TLALE MAKHENE UND BURNT FRIEDMAN * FOTO: BENJAMIN PRITZKULEIT

Festival und Konferenz

Berlin Music Week

Diskussionen und afrikanisch-deutsche Gemeinschaftsprojekte

Ortswechsel sind nicht immer eine clevere Idee. Die Popkomm, eine Mischung aus Musikmesse, Konferenz und Festival, zog 2004 von Köln nach Berlin. Das bekam ihr nicht gut, die Popkomm war schnell nur noch ein Schatten ihrer selbst und fand 2008 zum letzten Mal statt. Aus der Idee, dass Berlin trotzdem eine Branchenplattform für Musik benötigt, entstand bei den Netzwerken Berlin Music Commission und Clubcommission Berlin das Konzept der Berlin Music Week, das mit Unterstützung des damaligen Wirtschaftssenators Harald Wolf (Die Linke) Formen annahm und 2010 Premiere hatte. Folk und Weltmusik spielten dabei keine große Rolle. Das war in diesem Jahr anders: Zum ersten Mal gab es ein Forum für afrikanische Musik und für ein Straßenmusikprojekt wurden vor allem Liedermacher eingeladen. Die diskutierten Themen wie Streaming oder globale Vernetzung sind ohnehin für fast alle Genres relevant.
TEXT: WOLFGAG KÖNIG

Nach den Anfangsjahren im Terminal des ehemaligen Flughafens Tempelhof war dieses Mal der Postbahnhof in Friedrichshain die Zentrale der Berlin Music Week. Die gleich daneben stehenden Zelte eines Kinder- und Jugendzirkus konnten vom Poptreffen mitgenutzt werden, was auch inhaltlich durchaus passend war, ähnelt die Musikbranche doch oft genug dem Treiben in der Manege. „Von der Popkomm unterschied sich die Berlin Music Week von Anfang an durch die Absage an das Messekonzept“, erzählt Björn Döring, der Chef. „Im Zentrum standen stattdessen Konferenzen, Workshops, Weiterbildung, Networking – alles im Postbahnhof – und natürlich Livemusik mit hundertfünfzig Bands, die sich in fünfzehn Clubs vorstellten. Das Publikumsticket dafür kostete nur zwanzig Euro und wurde hervorragend nachgefragt. Außerdem haben wir mit ‚First We Take The Streets' den Trend zur Straßenmusik aufgegriffen. An zehn Stellen im Umfeld des Postbahnhofes wurden Auftrittsorte für Straßenmusiker aus verschiedenen Ländern eingerichtet, die meisten davon kamen aus dem Singer/Songwriter-Bereich.“
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» Musik funktioniert heute nur noch unter schwerster Selbstausbeutung. «

Das Konferenzprogramm „Word!“ umfasste gut einhundert Einzelveranstaltungen mit über zweihundert Gesprächsteilnehmern. Die Themen drehten sich vor allem um die weltweite musikalische Vernetzung, Musik als Wirtschaftszweig, um Kulturpolitik und die Konsequenzen der Digitalisierung für Künstler und Musikindustrie. Eines der Hauptthemen war Streaming, also die Verbreitung von Musik auf Abruf (ohne Download) über das Internet, finanziert entweder durch Werbung oder Abogebühren. Manche halten das für eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, mit Musik noch Geld zu verdienen, andere sehen es wesentlich kritischer. Der Sänger Dieter Meier meinte dazu: „Musik funktioniert doch heute nur noch unter schwerster Selbstausbeutung. Bei Spotify bekommst du pro gestreamtem Track 0,003 Cent. Sogar wenn du fünf Millionen Streams hast, kannst du davon nicht mal deine Wasserrechnung bezahlen.“ Eine mögliche Alternative sieht Meier in einem von Musikern getragenen Streamingdienst nach dem Vorbild der unter anderem von Charlie Chaplin mitgegründeten Film- und Plattenfirma United Artists. Die allerdings blieb nicht lange im Besitz der Künstler und wurde später zum börsennotierten Unternehmen.

Praktisch alle waren sich einig, dass Musik keine Ware wie jede andere ist, sondern zum großen Teil vom Enthusiasmus der Beteiligten lebt. Gerade das aber öffnet natürlich der Selbstausbeutung Tür und Tor, denn nicht nur das aktive Musikmachen, sondern auch der Betrieb von Labels, Musikzeitschriften und Radios ist vielfach nur möglich, wenn man den eigenen Lebensunterhalt überwiegend auf andere Weise finanzieren kann. Auch die noch relativ neue, viel beschworene Methode des Crowdfunding, also das Einsammeln von vielen kleineren Beträgen über das Internet, ist kein Allheilmittel, schon gar nicht für den Nachwuchs. „Crowdfunding kann doch nur funktionieren, wenn man schon eine Fangemeinde hat,“ erklärte Petra Husemann-Renner vom Label Motor Music.

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Update vom
22.10.2014
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