DER FLUSS UND DER FADEN

ROSANNE CASH

EINE REISE IN DAS HERZ DES SÜDENS

Sie trägt einen großen Namen und sie tut es mit Würde. Seit fünfunddreißig Jahren ist die älteste Tochter der amerikanischen Nationalikone Johnny Cash als Sängerin, Songwriterin und Autorin erfolgreich. Nach Trauerarbeit auf Black Cadillac (2006), einer Auseinandersetzung mit dem musikalischen Familienerbe auf The List (2010) sowie der in den USA hochgelobten Autobiografie Composed (2010) ist jetzt mit The River & The Thread ein neues Album von Rosanne Cash erschienen, eine Songkollektion, die sich abermals mit dem Thema Identität beschäftigt. Cash schrieb dafür ihre ersten neuen Songs seit acht Jahren und kehrte zurück zu ihren Anfängen – in die amerikanischen Südstaaten.
TEXT: HARALD MÖNKEDIECK

ROSANNE CASH * FOTO: CLAY PATRICK MCBRIDE

Wer Rosanne Cash immer noch in Nashville vermutet, der wird sie dort längst nicht mehr finden. Obwohl die am 24. Mai 1955 in Memphis geborene Sängerin in den 1980er-Jahren ein Star der jungen Countryszene war und den Flughafen der Stadt kennt wie ihre eigene Westentasche, lebt die älteste der vier Cash-Töchter aus erster Ehe seit mehr als zwanzig Jahren in New York. Sie bewohnt mit ihrem Mann, dem Musiker, Songwriter und Produzenten John Leventhal, und dem gemeinsamen Sohn Jake ein Haus im Stadtteil Chelsea. Wie viele andere US-Künstler, deren Musik sich aus einer Vielzahl von Traditionsbezügen speist, sympathisiert auch Rosanne Cash inzwischen mit den Begriffen Americana und Roots Music, um allzu unbedachten Klassifizierungen und Einschränkungen vorzubeugen. Auch ihr neues Album ist ein Amalgam aus unterschiedlichsten Einflüssen – man könnte es Soul nennen, denn an Seelentiefe herrscht in den elf neuen Songs kein Mangel. Sie erzählen von einer Versöhnung mit der Vergangenheit und einer Neubetrachtung der eigenen Identität.
» Du musst den Faden lieben, die Verbindung zurück in die Jahrhunderte, zurück in die Geschichte deiner Herkunft und deiner Familie. «
Die Geschichte Rosanne Cashs ist oft erzählt worden in den letzten Jahren, insbesondere im Zuge ihrer Albumveröffentlichung The List (siehe auch Folker 1/2010).
go! www.rosannecash.com

AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Rosanne Cash (Ariola, 1978)
Seven Year Ache (Columbia, 1981)
Rhythm And Romance (Columbia, 1985)
Interiors (Columbia, 1990)
The Wheel (Columbia, 1993)
Rules Of Travel (Capitol, 2003)
The List (Blue Note/EMI, 2010)
The River & The Thread (Blue Note, 2014)

AUTOBIOGRAFIE:
Composed (Penguin, 2011)

COVER THE RIVER & THE THREAD

Sie enthält ausgewählte Coverversionen von einer Songliste, die die achtzehnjährige Rosanne einst als musikalische „Ausbildungsmaßnahme“ von ihrem Vater bekam: einhundert der wichtigsten Songs aus dem musikalischen Universum Johnny Cashs. Mit künstlerisch und kommerziell erfolgreichen Neuinterpretationen klassischer Songs wie „Long Black Veil“ oder „Girl From The North Country“ gelang es Rosanne Cash, sich als legitime Nachfolgerin im Familienerbe zu positionieren – viele Jahre nach ihrer ersten Karriere in Nashville, als sie mit dem Album Interiors (1990) einen Richtungswechsel hin zu unmittelbar persönlichen Inhalten vollzogen hatte. Aus heutiger Sicht ist The List darüber hinaus Teilstück eines größeren Gesamtzusammenhangs, in dem sich Cash intensiv mit dem Komplex Familie, Herkunft und Identität auseinandersetzt. The River & The Thread erweitert die Perspektive um den Faktor Regionalität.
„Das Album dreht sich zum Teil um den mythischen Süden, einen geistigen Ort, aber auch einen Ort des Gefühls und des Herzens“, sagt Rosanne Cash. „Es geht auch um ganz konkrete Orte. Menschen und Geschichten, die wir kennen. Das ganze Projekt fing an, als die Arkansas State University das Elternhaus meines Vaters in Dyess kaufte, um es zu einer Gedenkstätte zu machen. Ich habe mich daran beteiligt. Normalerweis tue ich das nicht, wenn es um Projekte geht, die sich mit meinem Vater beschäftigen, weil es schier endlos ist. Hier war es anders, denn ich fühlte, dass es ihm wichtig gewesen wäre. Seine Herkunft war prägend für das, was er war. Also reisten wir in den Süden, auch um Menschen zu treffen, die ich lange nicht gesehen hatte. Oder solche, die ich noch nicht kannte.“

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Update vom
06.05.2014
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