Belächelt und bewundert

THE ENGLISH FOLK DANCE
AND SONG SOCIETY

MIT DER VERGANGENHEIT SCHWUNGVOLL IN DIE ZUKUNFT






SCHWER
PUNKT

ENGLAND

Vor zweiundachtzig Jahren gründete sich in England eine Gesellschaft für Volkslied und Volkstanz, die es sich zum Ziel setzte, das musikalische Erbe des Landes systematisch zu sammeln und zu archivieren. Jene English Folk Dance and Song Society (EFDSS) war es, die beim Revival der Fünfziger- und Sechzigerjahre den Künstlern mit ihrem akkumulierten Wissen zur Seite stand. Dieselbe EFDSS war es aber auch, die sich in den Achtzigern und Neunzigern als verstaubte, altmodische Hüterin des wahren Schatzes ins Abseits manövrierte und fast allen Einfluss in der Szene verlor. Mit einer beeindruckenden Kehrtwende landete die den Traditionen verpflichtete Einrichtung vor einigen Jahren jedoch wieder ganz vorne bei der erneuten und kreativen Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. Wie das?
TEXT: MIKE KAMP

FAMILY ATLANTICA
Eigentlich begann die Geschichte der EFDSS bereits im vorletzten Jahrhundert. Die Sänger organisierten sich 1898, die Tänzer 1911, und ab 1932 ging man zusammen die Lobbyarbeit für die heimische Volksmusik an. Zentrale Figur war Cecil Sharp, der etwa fünftausend Lieder und Melodien in England und den nordamerikanischen Appalachen sammelte, die die Auswanderer aus England dorthin mitgenommen hatten. In einem solch langen Zeitraum gab es einige Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Für eine Organisation, die sich das Bewahren von Traditionen auf die Fahne geschrieben hat, ist die Gefahr ohnehin groß, einen konservativen und rückwärtsgewandten Ruf zu bekommen, aber gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die schlechte Situation immer unerquicklicher. Die EFDSS hatte schlicht keine Relevanz mehr, und den leitenden Köpfen der Gesellschaft wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Katy Spicer, die heutige Geschäftsführerin, berichtet von der Wende: „Es war ungefähr 2007, als das Kuratorium entschied, dass etwas Gravierendes geschehen musste. Neue Leute, eine neue Struktur, eine neue Richtung! Alles natürlich weiterhin mit denselben Prinzipien: Erhalten, Fördern und Entwickeln vor allem der englischen Folklore, also von Musik und Tanz. Es brauchte neue Leute, die das leisten konnten, um die EFDSS wieder zu einer nationalen Institution zu machen, die landesweit arbeitet und an der Spitze der englischen Folkbewegung steht.“

» DAS ‚F-WORT‘ HAT HEUTZUTAGE ALS MUSIKGENRE KEINE ABSCHRECKENDE WIRKUNG MEHR. «

FAMILY ATLANTICA
Der Wandel war nachhaltig! Katy Spicer erwähnt es nicht, aber eine in der Kulturarbeit erfahrene Frau wie sie mit Führungsqualitäten war genau der Tritt in den Allerwertesten, der gebraucht wurde. Sie schaffte es, junge folkinteressierte Profis und Amateure ebenso wie Freiwillige zur Mitarbeit zu bewegen. Die Gesellschaft öffnete sich wieder für nationale und internationale Zusammenarbeit mit Künstlern, Clubs und Organisationen, nahm ihre Bildungsarbeit von Schulen bis Universitäten und für Erwachsene wieder auf und widmete sich der Förderung der Tanz- und Musikfolklore, nicht zuletzt, damit das gesamte Genre wieder ernst genommen werden konnte. Wobei hier die Frage nach Ursache und Wirkung auftaucht. Profitiert die EFDSS von dem erneuten allgemeinen Interesse an englischer Folkmusik oder profitiert die Szene von der Gesellschaft? Spicer weist sofort auf die Wechselwirkung hin: „Das ‚F-Wort‘ hat heutzutage als Musikgenre keine abschreckende Wirkung mehr auf die die jungen Trendsetter. Zunehmend taucht auf den nationalen Veranstaltungslisten wieder das Wort ‚Folk? in all seinen Spielarten auf: traditioneller Folk, Indie-Folk, Psych-Folk, Folkrock, all das wird heute akzeptiert. Es scheint sogar, dass das Hinzufügen der Silbe ‚Folk? ein jedes Genre veredelt. Und das ist hauptsächlich den Tausenden von Musikern zu verdanken, Profis wie Amateuren, die ihrer Musik durch alle Höhen und Tiefen treu geblieben sind. Klar, das hilft auch uns ungemein.“

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Update vom
23.12.2013
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