Rezensionen EUROPA


ÇIGDEM ASLAN
Mortissa

(Asphalt Tango CD-ATR 4313/Indigo, go! www.cigdemaslan.com )
13 Tracks, 52:56, mit Texten in Griech./Türk. u. engl. Übers. u. Infos

Eine grandiose Premiere! Çigdem Aslans Gesang führt uns in das faszinierende Lokalkolorit einer griechisch-türkisch-sefardischen Kultur. Die Zeitreise an den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lässt die verruchten Kneipen der Entwurzelten und Vertriebenen aufleben und selbstbewusste Frauen zu Wort kommen – lebendige Geschichten, facettenreich, authentisch, berührend. Meist wird die in London lebende kurdische Türkin nur von wenigen Musikern begleitet. Die feine Instrumentierung mit Geige, Klarinette, Kontrabass, Lauten steigert Intensität und Intimität der Lieder, auch mit reizenden solistischen Ausflügen. Ihre Vielseitigkeit beweist Aslan auch bei She’koyokh, einer namhaften europäischen Klezmerband, von der auch einige Mitglieder auf Mortissa spielen. Dieses erste Soloalbum, das von Asphalt Tango in Berlin veröffentlicht wird, widmet die Künstlerin den Menschen vom Gezi-Park. Die Verbindung zum Freiheitsdrang am Istanbuler Taksimplatz, der sich gegen die zunehmend restriktiven Tendenzen der Politik des Premiers Erdogan richtet, klingt keineswegs bemüht. Mortissa erinnert ohne Schönfärberei an Vielfalt und Toleranz, an Zeiten, in denen Griechen, Türken friedlich zusammen lebten.

Birger Gesthuisen

 

ÇIGDEM ASLAN – Mortissa


LAJLA RENATE BUER STORLI
Møya Som Drøymde

(Heilo HCD7278/Grappa Musikkforlag/Galileo MC, go! www.grappa.no )
14 Tracks, 39:00, mit norw. Texten u. norw./engl. Infos

Es ist erstaunlich, wie sich fortwährend jüngere Musiker die Quellen erschließen, aus denen die skandinavische Folkmusik schöpfen kann. Für Møya Som Drøymde hat die Sängerin und Hardangerfiedelspielerin Lajla Renate Buer Storli alte Melodien, die von ihrem früheren Lehrer Olav Sande und anderen gesammelt wurden, aufpoliert, wie sie sagt, um sie so an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Da die Texte einiger mittelalterlicher Balladen nur fragmentarisch vorhanden waren, hat Buer Storli sie ergänzt und in singbare Form gebracht. Arrangiert wurde stilecht auf historischen Instrumenten wie Harfe und Langeleik, gespielt von Stein Villa, sowie Hardangerfiedel, gespielt von Buer Storli und Knut Hamre. Aufgenommen wurde passend dazu in der Lagmannsstova, einem seit 1250 erhaltenen Holzbau in Agatunet, Hardanger. Mitproduzentin ist die preisgekrönte norwegische Folksängerin Kirsten Bråten Berg, die zwei Stücke auch mit ihrer Stimme bereichert. Neben den fünf A-cappella-Stücken klingen die anderen, das zweistimmig mit Kim André Rysstad, Harfe, gesungene „Agnete Og Havmannen“ oder „Målfrid Mi Frue“ mit drei Stimmen, Langeleik und Hardangerfiedel, fast opulent.

Bernd Künzer

 

LAJLA RENATE BUER STORLI  – Møya Som Drøymde


CLICA DRÒNA
Musica De Gasconha

(AEPEM 13/03, go! www.clicadrona.wix.com/site )
12 Tracks, 49:22

Vier junge Musiker aus Toulouse haben traditionelles Material aus ihrer Heimat auf eine Weise eingespielt, dass Traditionalisten garantiert die Ohren wegfliegen. Adeline Quentin (diatonisches Akkordeon, Geige), Bastien Fontanille (elektroakustische Drehleier, Percussion), Daniel Detammaeker (elektroakustische Toun Toun, Bendir, Trucanètas) und Adrien Villeneuve (gaskognischer Dudelsack, Einhandflöte) haben hörbar Spaß an anarchisch atonalen Experimenten. Schon das halbminütige Intro irritiert den Hörer: Dreißig Sekunden lang ertönt eine Kakofonie, ehe sie zügig in das erste Set Rondèus mündet. Das prägt zunächst der charakteristische Klang der Cornemuse Gascogne, bis schließlich die Drehleiern und – Tusch! – Gesang einsetzen. Mehrstimmig, wie auf jedem zweiten bis dritten Stück dieses Debüts – für französische Bordunmusik, oft reine Instrumentalmusik, ausgesprochen ungewöhnlich und entsprechend erfrischend. Clica Dròna spielen die Bourrées, Schottischen, Branles, Congos und Valses mit Verve – der Tradition verpflichtet, ohne davor zurückzuschrecken, diese in modernen und ausgeflippten Arrangements einer teils radikalen Frischzellenkur zu unterziehen. So muss moderne Bordunmusik klingen.

Ulrich Joosten

 

CLICA DRÒNA   – Musica De Gasconha


FULL SET
Notes After Dark

(FullSet Records FSRCD 002, go! www.fullsetmusic.com )
11 Tracks, 40:31, mit Infos

Aus der Masse junger irischer Bands sind Full Set eine, die Begeisterung verdienen. Ihr sehr hochkarätiges Zusammenspiel ist vital, sie sind ein kraftvoller Liveact. Oft haben Folkmusiker heute – im Unterschied zu den historischen Ikonen – eine akademische Musikausbildung genossen. So haben einige Full-Set-Bandmitglieder einen Abschluss des renommierten World Music Departments der Universität Limerick vorzuweisen. Anders ist kaum zu erklären, dass etwa der Italiener Martino Vacca auf derart hohem Niveau in einer solchen Band mitwirken kann. Sehr stilvoll kommt der Gesang Teresa Horgans, die mit einer wirklich schönen Version von „Both Sides The Tweed“ hier einen echten Hit gelandet hat, gegen den ihre Adaptationen aus dem amerikanischen Liedgut nach Meinung dieses Rezensenten abfallen. Michael Harrison – Enkel der legendären Fiddlerin Aggie Whyte – fiddelt auf höchstem Level, ebenso macht Janine Redmond ihren Job am Akkordeon sehr gut. Allerdings missfällt die Dominanz des Instruments aufgrund seiner Mehrchörigkeit. Doch sind das einzig noch Stilfragen in puncto Klang und Repertoire, das noch nicht aus einem Guss ist – Full Sets technisches Level lässt keine Wünsche übrig.

Johannes Schiefner

 

FULL SET   – Notes After Dark


HOT GRISELDA
Meow!

(Appel Rekords APR 1347, go! www.hotgriselda.eu )
14 Tracks, 63:03, mit Infos

Die Erwartungen, die das belgisch-niederländische Quartett mit seinem Debüt 2009 weckte, enttäuscht der Nachfolger nicht: Musikalität, Inspiration, virtuoses Instrumentalspiel und verspielte Klangexperimente reichen sich in vielfältiger Weise die Hand und machen Meow! so zu einem der herausragenden Alben des Jahres! Gleichermaßen für Liebhaber keltisch geprägter Musiklandschaften wie Freunde spannenden Bal Folks konzipiert, ist der Hörer eingeladen, sich in die schlangenförmigen Melodielinien sinken zu lassen. Manches ist ganz schön kopflastig, aber es gibt immer sogleich auflösende, nach vorn gehende, mitreißende Momente. Wunderbare Pipes, Low Whistles, Sopransaxofon und Akkordeon von Stijn van Beek und Toon van Mierlo und der fantastische Groove des Rhythmusduos Kaspar Laval (Bouzouki) und Jeroen Geerinck (Gitarre) machen Meow! zu einem dichten Hörgenuss. Van Beek fügt mit seinen Erfahrungen im Elektronikbereich einige ziemlich coole Ambient- und Noise-Übergänge hinzu, die der Rezensent als Tupfen auf dem i empfindet. Ebenso Kaspar Lavals gelungenen Einsatz der galicischen Gaita. Und tanzbar – mit Tanzdeklaration jedes Tracks – ist am Ende auch noch alles. Höchste Punktzahl!

Johannes Schiefner

 

HOT GRISELDA – Meow!


JAUNE TOUJOURS
Routes

(Choux de Bruxelles CHOU 1303/Broken Silence, go! www.jaunetourjours.com )
Promo-CD, 12 Tracks, 41:09

„Nobody talks in the elevator“ – Im Aufzug schweigen sich die Menschen nur an, trotz aller Nähe. Jaune Toujours nehmen das als Metapher für die Empathielosigkeit unserer westlichen Welt. Doch im gleichen Song bieten sie sich auch als Retter an: „Here we are: international movers of the heart!“ Jaune Toujours sind ein Sextett um den Sänger und Akkordeonisten Piet Maris, zu dem auch drei stilprägende Bläser sowie ein Bassist und ein Schlagzeuger gehören. Die Band aus Brüssel ist seit Jahren schon eine der wichtigsten europäischen Weltmusikbands. Sie macht auch auf ihrem fünften Studioalbum, dem achten insgesamt, wieder urbane Folkmusik zwischen Chanson, Rap und Funk, wobei vor allem das Akkordeon für die folkige Note sorgt. Jaune Toujours singen teils französisch, teils englisch. Viele Songs sind politisch, etwa „Hop On“ mit dem Bekenntnis „We’re on the same bus“. Passenderweise spielen auf vielen Tracks auch befreundete Weltmusiker mit, etwa von der Gangbé Brass Band aus Benin oder die Romasängerinnen von Mec Yek. Am eindruckvollsten ist der Track „Petit Chateau“ mit seinen Taktwechseln und einer berührenden Melodicabegleitung.

Christian Rath

 

JAUNE TOUJOURS  – Routes


DOMINIK PLANGGER
Hoffnungsstur

(Sturm und Klang S & K 16/Alive, go! www.dominikplangger.com )
14 Tracks, 52:27, mit dt. Texten und Infos

Konstantin Wecker ist nicht nur ein herausragender Liedermacher, Politaktivist und Entertainer, sondern auch ein rühriger Förderer begabter junger Musiker. Eins der Talente, denen Wecker sein Label Sturm & Klang als Startrampe zur Verfügung stellt, ist der Singer/Songwriter Dominik Plangger aus Südtirol. Das wirklich Besondere an Plangger ist sicherlich seine außergewöhnliche Stimme – sie trägt die Lieder auch jenseits der Inhalte und Klänge der Begleitinstrumente. Welchem Genre ist Plangger am ehesten zuzuordnen? Folk? Blues? Rock? Ihm egal! „Ich spiele Gitarre und singe Texte dazu“, sagt er. Seine Lieder handeln von dem, was er kennt: Familie („Als ich ein Junge war“), Erinnerungen an die Schule („Der Lehrer“), Empörung über politische Zustände („Da rührt sich was in mir“), Zuhause („Almliad“), Freunde („Mein Freund, der Afghane“). Neben den eigenen Songs covert Dominik Plangger aber auch Lieder, die zu ihm passen: Hannes Waders „Es ist an der Zeit“, Lucio Dallas „Piazza Grande“, das Plangger in Italienisch singt, Townes van Zandts „If I Needed You“ oder auch „Liebeslied im alten Stil“ von Konstantin Wecker. Den Namen Dominik Plangger sollte man sich merken.

Kai Engelke

 

DOMINIK PLANGGER – Hoffnungsstur


JOSÉ SALINAS
Tierra De Luz

(Zoomusic JS001/Galileo MC, go! josesalinascantaor.com )
9 Tracks, 49:21, mit span. Texten u. engl. Infos

Der Flamencosänger aus Almería, nun Valladolid, ist zwar von Kindheit an in dieser Kultur unterwegs, legt aber erst jetzt, knapp vierzigjährig, sein Debütalbum vor. Da darf man von viel musikalischem Gefühl und lange gesammeltem Wissen ausgehen. Dieses bekam der Andalusier vor allem während seines langen Madridaufenthalts in Zusammenarbeit mit vielen wichtigen Flamencotänzern. Nicht alle seiner Zunft durchlaufen diesen von den Meistern empfohlenen Weg, der gerade den Cantaor zur wahren Profilierung seines Gesangs führt: Erst das jahrelange Begleiten anderer machte Salinas fit, jetzt auch seine eigenen Visionen umzusetzen. Dabei kann er auf eine Handvoll exzellenter Musiker zählen, vorweg Gitarrist Amir John Haddad „El Amir“. Der gebürtige Deutsche mit libanesischen Wurzeln, der teilweise bei Radio Tarifa mitwirkte, schuf die Musik zu allen, teils von Salinas verfassten Stücken auf Tierra De Luz und produzierte das Album. Flamenco-Orthodoxie öffnet sich hier und da angenehm subtil mediterranen oder orientalischen Spielarten, argentinischem Tango oder flamencojazzigeren Anklängen. José Salinas’ warmer, geerdeter Gesang hat Tiefgang und bisweilen etwas von einem reifen, alten Sänger.

Katrin Wilke

 

JOSÉ SALINAS    – Tierra De Luz


SANCTO IANNE
Trase

(FolkClubEthnosuoni ES 5396-2013, go! www.folkclubethnosuoni.com )
14 Tracks, 58:55, mit Texten u. engl. Infos

Kampanien, Süditalien. Tammuriata, Tarantella? Fehlanzeige. Bei Sancto Ianne steht das Lied im Vordergrund. Neofolk d’Autore, neuer Liedermacherfolk, nennt die Gruppe aus Benevento ihre Musik. Natürlich hört man sofort, woher sie stammt. Da sind die Tammorra-Trommeln, die Chitarra Battente, die Mandoline, das Akkordeon und die Geige. Und da ist vor allem der Gesang: ein- und mehr-stimmig, stark, mit Stimmen, die berühren. Herzstück des Albums sind vier Lieder, die das Sextett für das Theaterstück Valani von Michelangelo Fetto geschrieben hat. Auf dem Mercato dei Valani in Benevento verkauften die Ärmsten noch bis 1960 ihre Kinder als Arbeitssklaven an die reichen Bauern. Besonders ergreifend ist das Klagelied „Si Vo’ Dio“, in dem eine Mutter, die ihr Kind verkaufen muss, Gott um Hilfe bittet. Der Rest der Lieder ist heutigen Themen gewidmet: In „Guardame Sienteme“ schreit der Rapper über die fehlenden Rechte der Unterschicht; daneben singen Sancto Ianne gegen die Umweltverschmutzung, den Opportunismus der Mächtigen und für das Recht auf Wasser für alle an. Was die musikalische Stimmung betrifft, reicht die Spannweite von melancholisch weich bis zupackend stark. Ergreifend vom ersten bis zum letzten Ton.

Martin Steiner

 

SANCTO IANNE – Trase


JACQUES STOTZEM
Catch The Spirit II

(Acoustic Music Records 319.1510.2/Rough Trade, go! www.stotzem.com )
11 Tracks, 47:03

Nach dem großen Erfolg der ersten Ausgabe folgt nun der zweite Geniestreich des belgischen Meisters der Akustikgitarre mit Coverversionen großer Rock- und Pop-Klassiker. Auch diese tragen unverkennbar seine persönliche Handschrift, die Gratwanderung, trotz Beschränkung auf ein einzelnes Instrument den Geist der Originale zu erhalten, gelingt Jaques Stotzem erneut vorzüglich. „Honky Tonk Women“ eröffnet den Reigen, es ist erstaunlich, wie solide Stotzem hier – und nicht nur hier – groovt, im Alleingang Melodie, Basslinien und Akkordspiel miteinander verschmilzt. Als Meister alter Schule verzichtet er auf perkussive Einlagen und Tappings, die ja nicht selten über einen Mangel an musikalischer Substanz hinwegtäuschen sollen. Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Rory Gallagher, Nirvana, Neil Young … – der Gang durch die Rockgeschichte ist gleichzeitig das Porträt eines außergewöhnlichen Saitenvirtuosen. Stotzem ist es nicht nur gelungen, den spirit der Klassiker einzufangen, sondern auch erneut sein großes Talent als Arrangeur und Interpret unter Beweis zu stellen. Und vermutlich wird mindestens Teil III folgen müssen – die Liste der unverzichtbaren Favoriten wird bei näherer Betrachtung immer länger.

Rolf Beydemüller

 

JACQUES STOTZEM  – Catch The Spirit II


ALLAN TAYLOR
All Is One

(Stockfisch Records SFR 357.4078.2/In-akustik, go! www.allantaylor.com )
10 Tracks, 52:02, mit engl. Texten u. Infos

Muss man hier wieder das alte Klischee bedienen vom Wein, der mit dem Alter immer besser wird, immer runder, stimmiger, tiefer und reifer? Das ist in der Tat verlockend, denn wie beim Wein bleiben bei Allan Taylor die Zutaten dieselben: die Melodien, die Harmoniefolgen, die Reime, die Bilder. Ein Paradebeispiel ist „The Endless Highway“ – der Troubadour, der rastlos weiterziehen muss, um seine Lieder zu singen, ganz gleich, welche Frau ihn mit wie viel Zuneigung bedenkt. So sieht der Brite sich selbst schon seit Jahrzehnten, griff dieses Thema der Reise etwa schon vor über 35 Jahren auf seinem legendären Album The Traveller auf. Nichts Neues also bei oberflächlichem Hören – tatsächlich jedoch gibt Taylor seinen brillanten Mitmusikanten mehr Raum denn je, und so erzeugen sie gemeinsam einen Pauler’schen Stockfisch-Klang, der Allan Taylors immer rundere, stimmigere, tiefere und reifere Stimme wie einen Samtmantel umhüllt – teils schlicht schmerzhaft schön. Dazu passen die Lieder, die zwar die alten Themen bearbeiten, deren Philosophie aber nachhaltiger und überzeugender denn je reflektieren. Ein Alterswerk? Ja, von der Reife her. Aber nicht im Sinne eines Schlusspunktes.

Mike Kamp

 

ALLAN TAYLOR – All Is One


LINDA THOMPSON
Won’t Be Long Now

(Topic Records TSCD822/Rough Trade, go! www.lindathompsonmusic.com )
11 Tracks, 41:38, mit engl. Texten u. Infos

Sechs Jahre dauerte es bis zu diesem Album, aber wie so häufig bei erfahrenen Künstlern rechtfertigt das Resultat die lange Wartezeit nahezu völlig. Zuerst fällt Linda Thompsons wunderbare Stimme auf, die ihr so viel Sorgen bereitet hat, sie teilweise verlassen hat, zurzeit aber wieder grandios über den Liedern schwebt. Dann ihre Interpretationen und Phrasierungen, die Erfahrung und Einfühlungsvermögen widerspiegeln. Hinzu kommt die illustre Unterstützerschar vom Exgatten Richard Thompson über Martin und Eliza Carthy bis zu Dave Swarbrick und ihrer gesamten Familie, die für wilde Gesangspassagen sorgt. Und schließlich sind da die Songs, in Kooperation etwa mit Sohn Teddy entstanden, er wie üblich eine unverzichtbare Unterstützung; oder aus eigener Feder – Thompson gewinnt als Songwriterin mehr und mehr an Profil. „Love’s For Fools And Babys“ ist ein brutal ehrlicher Song über Rufus Wainwright, „Mr. Tams“ jubiliert in bester britischer Folktradition. Zwei Traditionals sind zu hören. Und ein weiterer Höhepunkt stammt aus der Feder von Anna McGarrigle: „As Fast As My Feet“. Eine feines Album einer großartigen Künstlerin, das ihre Abneigung gegen Liveauftritte fast vergessen macht.

Mike Kamp

 

LINDA THOMPSON  – Won’t Be Long Now


YOM
The Empire Of Love

(Jazz Village JV570026/Harmonia Mundi, go! www.yom.fr )
Promo-CD, 12 Tracks, 43:27

Wer bislang geglaubt hatte, Klezmermusik sei stark in der Tradition verwurzelt, wird hier eines Besseren belehrt: Der französische Klarinettist mit dem Pseudonym Yom plaziert seine Kompositionen in ein Geflecht aus Drumcomputern, Synthesizern, Sequenzern, Hallgeräten und Stimmenverzerrern, dass es eine quietschende Freude ist. Dabei verwendet er offenbar verstärkt ein schon etwas angestaubtes Equipment, denn bei manchen Drumbeats und Sequenzen fühlt man sich direkt in die Neunzehnachtziger gebeamt, als Andreas Dorau, Der Plan oder auch DÖF oder DAF auf allem herumpatschten, was Casio & Co. an Fertigprogrammiertem auf den Markt warfen. Doch hat es dem kühnen Franzosen nicht nur die Retro-Elektronik angetan, er fügt in seine treibenden Rhythmen gelegentlich auch allerlei Naturtöne ein: Geige, Viola, Cello; auch eine waschechte Koloratursopranistin hat er auf seiner Gästeliste. Und seine Klarinette ist zumeist recht unverzerrt aufgenommen worden. Über die Frage, ob Klezmer immer so klingen muss, wie er meist klingt, braucht man gewiss nicht streiten. Der Mann hier hat sich etwas getraut. Und Klarinette spielt er ja immerhin auch noch. Soviel Tradition muss sein.

Walter Bast

 

YOM – The Empire Of Love

Update vom
21.01.2014
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