Die schwedischen Vollblut-Folkpuristen Triakel feiern im kommenden Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag und tun dies, wie es sich für Musiker gehört, schon vorab mit einer neuen CD. Nach Ulrikas Minne aus dem Jahr 2011 haben Triakel erneut ein Album mit den Liedern einer schwedischen Folksongaktivistin aufgenommen. Das Material stammt diesmal aus dem Fundus Thyra Karlssons, einer Frau, die bereits als Kind Melodien wie ein Schwamm aufgesogen und eine beachtliche Sammlung an Liedern hinterlassen hat. Sängerin Emma Härdelin kennt sie alle.

TEXT: DANIELA MÜHLBAUER

TRIAKEL * FOTO: KARIN ALFREDSSON

Skandinavisches Understatement

Triakel

Minimalismus auf Fiedel und Harmonium



Triakel hatten das große Glück, im Svenskt Visarkiv, dem Forschungszentrum für Volksmusik, Folk und Jazz aus Schweden, an das gesamte Material Thyra Karlssons zu kommen. Dieses Archiv bewahrt Aufnahmen, die Menschen im zwanzigsten Jahrhundert zu Hause gemacht und ihm später zur Verfügung gestellt haben. „Meist waren das ältere Leute, die die Volkslieder
» Thyra hat ihr Leben lang
Lieder gesammelt. «
von ihren Eltern lernten und sie für die Zukunft bewahren wollten. Thyra Karlsson war eine dieser Personen“, erzählt Emma Härdelin. „Sie hat ihr ganzes Leben lang Lieder gesammelt, schon von ihrem Vater, der Fiedelspieler war. Eines Tages verlieh er sein Instrument und bekam es nicht wieder zurück. So sang er fortan und pfiff stattdessen. Thyra und ihre Schwestern wurden oft gebeten, in der Schule oder in der Gemeinde aufzutreten. Die gesamte Familie schien großes musikalisches Talent zu haben.“

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DISKOGRAFIE
Triakel (Westpark, 1998)
Vintervisor (Westpark, 2000)
Sånger Från 63° N (Westpark, 2004)
Ten Years Of Triakel (Westpark, 2005)
Ulrikas Minne – Visor Från Frostviken (Westpark, 2011)
Thyra (Westpark, 2014)

COVER THYRA

Die Musik war es auch, die Karlsson Kraft und Halt im Leben gab. Sie stammte aus der Pfarrei Alanäs im Norden Jämtlands. Als sie drei Jahre alt war, starb die Mutter und hinterließ fünf Kinder, das Jüngste gerade einmal drei Monate alt. Zunächst wuchsen die Kinder in anderen Familien auf, später kamen alle bis auf den kleinen Bruder zum Vater. Ihrem Mädchennamen nach wurden die häufig bei Gemeinde- oder Schulveranstaltungen singenden Geschwister „Lindholms Näktergalar“ („Lindholms Nachtigallen“) genannt. Als Jugendliche arbeitete Thyra als Hausmädchen und Kellnerin. In den 1940er-Jahren kam sie nach Östersund, wo sie den Rest ihres Lebens bleiben sollte. Früh gebar sie zwei Kinder, die sie aus verschiedenen Gründen nicht selbst versorgen konnte, nur das dritte Kind wuchs bei ihr auf. Der Kummer darüber begleitete sie ihr Leben lang, genau wie die Musik. Häufig nahm sie ihre Zither zur Hand, spielte Schul- und Kirchenmelodien und sang Balladen, Lieder für Erwachsene und Kinder, Abzählreime oder einfach einen beliebten Schlager. „Obwohl sie nie eine berühmte Sängerin war, wurde ihr am Lebensende Aufmerksamkeit und Dankbarkeit zuteil, weil sie so viele Volkslieder gesammelt hatte“, erklärt Emma und bedauert, Thyra Karlsson, die 2001 89-jährig starb, nicht persönlich gekannt zu haben. „Doch ihre Tochter half uns bei der Entscheidung, ein Album mit diesem Material zu machen.“

Die Auswahl der vierzehn Stücke fiel Triakel nicht leicht, trotzdem kristallisierte sich für jedes Bandmitglied ein Lieblingsstück heraus: Harmoniumspieler Janne Strömstedt schwärmt für „Skomakarvisa“, ein Lied über die Emanzipation. Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die viele Heiratsanträge bekommt, diese jedoch immer ablehnt, denn sie ist glücklich, nicht für eine Familie kochen zu müssen, und rät allen Mädchen, Single zu bleiben. Für Geiger Kjell-Erik Eriksson ist „Tusen Tankar“ besonders. Der Titel stammt vom Debütalbum der Band und wurde für Thyra neu interpretiert. „Es ist der bedeutendste Triakel-Song für mich. Obwohl es eines unserer ersten Lieder war, bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn ich es spiele. Ich glaube auch, dass dieser Song die Hörer am meisten bewegt.“ Das Lied erzählt die Geschichte einer unerwiderten Liebe. Härdelins emotionaler Gesang, traurig, aber dennoch gefasst, rührt derart ans Herz, dass bei den Konzerten regelmäßig Taschentücher gezückt werden. Ganz anders „Amerikaresan“, ein typischer Auswanderersong. „Es geht um einen jungen Menschen, der auf ein Schiff nach Amerika steigt, fröhlich Abschied von seiner Familie und seiner Liebe nimmt und alles aufgibt für den Traum von einem besseren Leben“, übersetzt Emma Härdelin den Text. Musikalisch umgesetzt wird Thyra nach typischer Triakel-Art: Emmas glasklarer Gesang steht stets im Vordergrund und wird nur sparsam von Geige und Harmonium begleitet.

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Update vom
25.06.2014
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Dieser Text ist nur ein Auszug des Original-Artikels der Print-Ausgabe!

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