GIANMARIA TESTA * FOTO: MARCO CASELLI

Poesie zwischen Klang
und Sprache

Gianmaria Testa

Lieder über innere und äußere Grenzen

Wie übersetzt man cantautori? In unserem weltmusikalisch erprobten Vokabular käme man wohl berechtigterweise zunächst auf „Liedermacher“ und träfe dabei durchaus eine der vielen Lesarten der jüngsten Veröffentlichung Gianmaria Testas: Men At Work – Live. Diesen Titel wählt der italienische Barde mit der unverkennbaren rauen Stimme bewusst und setzt ihn in der ihm ansonsten fremden englischen Sprache in den Kontext von Arbeit, Machen, Baustelle. „Wir haben etwas zu tun …“, sagt er im Gespräch dazu, „hier und jetzt, in Europa und überhaupt.“ Er trägt seinen Teil dazu bei in Form von Liedern, die musikalisch quer durch diverse Stilrichtungen gehen, vor allem aber eines sind: in Töne gefasste Sprachpoesie.

TEXT: CATHRIN ALISCH



Sollte man also in diesem Sinne besser „singender Poet“ sagen und damit an die alte Tradition der ursprünglichen Art des Vortrags anknüpfen, die Rhythmus, Klang und Sprache nicht in der Weise als getrennt versteht, wie wir sie heute auffassen? „Wenn du dir ein wirklich gutes Gedicht anschaust“, antwortet Testa auf die Frage nach seinem besonderen Verhältnis zu Musik und Sprache, „ist da schon so viel neben dem Sinn der Worte vorhanden, ein Rhythmus, eine Harmonie … Wenn ich ein Lied
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Montgolfières (Harmonia Mundi/Label Bleu, 1995)
Lampo (Harmonia Mundi/Warner, 1999)
Altre Latitudini (Harmonia Mundi, 2003)
Solo Dal Vivo (Produzioni Fuorivia/Harmonia Mundi, 2009)
Vitamia (Produzioni Fuorivia/Harmonia Mundi, 2012)
Men At Work – Live (Do-CD plus DVD; Produzioni Fuorivia/Harmonia Mundi, 2013)

Men At Work

schreibe, suche ich die Musik zwischen den Worten.“ „Gesang ist nicht nur Klang: Er ist auch Duft, leicht und unwiderstehlich, gelegentlich sogar obsessiv“, schreibt der französische Kritiker, Richard Robert*. „Die großen Stimmen, die in unser Inneres dringen und uns nicht mehr verlassen, sind nicht diejenigen, die uns durch technische Finessen überfallen, sondern vielmehr solche, die den höchsten Grad der Menschlichkeit erreicht haben und dadurch von jenem geheimen Weg zwischen der tiefen Seele, die die Stimmen entstehen sieht, und der weiten Welt, die sie empfängt, kündet. So ist die Stimme von Gianmaria Testa.“

» Es gibt keinen Zoll mehr am Brenner, aber die Grenze bleibt. «
Testas neue Veröffentlichung ist ein Doppel-Livealbum und enthält dreiundzwanzig Lieder, die eine zwanzigjährige Karriere mit einem geradezu märchenhaften Aufstieg dokumentieren. Sie erzählt von einer außergewöhnlichen Tournee mit außergewöhnlichen Musikern und der fortwährenden Konfrontation mit dem Begriff der Grenze – in Bezug auf innere und äußere Grenzen, Sprachbarrieren und deren Überwindung. Gianmaria Testa sagt selbst dazu: „Es gibt keinen Zoll mehr am Brenner, aber die Grenze bleibt. Die Alpen bilden eine größere Barriere als in den Abkommen vorgesehen. Und eine Grenze behalten wir auch in uns, jeder seine eigene, auf den Kilometern, die unter den Reifen unseres Neunsitzers dahinziehen. […] All dieses Herumreisen hat uns eine merkwürdige gemeinsame Sprache geschenkt, die schon Musik ist, bevor wir zu spielen anfangen.“

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Update vom
23.12.2013
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