Instrumente
der Welt

Shakuhachi
Schule des Atems

 
Der Name Shakuhachi bedeutet „eins Komma acht Fuß“ – denn das ist die Standardlänge der japanischen Bambusflöte: 54,5 Zentimeter. Bekannt geworden ist sie als Meditationswerkzeug der Zenmönche, die sie zeitweise aber auch als eine Art Knüppel oder Schwert benutzten. Im achtzehnten Jahrhundert belächelte die kulturelle Welt Japans noch die kraftvolle Form des Instruments und beschrieb die Shakuhachi als „so etwas Langes und Dickes“, das „vulgäre tiefe Töne“ hervorbringe.

TEXT: HANS-JÜRGEN SCHAAL
KOUSHI TSUKUDA * FOTO: FRANK SZAFINSKI

Als Bestandteil der höfischen Gagaku-Ensembles kam die Shakuhachi vermutlich im siebten Jahrhundert von China her auf die Inseln; die chinesische Längsflöte Xiao gilt als ihr Vorfahr. Im elften Jahrhundert jedoch scheint die Shakuhachi aus der Hofmusik wieder verschwunden zu sein – sie war wohl zu leise für die kräftiger werdenden Begleitinstrumente. Dafür entdeckten zenbuddhistische Bettlermönche (Komuso) die Bambusflöte als Werkzeug der Meditation, aber auch als schlagkräftige Waffe: Viele dieser umherziehenden Mönche waren arbeitslos gewordene Samurai, also ehemalige Soldaten und Kämpfer.
» Werkzeug der Meditation, aber auch schlagkräftige Waffe. «
Vor allem die im siebzehnten Jahrhundert gegründete Fuke-Sekte machte die Shakuhachi zu ihrem Wahrzeichen. Einer der Fuke-Mönche, Kurosawa Kinko (1710-1771), begründete auch die Honkyoku, eine Sammlung von Basisstücken, die bis heute als die ehrwürdigsten „Traditionals“ auf der Shakuhachi gelten. Trotz des Verbots der Fuke-Sekte 1871 prägen die Komuso-Tempel und die Kinko-Schule das Image der Shakuhachi bis heute.
SHAKUHACHI IN 1,9 UND 1,7 FUß

Gefertigt wird das Instrument aus dem Wurzelende des Madake-Bambus. Andere Materialien wie Holz, Sperrbambus, Plastik oder Plexiglas gelten dagegen als klanglich minderwertig. Die Bohrung ist leicht konisch, das Rohr im Durchmesser bis zu fünf Zentimeter dick, das Ende häufig ein wenig gebogen. Das gebräuchlichste Modell hat vier Fingerlöcher und ein Daumenloch und ist in einem pentatonischen d-Moll gestimmt. Angeblasen wird nur mithilfe einer Einkerbung am oberen Ende, meist verstärkt durch Metall oder Plastik. Typisch für die Shakuhachi ist die Innenlackierung (Urushi), die das Instrument schützen soll und seinen rauen, hauchigen Klang unterstützt. Die Herstellung eines solchen Instruments zieht sich über Jahre hin: von der Auswahl des Bambusrohrs über Trocknen und Lagern bis hin zum Stimmen, Lackieren, Bemalen und Beschnitzen. Manche streng spirituell orientierte Bläser lehnen diesen Aufwand als Luxus ab und bevorzugen stattdessen die Hotchiku, ein unbearbeitetes (oder sogar beschädigtes) Bambusrohr.

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In Heft 5/2014 setzt Hans-Jürgen Schaal seine Reihe fort. Dann geht es um das chinesische Streichinstrument Erhu.

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