Konzerte unter konspirativen Bedingungen

Aktuelle Klänge aus dem Iran

Neue Freiheiten für Kulturschaffende?

„New Sounds of Iran“ hieß ein Festival, das im Oktober 2013 zeitgleich in Köln und Hamburg stattfand. Dem im Titel der Veranstaltung enthaltenen Versprechen, neue Entwicklungen und Strömungen innerhalb der iranischen Musik aufzeigen zu wollen, wurde man dabei nur zum Teil gerecht. Deutlich wurde aber, dass solche Veränderungen sowohl im Iran selbst als auch in Ländern der persischen Diaspora stattfinden. Der Folker stellt einige Protagonisten dieser weit gefächerten Musikszene vor.

TEXT: BERND G. SCHMITZ

SHAHROKH MOSHKIN GHALAM * FOTO: MAHDI HUSSEIN NEJAD

Saeid Shanbehzadeh ist ein begnadeter Künstler. Mit seinen beiden Percussionisten bringt der Virtuose auf der Neyanban (persische Sackpfeife) die viele hundert Jahre alten, von arabischen und afrikanischen Einwanderern
MOHAMMAD REZA MORTAZAVI
beeinflussten Rhythmen und Melodien seiner südiranischen Heimat auf die Bühnen europäischer und amerikanischer Konzertsäle. Diese Musik ist mitreißend und authentisch, aber ebenso wenig neu wie die
» DIE FRAGE NACH DER EIGENEN KULTURELLEN IDENTITäT IST DAS VERBINDENDE ZWISCHEN JUNGEN MUSIKERN IN DER IRANISCHEN DIASPORA EUROPAS UND DER USA. «

Klänge des den Tänzer Shahrokh Moshkin Ghalam begleitenden Orchesters, das ebenfalls in der Kölner Philharmonie zu hören war. Das bewegte sich im Spektrum traditioneller persischer Kunstmusik und knüpfte so den Klangteppich für Moshkin Ghalam, der bei seinen Auftritten Fragmente regional unterschiedlicher ethnischer Tänze zusammenfügt und diese kunstvoll interpretiert. Mohammad Reza Mortazavis Trommelkunst fußt ebenfalls auf dem Fundament traditioneller persischer Musik. Er hingegen ist ein wirklicher Erneuerer, hat Dutzende neuer Schlag- und Fingertechniken auf den Instrumenten Tombak und Daf entwickelt und von Berlin aus, wo er seit über zehn Jahren lebt, die Percussionszene seines Heimatlandes revolutioniert. Mit seinen Solokonzerten findet Mortazavi Beachtung weit über die iranische Gemeinschaft hinaus. Das unterscheidet ihn von vielen persischen Sängern und Bands, die in den großen iranischen Exilgemeinden der USA, Kanadas und Europas als Superstars gelten, hier wie dort ganze Sportarenen füllen, von Nichtiranern aber kaum wahrgenommen werden.

SAEID SHANBEHZADEH * FOTO: MICHAEL POHL
Während der in der Islamischen Republik aufgewachsene Mortazavi, dessen Trommelspiel von den Puristen unter den traditionell geprägten iranischen Musikern abgelehnt wird, sich als Individualist in der Welt persischer Klänge positioniert hat, gibt es inzwischen eine ganze Anzahl von jungen Musikern und Bands, die ihren musikalischen Weg zwischen Tradition und Moderne noch suchen. Die Gruppe Ajam aus London ist eine solche. Begleitet von Musikern und Musikerinnen mit traditionellen persischen Blas-, Saiten- und Percussioninstrumenten
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CD-TIPPS:
Ajam, Raghse Mardooneh (Ajam Music, 2010)
Mohammad Reza Mortazavi, Geradeaus (Flowfish Records, 2011)
Shahin Najafi, Tramadol (Sharr Music, 2013)
Pallett Band, Mr. Violet (Mahriz Recordings, 2013)

und druckvoll angetrieben von einem weiteren Trommler mit elektronischem Drumset, tobt Leadsänger Amin Ajami rappend über die Bühne. Die Konzerte der Briten mit iranischen Wurzeln sind wild, laut und energiegeladen, die Musik der Instrumentalisten klingt roh und unfertig, die eingestreuten Tasnif-Gesänge des zweiten Sängers Arash Fayyazi in ihrer stimmlichen Unvollkommenheit dennoch anrührend. Ajam – ein musikalischer Bastard im guten Sinne – ist das Ergebnis einer Kreuzung traditioneller iranischer Musik mit dem urbanen Sound der Hip-Hopper aus den Einwanderervierteln Londons. Für die beteiligten Künstler ist die gemeinsame Arbeit, nach eigenem Bekunden, ein Akt der Selbsterfahrung auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Die Frage nach der eigenen kulturellen Identität ist das hauptsächlich Verbindende zwischen den jungen Musikern in der iranischen Diaspora Europas und der USA. Während sich diese neugierig aufmachen, eigene Ausdrucksformen innerhalb der westlichen Musikkulturen zu entwickeln, ist der Antrieb ihrer Altersgenossen in der Islamischen Republik ein anderer. Dort geht es vor allem darum, überhaupt Musik machen zu dürfen.

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Update vom
23.12.2013
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