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The Gloaming

Entschleunigungsfaktor

THE GLOAMING * FOTO: FERGAL WARD
» Die der alten Musik
innewohnende Kraft innerhalb
einer frischen Matrix arrangieren. «



Wer auch nur einmal in einem irischen Pub stand und einer Liveband beim Ausführen von Jigs und Reels lauschte, weiß: Ohne Schnelligkeit und Virtuosität kann diese Musik nicht leben. Oder etwa doch? Das irisch-amerikanische Kollektiv The Gloaming unterzieht das traditionelle Material einer geradezu zenhaften Betrachtung, paart die verlangsamten Instrumentals mit gälischen Texten aus verschiedenen Jahrhunderten und würzt das Ganze mit Kammerpop-Appeal. Kontemplation statt Schnelligkeitsrausch.

TEXT: STEFAN FRANZEN


Der Mann auf dem Coverbild schlägt Nägel in einen Holzsteg. Doch dieser Steg führt übers offene Wasser, Land ist nicht in Sicht. „Wir haben uns für dieses Bild von Robert und Shana Parkeharrison entschieden, weil es unsere Perspektive auf die Musik zusammenfasst“, erklärt Iarla Ó Lionaird. „Es steht für Offenheit, das Zufriedensein damit, dass man noch nicht weiß, wo es hingeht. Ganz im Gegensatz zum Offensichtlichen, das oft im Zusammenhang mit traditioneller Musik oder Folk steht.“
go! www.thegloaming.net

AKTUELLES ALBUM:
The Gloaming (Real World, 2014)

COVER THE GLOAMING

Der Sänger aus der West-Cork-Gaeltacht Cúil Aodha ist vokaler Dreh- und Angelpunkt von The Gloaming, einem Projekt, das für die Musik der grünen Insel ein kammermusikalischer Quantensprung ist. Auch der Bandname steht für Übergänge, ein Zwielicht zwischen „Wachen und Träumen, zwischen Altem und Neuem“. Dass diese fünf sich gefunden haben, ist ein Glücksfall: Ó Lionáird, mit dem alten gälischen Sean Nós-Gesang genauso groß geworden wie mit langjährigen Erfahrungen im World-Pop-Kollektiv Afro Celt Sound System, wird flankiert von Fiddle-Eminenz Martin Hayes und dem jungen Hardangerfiedelspieler Caoimhín Ó Raghallaigh als komplementäre Kräfte. Von der anderen Seite des Teiches schließen sich der Chicagoer Gitarrist Dennis Cahill mit seinem sparsamen Ton sowie Produzent und Pianist Thomas Bartlett an, der mit Rockgrößen wie The National oder Popbarde Glen Hansard (Once) arbeitete, dagegen keinen blassen Schimmer von der traditionellen Sphäre hat. Die unterschiedlichen Horizonte ermöglichen dem Quintett, „die der alten Musik innewohnende Kraft innerhalb einer frischen Matrix zu arrangieren“, wie Ó Lionáird es ausdrückt. Improvisation sei dabei zentral.

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Update vom
23.04.2014
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