näselnde Stimme des fünfzigjährigen US-Amerikaners wird immer wieder gerne mit der von Kinks-Mastermind Ray Davies verglichen. Tatsächlich sind weitere musikalische Parallelen herauszuhören, wenngleich sich Chuck Prophet durch seine Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Musikern wie Bob Neuwirth, Jim Dickinson, Warren Zevon, Jonathan Richman oder Lucinda Williams als vielseitiger Musiker hervorgetan hat, der nicht immer im Mittelpunkt stehen muss. Gerade sein vielschichtiges Können kommt auf Night Surfer deutlich zum Tragen. Gitarrenbetont sind die Songs, und gerne setzen akustisch gespielte Streicherarrangements weiche Akzente. Abwechslungsreich ist dieses Album gestaltet, doch bleibt es vor allem im folkigen Songwriterbereich verortet.

Michael Freerix

 

CHUCK PROPHET     – Night Surfer


CHRIS SMITHER
Still On The Levee – A 50 Years Retrospective

(Homunculus Music/Signature Sounds 74374/Cargo, go! www.smither.com )
CD 1: 13 Tracks, 46:12; CD 2: 12 Tracks, 46:58, mit Texten

Wer den baumlangen Chris Smither schon einmal live gesehen hat, mag kaum glauben, dass der in Miami geborene und in New Orleans aufgewachsene Songschreiber bereits siebzig Jahre alt ist und fünfzig davon auf der Bühne steht. Ausgefeiltes, souverän entspanntes Fingerpicking, von Lightnin’ Hopkins und Mississippi John Hurt inspiriert, und eine leicht nuschelige, aber kraftvolle Stimme, die klingt, als habe ihr Besitzer vor dem Auftritt noch schnell mit Glasscherben in Bourbon gegurgelt. Seit Smithers 1970 sein erstes Album I’m A Stranger Too aufnahm, entstanden viele musikalische Freundschaften, mit Bonnie Raitt etwa, mit Lowell George oder mit Dr. John. Seinen bekanntesten Song, „Slow Surprise“, nahm Emmylou Harris für den Soundtrack des Films Der Pferdeflüsterer auf. Smithers Lieder erzählen tiefgründige Alltagsgeschichten über die universalen Themen Liebe, Leben und Verlust. Die Retrospektive umfasst fünfundzwanzig davon, die er mit seiner Stammband neu und, kurz gesagt, brillant eingespielt hat. Hochkarätige Gäste veredeln die Produktion, darunter Loudon Wainwright III (Gitarre und Gesang) und Allan Toussaint (Klavier). Hinzu kommen Smithers Schwester Catherine Norr (Gesang) sowie seine Tochter Robin (Geige). Gelegentliche Slide-Guitar- oder Cellolinien verfeinern die ausgefeilten Arrangements zu einem Genuss.

Ulrich Joosten

 

CHRIS SMITHER   – Still On The Levee – A 50 Years Retrospective


FRANK SOLIVAN & DIRTY KITCHEN
Cold Spell

(Compass Records 7 4633 2, go! www.dirtykitchenband.com )
Promo-CD, 10 Tracks, 48:23

Nach dem ersten Stück scheint klar: Was danach kommt, kann kein reiner Bluegrass sein. Eher ein akustisch vom Bluegrassinstrumentarium geprägtes Album voller kompositorischer Finessen und Feinheiten des Arrangements. Der frühe Eindruck relativiert sich dann im Laufe der zehn Songs – im Kern bleibt es Bluegrass, allerdings mit Elementen aus Jazz, Rock, Blues und Country beeindruckend anders formuliert. Davon kündet nicht nur der „Country Song“, der so gar nicht wie ein solcher klingt, sondern in dem es vor Breaks und schrägen Soli wimmelt und der zudem eine Länge von über acht Minuten erreicht! Prog-Grass offenbar. Dagegen lebt „She Said She Will“ von einem Bluesrock-Groove, bei dem die erstklassige Band mit Chris Luquette (g), Mike Munford (banjo) und Danny Booth (b) nichts verbirgt von ihrer kompakten Virtuosität, die sich durchs gesamte Album zieht. Frank Solivan zeigt sich als der gewohnt geschmackssichere Mandolinenspieler, brilliert aber genauso als Sänger, gleich ob soulig oder balladesk – gelegentlich umrahmt von wunderbaren Gesangsharmonien. Es gibt Bluegrass, den muss man nicht auf Platte bannen. Cold Spell lohnt dagegen das Zuhören von vorn bis hinten.

Volker Dick

 

FRANK SOLIVAN & DIRTY KITCHEN   – Cold Spell

Update vom
22.10.2014
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