GASTSPIEL


SCHWER
PUNKT
ENGLAND

MESSERSCHARF UND BASISDEMOKRATISCH

Das politische Lied in Großbritannien
gestern und heute

Von KEN HUNT*

Im Sommer 2013 erschien zum dreißigjährigen Jubiläum des Albums eine Neuausgabe von Billy Braggs Life’s A Riot With Spy Vs Spy, dessen Original als Meilenstein in der Geschichte des britischen politischen Liedes gilt. Und das, obwohl sich daraus vor allem das von Kirsty MacColl so gekonnt gecoverte und inhaltlich auf den Kopf gestellte „A New England“ dem öffentlichen Bewusstsein eingeprägt hat.
Autoreninfo:

*KEN HUNT, Jahrgang 1951, ist Autor, Radiomoderator und Übersetzer, lebt in England und schreibt für eine Reihe von Tageszeitungen und Musikmagazinen (darunter der Guardian, der Independent, Froots, Penguin Eggs). Auch im Folker sind bereits verschiedene Artikel von ihm veröffentlicht worden. Er ist Autor von „RPM“, der langjährigen Kolumne zum Thema politisches Lied des Musikmagazins R2. Die Kapitel über Deutschland, Indien und Bangladesch im Rough Guide to World Music aus dem Jahr 2009 stammen aus seiner Feder. Zudem zeichnet Hunt verantwortlich für das Lektorat der englischsprachigen Beiträge im jährlichen Programmheft des TFF Rudolstadt.

Als das Album 1983 zum ersten Mal erschien, bestimmte Margaret Thatcher die englische Politik und stellte sich entschlossen dem scharfen Wind, der ihr entgegenblies. Ungefähr ein Jahr später veränderte der zwölfmonatige Streik der Grubenarbeiter die politischen Konturen Großbritanniens nachhaltig. Etwas unter ging im Zirkus um Thatchers Tod am 8. April 2013 die Veröffentlichung der Chumbawamba-EP In Memoriam: Margaret Thatcher, die das Ableben der „Eisernen Lady“ feierte und einen Tag später an Vorbesteller versandt wurde, von denen manche viele Jahre darauf gewartet hatten. Braggs zurückhaltender und nachdenklicher Facebook-Kommentar jedoch gestand ihr Altersschwäche zu und erinnerte an „I Dreamed I Saw Joe Hill Last Night“ nach dem Motto: „Feiert nicht – organisiert euch!“

Das politische Lied in Großbritannien ist also bei bester Gesundheit, unter anderem dank seiner Interpreten und Schöpfer, die sowohl zurück als auch nach vorne blicken und generationenübergreifend agieren.
» Das politische
Lied in England
ist bei bester
Gesundheit. «
Als Inbegriff dessen kann die Anti-Capitalist Roadshow mit ihrem Doppelalbum Celebrating Subversion aus dem Jahr 2012 gesehen werden. Mit Frankie Armstrong, Roy Bailey, Robb Johnson, Reem Kelani, Grace Petrie, Peggy Seeger und anderen in ihren Reihen beschreibt diese sich selbst als „ein Kollektiv von Sängern und Liedermachern plus ein Zauberer“ (wobei mit dem Letztgenannten der „sozialistische Zauberer“ Ian Saville gemeint ist).

Hauptquelle für einen guten Teil des Lebensunterhalts all dieser Menschen ist das von seinem Wesen und seiner Ausrichtung her basisdemokratisch organisierte landesweite Netzwerk von Folkclubs. Allgemein betrachtet, kann man sagen, dass die britische Folkszene
KEN HUNT * FOTO: INGO NORDHOFEN
die sich überschneidenden Unterbereiche des Folkrevivals, der akustischen Musik sowie des politischen Liedes alle gleichsam abdeckt. Derselbe Club bucht Vertreter all dieser Genres. Und trotzdem scheint sich zwischen diesen oft so etwas wie eine unsichtbare Wand zu befinden, die erklären würde, weshalb sich als Nebeneffekt daraus ein verstreutes Netzwerk anderer, parallel zur Folkszene existierender Spielorte herausgebildet hat. Diese bedienen den „Underground des Underground“, wie es der Chefredakteur von R2 (Rock ’n’ Reel), Sean McGhee, nennt. Einige von ihnen gehen stark in Richtung Folkpunk oder Punkrock, aber die Grundmotivation, den Künstlern ein Forum zu geben, unterscheidet sich nicht. Das funktioniert sowohl für etablierte Künstler wie Attila the Stockbroker als auch für Vertreter der neuen Generation junger Musiker wie Louise Distras.

Übersetzung: STEFAN BACKES

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Update vom
24.12.2013
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