Folk aus der Ukraine

Veseli Vujky

Da steppt der Bär

VESELI VUJKY * FOTO: ARTEM KUTSAN

Im Moment ist es undenkbar, über eine ukrainische Folkband zu schreiben, ohne gleichzeitig die Lage in ihrem Land und der politischen Dimension von Musik anzusprechen. Ist es für Veseli Vujky schon eine politische Handlung, sich mit den musikalischen Traditionen ihrer Heimat zu beschäftigen? Befördert die aktuelle Krise den Stellenwert von Folk in der ukrainischen Gesellschaft? Im Publikumsgespräch mit Folker-Herausgeber Mike Kamp beim TFF machen drei der Bandmitglieder deutlich, wer in ihren Augen die Verantwortung für den Krieg, die Toten, die Verletzten und die Zerstörung trägt: „Die Politiker bereiten die Probleme, nicht die einfachen Menschen“, sagt Bandleader und Bratschist Volodymyr Ponomarov, und die anderen beiden stimmen ihm zu. Die Musiker stehen Rede und Antwort zu Fragen zum russischen Medienkrieg, zu Fehlern der Regierung, zu den Gründen für die Westorientierung in Teilen der Ukraine oder zu ihrer Musik. Sichtbar angefasst von der täglichen Bedrohung und in Sorge um die Situation zu Hause, sehen sie sich selbst allerdings mit ihrem künstlerischen Schaffen weit entfernt von jeder politischen Rolle. „Wir sind normale Leute, wir kommen aus ganz gewöhnlichen Familien und haben mit Politik nichts zu tun“, erklärt Sergiy Diachenko im Namen des Sextetts.

TEXT: SABINE FROESE

» Wir sind normale Leute, wir kommen aus ganz gewöhnlichen Familien und haben mit Politik nichts zu tun. «

Heimische Volksmusik sei im ganzen Land und quer durch alle Altersklassen beliebt, berichten Ponomarov und Diachenko im anschließenden Interview, und so wäre zu erwarten, dass es auch eine stattliche Anzahl guter Folkbands in der Ukraine gibt. Warum also die Gründung von Veseli Vujky vor vier Jahren? „Die Bands, die es gab, traten vor allem in Restaurants oder auf Partys auf und spielten nicht immer auf höchstem Niveau“, erinnert sich Ponomarov, der die Idee zur Formierung der Gruppe hatte:

DISKOGRAFIE:
Live At DZZ (National Radio Company of Ukraine, 2013)
Veseli Vujky 2014 (Eigenverlag, 2014)

COVER LIVE AT DZZ

„Wir kannten uns alle schon länger und haben zusammen in unterschiedlichen Ensembles verschiedener Stilrichtungen gespielt. Als ich vorschlug, eine qualitativ hochwertige Folkband zu formieren, waren meine Kollegen sofort begeistert. Wir wollten es besser machen, wollten Folk auf Basis traditioneller Musik in bester Qualität spielen.“ Authentizität ist dabei für alle ebenso wichtig wie die Öffnung gegenüber zeitgenössischen Strömungen. „Wir leben heute, wir interessieren uns für gegenwärtige Entwicklungen, und deshalb arrangieren wir die Titel so, dass auch junge Menschen Zugang dazu haben“, betont Volodymyr Ponomarov.

Das Repertoire Veseli Vujkys stammt aus allen Teilen der Ukraine, aber sie schreiben auch eigene Stücke. Maksym Berezhnyuk, der die traditionellen ukrainischen Blasinstrumente spielt und über fünfzig von ihnen besitzt, die er alle beherrscht, ist Musikethnologe und unternimmt regelmäßig Forschungsreisen durch das Land, von denen er seinen Kollegen bis dahin unbekannte Lieder mitbringt. „Wenn Maksym von einer Reise zurückkehrt, sind wir immer schon ganz gespannt, was er zusammengetragen hat, und freuen uns auf neues Material. Er kennt sich unglaublich gut aus“, erzählt Ponomarov. „Nachdem wir uns alles angehört haben, erarbeiten wir dann gemeinsam die Arrangements.“ Die Musiker sind davon überzeugt, dadurch einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung ihrer ukrainischen Kultur zu leisten, denn die Volksmusik ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil davon. „Jemand hat mal gesagt: Wenn du dich nicht an deine Geschichte erinnerst, hast du auch keine Zukunft“, sagt Percussionist Diachenko. „Neuartige Musikstile können sich zehn, zwanzig Jahre halten, aber irgendwann werden sie vergessen sein – das wird der Volksmusik nicht passieren.“

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26.08.2014
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