Reisefreudiges Duo

CATHRIN PFEIFER
UND IHR AKKORDEON

Fernwehmusik für Daheimgebliebene

Da haben sich einst die Richtigen gefunden! Die gebürtige Ostberlinerin entschied sich fürs Akkordeon, da war für sie ans „barrierefreie“ Reisen noch nicht zu denken. Und damit auch nicht an die Möglichkeit, die vielen Spuren ihres originär deutschen Instruments durch die weite Welt direkt zu verfolgen. Dies kann Cathrin Pfeifer nun quasi uneingeschränkt seit einem Vierteljahrhundert und sie holt sich mit großer Neugier bei ihren realen wie auch imaginären Erkundungen die nötige künstlerische Nahrung. Zwanzig der fünfundzwanzig Jahre im inspirierenden Verbund mit dem argentinischen Percussionisten Topo Gioia. Ein kleines, feines Jubiläum, das die Akkordeonistin das ganze Konzertjahr lang begeht.

TEXT: KATRIN WILKE

CATHRIN PFEIFER * FOTO: HEIKO MATZ
Die Anfänge ihrer erlebnis- und erkenntnisreichen Geschichte erinnert die musikalische Globetrotterin als eher „unromantisch“. Daher, so erzählt sie lachend, hätte sie zwischenzeitlich mal überlegt, sich wie andere Kollegen eine abenteuerliche Geschichte ihrer musikalischen Initiation auszudenken. Doch da war die Wahrheit schon raus, und die ist, dass Cathrin Pfeifer mit neun begann, Akkordeon zu lernen, angeschubst vom Direktor ihrer damaligen Musikschule. Gegen eine mögliche Sportkarriere entschied sie sich für die Musik, nachdem ihr Lehrer ihr nahegelegt hatte, doch fleißiger zu üben. Etwas, das man sich heute nicht mehr so recht vorstellen kann bei dieser stringenten Selfmadefrau. Ebenfalls kaum zu glauben, dass die gefragte World-Jazz-Akkordeonistin, die nach eigener Aussage bis auf Australien alle Kontinente kennt, nach wie vor ihre eigene Agentin ist und der mit Solo- und kollektiven Auftritten gut gefüllte Konzertplan ihr alleiniges Werk.
» Das Akkordeon ist ein starkes, gar aggressives Instrument, das sich in die jeweiligen Volksmusiken eingebracht hat. «

Gefragt nach ihren künstlerischen Visionen und Wünschen, äußert sie diese mit fast preußisch anmutendem Pragmatismus: „Jemand, der einem zum Beispiel weitestgehend das Booking abnimmt. Mal kein Zeitdefizit zu haben, schneller vorwärts zu kommen beim Entwickeln musikalischer Ideen.“ Diese könnten – so steht es auf Cathrin Pfeifers Wunschzettel – „auch mal mit (Bühnen-)Tanz zu tun haben. Gut wäre auch eine Band mit Groove, zu der ich – ohne die volle Verantwortung zu haben – einfach nur hinzukomme. Wo ich mich ausschließlich der Musik hingeben kann, die aber auch hundert Prozent die meine ist. Ohne nebenbei noch tausend andere Dinge im Kopf zu haben. Eine Band, die wie eine Familie für mich ist.“

go! www.cathrin-pfeifer.de

AUSWAHLDISKOGRAFIE
Pânico Na Panificadora (Oriente, 1995) Lonely Tramp (Saravah, 2002) Tough & Tender (Galileo MC, 2008) Pousse Blues Waltz (Galileo MC, 2012)

COVER POUSSE BLUES WALTZ

Ein solch „groovendes Familiengefühl“ dürfte die Berlinerin erstmals kurz nach Abschluss ihrer klassischen Akkordeonausbildung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler gehabt haben:
DUO CATHRIN PFEIFER & TOPO GIOIA * FOTO: GÖTZ RAKOW
Mitte der 1980er, also noch zu DDR-Zeiten, als die junge Absolventin bei Jams mitspielte. Bevor sie mit der Deutschfolkpioniere auch erste internationale Tourpraxis durchlief, kam sie zunächst durch deren Plattensammlung auf den Geschmack der Weltklangvielfalt.

Schon wenige Jahre später und nach ersten Erfahrungen als Theatermusikerin gründete Cathrin Pfeifer 1994 ihre erste eigene Band. Der seit 1976 in Deutschland lebende Topo Gioia ist von Anfang an dabei. Das ist bemerkenswert, hat der Percussionist doch auch anderweitig gut zu tun, wird von vielen Größen des Jazz und der Weltmusik sowie des Pop für Studio- und Livearbeiten gebucht. Doch ist es gerade diese stilistisch weitschweifige Versiertheit des Kollegen, die den Visionen der Akkordeonistin entspricht. Das nach all der Zeit einander blind verstehende, musikalisch seelenverwandte, kongeniale Duo sei irgendwie immer übrig geblieben, wenn wieder mal eine der vielen Bandumbesetzungen anstand. So resümiert Pfeifer schmunzelnd in einer ihrer charmanten, mit leisem Humor gespickten Konzertmoderationen. Zuallererst hätte da ein brasilianischer Percussionist auf ihrem Plan gestanden.

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Update vom
25.06.2014
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