At First Light mit Dónal O'Connor und John McSherry, 2. u. 3. v. l.

Eine Region abseits touristischer Träume

JUNGE SZENE BELFAST

TRADITIONELLE MUSIK IM NORDEN IRLANDS

Nordirland wird nicht nur von der Tourismusindustrie im Vergleich zur Republik stiefmütterlich behandelt, sondern wird auch häufig von vielen internationalen Musikliebhabern übersehen. Auf der Suche nach der authentischen Erfahrung echt gelebter traditioneller irischer Musik fällt die Wahl für eine musikalische Feldreise oft auf den Westen, wo sich der ehrgeizige Amateur in den Sommermonaten erwartungsfroh unter die Menschenmassen mischt, in der Hoffnung auf das verheißungsvolle Versprechen einer egalitären Musikkultur. Doch im erklärten Epizentrum einer unverfälschten Tradition findet der Besucher schnell heraus, dass es sich in den überfüllten Pubs zwischen Franzosen, Deutschen und Amerikanern als schwer erweist, Einheimische anzutreffen, und dass die Sessions mit der Omnipräsenz von Blitzlichtern und der gelegentlichen Verstärkungsanlage oft den fahlen Beigeschmack einer touristischen Inszenierung hinterlassen. Für die richtige Musik und Atmosphäre, so sagen Ansässige, kommt man am besten im Winter zurück. Die alternative Lösung für den Reisenden in Sachen Musik liegt im Norden der Insel, mit Belfast als Dreh-und Angelpunkt der kulturellen Landkarte.

TEXT: JUDITH WIEMERS

In der jungen Stadt hat die andauernde politische Zugehörigkeit zum Vereinten Königreich und die Unterdrückung vergangener Tage augenscheinlich das Interesse an irischer Sprache und Musik gestärkt. Und so erfreut sich
» Der Nachwuchs lässt auch im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht auf sich warten. «
Belfast heute einer reichen kulturellen Szene, in der Gälisch gepflegt wird und traditionelle Tunes und Songs gleichberechtigt neben der ebenfalls vielfältigen und erfolgreichen Popmusikindustrie existieren. Belfasts Verbindung mit der irischen Folkmusiktradition hat sich bereits im achtzehnten Jahrhundert etabliert. 1792 fand in der nordirischen Hauptstadt das
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CD-Tipps:
At First Light, Idir (At First Light, 2011)
Beoga, How To Tune A Fish (Compass/Sunny Moon, 2011)
Niamh Dunne, Portraits (Copperplate Independent, 2013)
Graínne Holland, Teanga Na nGael (Grainne Holland, 2011)
Barry Kerr, The Three Sisters (Vinnie Lovelace Records, 2011)
Shane McAleer, Long Time No See (Shane McAleer, 2013)
The Olllam, The Olllam (Compass Records, 2012)
The Rapparees, Resession (The Rapparees, 2013)

mittlerweile legendäre Belfast Harpers Assembly statt, ein Harfenfestival, in dessen Rahmen die aussterbende Zunft der professionellen Harfenisten dokumentiert und ihr musikalisches Wissen für die Nachwelt festgehalten wurde. Der Folkmusiksammler Edward Bunting (1773-1843) bewahrte mit seinen Aufzeichnungen das Vermächtnis der alten Bardentradition und unter anderen die Kompositionen von Turlough O’Carolan. Mit der Veröffentlichung seiner Manuskripte schuf Bunting trotz seines der westlichen Kunstmusik angepassten Notationsstils eine Quelle, die noch heute Musikern als Inspiration gilt und Akademikern Aufschluss über die Musikpraxis vergangener Tage gibt. Die Harfe ist bei Musikschülern beliebt wie nie zuvor und hat längst ihren Platz in der Tanzmusiktradition gefunden, in Konzerten ebenso wie in Sessions.

NIAMH DUNNE * FOTO: LIZZY DOE
Maßgeblich zu diesem Trend beigetragen hat sicherlich der gebürtige Belfaster Derek Bell, der in den Siebzigerjahren Harfenist der Chieftains war und das Instrument seinem elitären Ruf enthob, den es im angloirischen Wohlstand des neunzehnten Jahrhunderts genoss. Bell ist nicht die einzige Persönlichkeit, die ihre Spuren in der nordirischen Musiktradition hinterlassen hat. Sean Maguire, der bis in die Achtzigerjahre in Fernsehshows als Botschafter für die irische Kultur auftrat, war als Fiddlevirtuose weit über die Landesgrenzen bekannt und wird bis heute für seine Lehrtätigkeit und seinen unverkennbaren Stil verehrt; sein Konterfei ziert Wandmalereien an Belfaster Pubs und Häuserfronten. Wie auch Donegal im Nordwesten Irlands, sind Belfast und die Region stark von der Fiddletradition geprägt, in den Pubs bestimmen sie Ton wie Repertoire, und einige der besten Spieler landesweit geben sich in den Sessions regelmäßig ein Stelldichein. So wie Martin Hayes einer altehrwürdigen Geigerdynastie in Clare entstammt, so haben auch in Nordirland Familien musikalische Traditionen weitervererbt und ihren Kindern die Instrumente der Eltern in die Hand gegeben.

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Update vom
29.10.2013
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