5 Minuten mit...

Rotfront

Spiel mit den Klischees

Rotfront
» Was ich aufgelegt habe,
war so eine Art Modell
von dem, was ich gern
live spielen wollte. «



Berlin in den Neunzigern: Die Stadt ist im Umbruch, manchen Alteingesessenen kommt zu viel Bewegung auf, und sie ziehen weg; andere wiederum, wie Yuriy Gurzhy, verlassen ihre Heimat anderswo und wagen an der Spree einen Neuanfang. Dieser glückt dem Ukrainer vorbildlich, denn er hat eine ansehnliche Sammlung russischer und osteuropäischer Musik im Gepäck, die er ständig erweitert. Sie wird mit zur Grundlage der legendären Russendisko, einer Partyreihe, die er mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer und dessen Frau Olga ins Leben ruft und die – ebenso wie der Club Kaffee Burger, wo sie stattfindet – bald Kult wird. Mehrere Russendisko-CDs erscheinen, Kaminer bringt das gleichnamige Buch den literarischen Durchbruch, und 2012 folgt eine Verfilmung mit Matthias Schweighöfer, zu der wiederum Gurzhy den Soundtrack liefert.

TEXT: SABINE FROESE


„In Berlin reifte mein Wunsch, eine Band zu gründen. Bei der Russendisko habe ich dann Simon Wahorn kennengelernt. Er hat damals ungarische Musik aufgelegt und war auch selbst Musiker. Wir haben gemeinsame musikalische Vorlieben entdeckt und über mögliche zukünftige Projekte gesprochen.
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AKTUELLES ALBUM:
17 Deutsche Tänze (GMO – The Label/Rough Trade, 2014)

Cover 17 Deutsche Tänze


TERMINE:
18.07.14 30-Hannover: Gilde Parkbühne
08.08.14 CH-Hornussen: Sicht Feld Open Air
09.08.14 85-Eching: Brass Wiesn
12.09.14 50-Köln: Stadtgarten
13.09.14 60-Frankfurt: Zoom
25.09.14 04-Leipzig: Werk 2
26.09.14 67-Kaiserslautern: Kammgarn

Simon erzählte von seinem Mitbewohner, einem englischsprachigen deutschen Rapper, und schlug vor, dass wir zu dritt eine Band gründen. Das war die Geburtsstunde von Rotfront“, erinnert sich Gurzhy.

Die Erfahrungen aus der Russendisko sind prägend für die Musik der Gruppe, eine Mischung aus Ska, Hip-Hop, Polka, Klezmer, Dancehall, Reggae und Punk, die auf die Tanzfläche zwingt. „Was ich aufgelegt habe, war so eine Art Modell von dem, was ich gern live spielen wollte“, erzählt der Sänger und Gitarrist weiter. Dabei ging es ihm und Wahorn auch immer darum, Klischees aufzubrechen, indem sie sie plakativ einsetzten: „Russendisko“ zum Beispiel war ursprünglich eine abfällige Bezeichnung für Diskotheken, in denen hauptsächlich Osteuropäer verkehrten. Mit dem Namen Rotfront verbinden historisch Interessierte im deutschen Sprachraum den Rotfrontkämpferbund, der 1924 von der KPD gegründet wurde. „In der Sowjetunion war Rotfront ein beliebter Schokoladenhersteller, der schon seit vielen Jahrzehnten bestand und rund zwei Drittel des Marktes abdeckte. Das zeigt die verschiedenen Ebenen: Für Deutsche klingt der Name nach Politik, Russen denken sofort an Schokolade – alles hängt davon ab, woher du kommst“, resümiert der Frontmann und verweist auf eine wichtige Botschaft der Band, die sie auch selbst verkörpert: Das Zusammenleben und -arbeiten von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen kann bestens funktionieren und zu erstklassigen Resultaten führen.

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Update vom
25.06.2014
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