Stern's Music - der Laden heute von innen
LABELPORTRÄT 65
Label, Vertrieb und Onlineservice in einem
Sterns Music
Klein-Afrika in London
Heute sind afrikanische Musiker und Musikerinnen wie Salif Keita, Fela Kuti, Youssou NDour, Angélique Kidjo, Staff Benda Bilili und Rokia Traoré keine Unbekannten mehr. Das war nicht immer so. Lange Zeit war Musik aus Afrika eine Sache für eine kleine Minderheit von Spezialisten und Insidern. Zur Popularisierung hat maßgeblich eine Firma beigetragen, die in London zu Hause ist: Sterns Music Vertrieb, Versandhandel und Plattenlabel in einem. Zeitweise war der Name Sterns in der britischen Hauptstadt gleichbedeutend mit afrikanischer Musik schlechthin. Doch der generelle Niedergang der Plattenindustrie hat auch den Pionieren einen empfindlichen Dämpfer verpasst.
TEXT: CHRISTOPH WAGNER
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Jahrelang bildete das Sterns African Record Centre eine Oase in der urbanen Asphaltwüste der Themse-Metropole: Klein-Afrika in London.
Schnell die Stufen von der U-Bahn-Station Warren Street hinauf, dann links um die Ecke und schon stand man vor der gläsernen Eingangstür,
hinter der sich die exotischsten musikalischen Schätze verbargen: Township-Jive aus Südafrika, westafrikanische Palmweinmusik, Juju aus Nigeria, Ethio-Jazz aus Addis Abeba,
kongolesische Rumba und Soukous, Raï aus dem Maghreb, Highlife und Afrobeat, Klänge aus Madagaskar und Sansibar, Töne von Balafon, Gimbri, Mbira und Kora.
Die gesamte Musik des Schwarzen Kontinents stand hier als Kassetten, LPs oder CDs in den Regalen.
Mehr als fünfundzwanzig Jahre lang war das Sterns African Record Centre der Mittelpunkt der afrikanischen Musik in London gewesen, ein Ort, wo sich Musiker, Journalisten
und Fans trafen, um über die neuesten Veröffentlichungen zu plaudern, ein Platz, an dem man noch Entdeckungen machen konnte.
Bei jedem London-Trip war ein Besuch bei Sterns für Weltmusikfreunde obligatorisch. Die Beratung war exzellent, weil hinterm Verkaufstresen Experten standen mit einem nahezu enzyklopädischen Wissen.
Sterns war Ende der Achtzigerjahre mit dem Weltmusiktrend groß geworden. Die World-Music-DJs der BBC halfen: Charlie Gillett und Andy Kershaw spielten in ihren Radiosendungen häufig die neuesten Titel von Mose Fan Fan, Manu Dibango oder Franco & lOK Jazz, ebenso John Peel, der zwischen Punk, Techno und Grunge immer wieder mal The Four Brothers, Thomas Mapfumo oder die Bhundu Boys auflegte. Musik aus Afrika kam mehr und mehr bei einem jungen Publikum an.
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Afrikanische Platten
waren damals sonst nirgends
in London zu bekommen.
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Bands aus Südafrika, Simbabwe und Zaire tourten nun durch das Vereinigte Königreich und erste Afrika-Festivals fanden statt, wie etwa Africa Oyé in Liverpool. Selbst große Schallplattenfirmen wie Virgin oder Island sprangen auf den Zug auf, was das Profil afrikanischer Musik generell anhob. Immer mehr Weltmusikfans kamen in den Laden, weil sie die Musik im Radio gehört hatten und jetzt das entsprechende Album haben wollten, erinnert sich Robert Urbanus, gebürtiger Holländer und einer der Betreiber von Sterns. Das neu gegründete WOMAD-Festival brachte zusätzliche Aufmerksamkeit und avancierte zu einer wichtigen Plattform für afrikanische Musik in Großbritannien.
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