Dreißig Jahre Verband für Folk, Lied und Weltmusik

Brauchen wir Profolk?

Kritische Bestandsaufnahme zum Jubiläum

PROFOLK-VORSTAND MAIK UND DOREEN WOLTER, RALF GEHLER, MONICA MÜHLBERG, WILLI RODRIAN
Profolk lebt. Das ist die gute Nachricht. In diesem Herbst feiert der Verband für Folk, Lied und Weltmusik seinen dreißigsten Geburtstag. Allerdings ist kaum zu übersehen, dass Profolk schwächelt. Es stellt sich die Frage: Braucht Deutschland überhaupt einen Verband, der die
Folkszene vernetzt und nach außen vertritt? Für Profolk ist die Antwort klar: Es muss und wird weitergehen. Vom 10. bis 12. Oktober wird es ein Mitgliedertreffen in Marburg geben, bei dem nicht nur Geburtstag gefeiert, sondern auch über die Perspektiven beraten wird. Hier ein Überblick über die Geschichte des Verbands, den aktuellen Zustand und die Chancen für eine leuchtende Zukunft.

TEXT: CHRISTIAN RATH*



Schon am Anfang von Profolk stand die Krise. In den 1980er-Jahren war die Blütezeit der Folkmusik auch in Deutschland vorüber. Es gab zwar noch Folkklubs als Veranstalter, doch die Zuschauerzahlen brachen ein und die Förderung wurde gekürzt.

*CHRISTIAN RATH,
ist seit 1998 Mitglied von Profolk

In dieser Phase wurde Profolk gegründet. Nach zwei Vernetzungstreffen fand die eigentliche Gründungsversammlung im November 1984 in Göttingen statt.
» Profolk ist die
Summe der
Aktivitäten
seiner Mitglieder. «
Anwesend waren vierundzwanzig Personen, die dreizehn Klubs vor allem aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen repräsentierten. Man wollte Erfahrungen austauschen und zusammenarbeiten, zum Beispiel bei der Tourneeplanung. Treibende Kraft war damals Harald Schmidt aus Duisburg von den Folkfreunden Niederrhein, der auch ehrenamtlicher Profolk-Geschäftsführer wurde. Dem ersten Vorstand drückte Gerd Wagner aus Marburg seinen Stempel auf.

Fast wäre Profolk früh gestorben. Harald Schmidt neigte zu Eigenmächtigkeiten bei der Außendarstellung und in geschäftlichen Dingen. Ständig gab es Reibereien mit dem Vorstand und der Geschäftsführer wurde schließlich des Amts enthoben. Da er für den Verein angeschaffte Geräte nicht herausgeben wollte, wurde der Profolk-Initiator 1988 sogar aus dem Verein ausgeschlossen.
DOREEN WOLTER IN DER PROFOLK-GESCHÄFTSSTELLE

Ansonsten ging es Profolk aber ganz gut. Nun wurden auch immer mehr Musiker Mitglied. „Die Profolk-Treffen waren eine gute Mischung aus Konzert, Erfahrungsaustausch, Fachtagung und Mitgliederversammlung“, erinnert sich Profolk-Vize Frank Reglin, der damals schon dabei war. Zweimal pro Jahr kamen Aktive zusammen.
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LOGO PROFOLK 30 JAHRE
Auch eine Art Mitgliederzeitung gab es, zunächst die Profolk-Postille, später hieß sie Profolk Intern. Vorsitzender ab 1988 war der Journalist, Musiker und Veranstalter Jens-Peter Müller aus Schleswig-Holstein.

Dann kam die deutsch-deutsche Vereinigung. Beim legendären Profolk-Treffen im November 1990 in Bad Hersfeld, spielten nur DDR-Bands. Diskutiert wurde über die Unterschiede der Folkszenen in Ost und West. Und der Leipziger Uli Doberenz brachte den Plan mit, aus dem alten Tanzfest der DDR in Rudolstadt ein neues, großes gesamtdeutsches Folk- und Weltmusikfestival zu machen (siehe auch die Dokumentation auf www.folker.de dieser Diskussion aus Heft 4/2010). Die Zusammenarbeit mit Profolk unterstrich dabei den überregionalen Anspruch. Eine Handvoll westdeutscher Aktivisten wie Jens-Peter Müller und Bernhard Hanneken stiegen sogar konkret in die Organisation des neuen Tanz- und Folkfestes (TFF) mit ein. Hanneken ist heute noch künstlerischer Leiter in Rudolstadt.

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Update vom
26.08.2014
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Dieser Text ist nur ein Auszug des Original-Artikels der Print-Ausgabe!

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