FOLKER
präsentiert:
TFF RUDOLSTADT
2014
Kazimoto bei Proben in Daressalam

Weißer Fleck mit vielen Farben

Die aktuelle Musikszene
Tansanias

TFF-Länderschwerpunkt



Es ist tatsächlich etwas beschämend: Während wir seit vielen Jahren über die Klänge der „klassischen“ Weltmusikländer im Westen, Süden und im Zentrum Schwarzafrikas bestens Bescheid wissen, gibt es im Osten des Kontinents noch viel Nachholbedarf. Tansania dürfte bei Kilimandscharo-Touristen einen höheren Bekanntheitsgrad besitzen als bei Musikbegeisterten. Werner Graebner, der Kurator des Tansania-Schwerpunkts beim TFF, hat im Gespräch mit Stefan Franzen für den Folker etwas Licht in die Angelegenheiten zwischen Rumbagürtel und Gewürzinseln gebracht.

Warum spielt eigentlich Tansania, wie viele Länder des ostafrikanischen Kulturraums, auf dem Weltmusikmarkt eine deutlich untergeordnete Rolle im Vergleich zu beispielweise Mali, Senegal, Kamerun oder der Demokratischen Republik Kongo?

Ich sehe die Ursache in den unterschiedlichen Entwicklungen der Kolonialgeschichte. Die Franzosen haben immer mehr getan auf dem Bildungssektor.
» Es war für die Musiker immer schwierig, sich in professionellem Rahmen zu präsentieren. «
Das merkt man daran, dass die westafrikanischen Musiker perfekt Französisch sprechen, redegewandt sind, sich besser verkaufen können auf Gastspielen im Ausland. Dazu kommt, dass speziell in Tansania bis in die 1980er alles staatlich kontrolliert war, Aufnahmen konnten nur beim staatlichen Rundfunk gemacht werden. Bänder wurden für Plattenveröffentlichungen oft über die Grenze nach Kenia gebracht, einige Bands sind für Aufnahmen schwarz über die Grenze gefahren. Die Ujamaa-Sozialisten wollten eine künstliche Nationalmusik schaffen auf der Basis von traditioneller Musik, mit Lobliedern auf Politiker. Da hat aber das Publikum nicht mitgemacht, sodass das Regime schließlich doch die populären Tanzbands dulden musste. Aber es war für die Musiker immer schwierig, sich in professionellem Rahmen zu präsentieren.

Trotz dieses politischen Sperrfeuers weist die tansanische Musik so viele unterschiedliche Facetten auf. Kann man sagen, das Land ist eine Schnittstelle zwischen schwarzafrikanischer und islamischer Kultur, die wiederum ein besonders breites musikalisches Spektrum bedingt?

Black Warriors & Analog Africa Soundsystem
Ich würde es so formulieren: Einerseits gibt es den Küstengürtel, der sich immer zum Ozean hin, in die arabische Welt und bis nach Indien ausgerichtet hat, andererseits die kontinentale Kultur, die schon zwanzig Kilometer ins Landesinnere hinein beginnt und bis zum Tanganjikasee reicht. Die Swahili-Küstenkultur besteht mit den Stadtstaaten seit dem achten Jahrhundert, also seit präislamischer Zeit. Sie hat als beherrschenden Sound den Taarab, während der Kontinent ab den 1930ern die Muziki Wa Dansi, also die städtische Populärmusik mit den Tanzbands ausgeprägt hat …

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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Diverse, Zanzibara Vol.1-8 (Buda Musique, 2005-2014)
Jagwa Music, Bongo Hotheads (Crammed Discs, 2012)
Rajab Suleiman & Kithara, Mtendeni Maulid Ensemble et al., Memoirs Of An Arabian Princess – Sounds Of Zanzibar (Winter & Winter/Edel, 2014)

...die auf den ersten Höreindruck sehr ähnlich klingen wie die Bands der Rumba Congolaise im zentralen Afrika. Gibt es da Verwandtschaften?

Es gibt die geografische Verbindung in den Osten des Kongo. Für Musiker von dort war es leichter, nach Tansania zu kommen als nach Kinshasa in den Westen, wohin die Straßen sehr schlecht waren. Es gab in Daressalam auch resident bands aus der ostkongolesischen Metropole Lubumbashi, da war es für sie während der Unruhezeiten in der Heimat leichter. Klar ist auch: Dieser geografische Raum weist gemeinsame historische Linien in der traditionellen Kultur auf, man spricht auch vom „Rumbagürtel“. Aber die tansanischen Tanzbands wie Mlimani Park weisen in ihrer Stilistik sehr viele lokale Eigenheiten auf. Man kann das in Rudolstadt erleben, wenn die Black Warriors auftreten, eine All-Star-Besetzung der Musiker von Mlimani Park, die noch am Leben sind.

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Update vom
25.06.2014
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