HEIMSPIEL



 

Keine Chance für Geklontes

Zehn Jahre Verein für deutschsprachige Musik e. V.

Wie die Liederbestenliste gerettet wurde

Monat für Monat wird die Liste der, nach Ansicht einer Jury, hörenswertesten Lieder in deutscher Sprache mit Spannung erwartet. Nicht nur von Künstlern, die wissen wollen, ob sie dabei sind, sondern vor allem auch von vielen Liederfreunden, die sich besser zurechtfinden möchten. Und sogar Musikredakteure und Veranstalter suchen hier zuweilen Orientierung. Herausgegeben wird die Liederbestenliste vom Verein für deutschsprachige Musik e. V., der vor zehn Jahren gegründet wurde.

TEXT: STEPHAN GÖRITZ

Geklontes aus dem Mutantenstadl hat keine Chance. Hier wird gesichtet, was im Fernsehen nicht und im Radio fast nur noch zu nachtschlafender Zeit zu entdecken ist. Wenzel klagt die „Meister des Kriegs“ an, Maike Rosa Vogel beschreibt
ARBEITSTREFFEN BEIM LIEDERFEST 2012 * FOTO: INGO NORDHOFEN
Menschen, die täglich arbeiten, ohne davon leben zu können, und Thomas Felder karikiert einen Politiker, mit dessen kritischer Haltung es vorbei ist, nachdem er gewählt wurde. Die Vereinsmitglieder haben eine eigene Definition geschaffen, was unter deutschsprachiger Musik in ihrem Sinne zu verstehen sei: Text, Musik und Interpretation müssen kreative Leistungen sein, die einer persönlichen Sicht auf die Welt Ausdruck verleihen. Egal, ob mächtige Staaten kritisiert oder private Liebeserfahrungen besungen werden, ob Selbstgeschriebenes vorgetragen oder sich zu vorhandenen Liedern in Beziehung gesetzt wird.


DIE ANFÄNGE

Begonnen hat alles 1984. Der damalige Südwestfunk (SWF), der 1998 mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR) fusioniert ist, wollte den auf
go!  www.liederbestenliste.de
Verkaufszahlen basierenden Charts eine Bestenliste entgegensetzen. Er berief eine Jury von Kennern der Liederszene. Einige sind bis heute dabei, wie der Autor und Veranstalter Tom Schroeder oder der Musikjournalist und Kritiker Matthias Inhoffen. Ehrenamtlich bewerten sie pro Jahr deutlich über hundert neue Platten und ermitteln nach einem Punktesystem monatlich jene Lieder, denen sie viele Hörer wünschen. Ein ihrer Ansicht nach besonders gelungenes Album küren sie zur „CD des Monats“. Und auch die individuellen Geschmäcker der Jurymitglieder kommen nicht zu kurz: Allmonatlich wechseln sie sich bei der Präsentation einer Lied- und einer Albumempfehlung ab. Die Top Ten der Liederbestenliste werden regelmäßig im Radio vorgestellt. Derzeit sind zwölf Sender dabei, unter ihnen Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio, aber auch Sender in Österreich, Belgien und der Schweiz. Das Lied mit den meisten Punkten erhält beim jährlichen Liederfest den Jahrespreis der Liederbestenliste, ein Nachwuchskünstler wird mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Seit 2007 kürt die Jury auch eine „CD des Jahres“.

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Aller guten Dinge sind drei

Pure Irish Drops

Deutschlands intimste Irish-Trad-Tournee wird 25

Bei dem Ausdruck „Pure Irish Drops“ mag man an einen feinen irischen Malzwhiskey denken. Und sicher passt solch ein Getränk zu der Musik, die hinter diesem Namen steht. Keine Massenplörre, sondern ein filigranes, handwerklich meisterhaft gebranntes Destillat, das die Atmosphäre seines Heimatlandes ausatmet und die Connaisseurs tief einatmen und genießen lässt. In Wahrheit entlieh Florian Fürst die Idee für diesen Namen der irischen Fernsehserie The Pure Drop, deren Produzent Tony MacMahon nichts dagegen hatte, ihn für eine Konzerttournee zu verwenden, die helfen würde, traditionelle irische Musik bekannter zu machen.

TEXT: MICHAEL A. SCHMIEDEL

go! www.ffmusik.de

Doch bevor das Kind getauft wurde, musste es erst einmal gezeugt werden. Die Inspiration kam besagtem Florian Fürst, der in Norddeutschland die Beschallungsfirma Ton & Klang betrieb, nachdem er mehrmals Rüdiger Oppermanns Klangwelten- und Carsten Lindes Irish-Folk-Festival-Tourneen als Tontechniker begleitet hatte. Beide Veranstaltungen begeisterten ihn sowohl von der
FLORIAN FÜRST * FOTO: ULRIKE EBNER
FLORIAN FÜRST * FOTO: ULRIKE EBNER","right"); ?> Musik her als auch von der Art und Weise, wie Oppermann und Linde die Musiker in ihren Heimatländern aufspürten und einluden. Und eines Morgens des Jahres 1988, im Frühstücksraum eines Hotels, in dem das Irish-Folk-Festival-Team untergekommen war, hatte Fürst eine weitere wichtige Begegnung, die wie eine Initialzündung wirkte. Das älteste Teammitglied, ein etwas schrulliger und sehr eigensinniger, schon damals über siebzig Jahre alter Mann, der Landarbeiter und berühmter Tin-Whistle-Spieler war, fand Eingang in Fürsts Herz: Micho Russell. Er war für den bisherigen reinen Tontechniker so etwas wie ein Fenster in die Vergangenheit Irlands, und Fürst konnte den Iren für seine Idee zu den Pure Irish Drops begeistern. Von 1989 bis 1993 war er schließlich dabei, bis ihn ein tödlicher Autounfall aus dem Leben riss.


IRISCHE MUSIK IST MEHR ALS „WHISKEY IN THE JAR“

Das Besondere an den Pure Irish Drops ist, dass immer nur drei Musiker oder Musikerinnen unterwegs sind. Es ist nicht das Ziel, große Hallen zu füllen, sondern in kleineren Sälen eine gemütliche Atmosphäre entstehen zu lassen, sodass auch die Zuhörer in der letzten Reihe noch nahe am Geschehen dran sind. Auch sehr wichtig ist das Konzept, dem Publikum traditionelle irische Musik so vorzustellen, wie sie in den verschiedenen Regionen Irlands tatsächlich gespielt wird. Fürst ist daran gelegen, das in Deutschland weitverbreitete Klischee von irischer Musik als reiner Saufmusik zu korrigieren.

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Neue Meister in der Altstadt

Pierre Chaubert und Urs Langenbacher

Renaissance des Streichinstrumentenbaus in Füssen

1982 eröffnete der Geigenbaumeister Pierre Chaubert nach Abschluss seiner Ausbildung in Mittenwald eine Werkstatt in Füssen und beendete damit 147 Jahre „Generalpause“ im Streichinstrumentenbau in der Lechstadt. Er und sein Kollege Urs Langenbacher sind zwei der neuen Meister in Füssen, die an eine jahrhundertealte Tradition anknüpfen, um die es im ersten Teil dieses Porträts ging, das im „Heimspiel“ der Ausgabe 4/2013 des Folker erschien.

TEXT: KAY REINHARDT

PIERRE CHAUBERT MIT BRATSCHE * FOTO: KAY REINHARDT
Der Schweizer Pierre Chaubert und sein damaliger Kompagnon hatten Füssen aufgrund seiner Musikinstrumentenbautradition ganz gezielt als Standort ausgewählt. Aus Füssen stammte beispielsweise der „Stradivari von Wien“, der Geigenbauer Franziskus Geisenhof (1753-1821). „Eine gute Geige braucht Zeit und viele gute Spieler zum Reifen“, weiß Chaubert, und es sei deshalb
URS LANGENBACHER IN SEINER WERKSTATT
unfair, eine alte und eine neue Geige miteinander zu vergleichen. „Wenn ein neu gebautes Instrument klanglich Stand halten kann, ist das ein gutes Zeichen“, sagt der Meister. Er kopiert keine historischen Instrumente, er baut neue, die im Vergleich zu historischen Geigen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. „Ich bilde mir ein, ein Tophandwerkszeug für einen ambitionierten Musiker zu bauen. Die Wartezeit darauf beträgt ein knappes Jahr. Ich kann jedes Vorführinstrument reproduzieren und beim Bau besondere Wünsche des Musikers erfüllen“, verspricht er.


KEIMZELLE FÜR DAS REVIVAL

Seit zwölf Jahren arbeitet der Albstädter Andreas Ott bei ihm. Zwei von Chauberts ehemaligen Angestellten haben sich inzwischen in Füssen selbständig gemacht. Seine Werkstatt ist also eine Art Keimzelle für die Renaissance des Saiteninstrumentenbaus in der Stadt. „Vor zwanzig Jahren dachte man bei Füssen an Eishockey, heute sind Stadt und Umland wieder als Zentrum des Musikinstrumentenbaus im Bewusstsein angekommen“, sagt der Geigenbaumeister. Maßgeblichen Anteil daran hat auch Urs Langenbacher aus Konstanz. 1992 stellte Chaubert den Zupfinstrumentenbaumeister als Mitarbeiter ein. Langenbacher baut Konzertgitarren und Mandolinen und repariert und restauriert alle Arten von Zupfinstrumenten. Statt Konkurrenz entwickelte sich eine „Win-win-Partnerschaft“ unter dem Dach des Alten Feuerwehrhauses. Seit 1999 arbeiten zwei wirtschaftlich eigenständige Betriebe in Werkstattgemeinschaft im selbst ausgebauten Dachgeschoss dieses ehemaligen Kornspeichers aus dem Jahre 1483 im Herzen der Altstadt.
go! www.urs-langenbacher.de



KLANGVOLLE SCHÖNHEIT MIT SPANISCHEM CHARME

Urs Langenbacher konzipierte bis 2007 ein eigenes Konzertgitarrenmodell, bei dem messbar mehr Schall beim Zuhörer ankommt. Sein Konzept führt durch eine gerichtete Schallabstrahlung nach vorn zu einem verbesserten Wirkungsgrad. Zudem klingt das Instrument sehr nachhaltig aus. Dazu trägt unter anderem der ungewöhnlich schwere Steg bei, der die Energie der Saiten kontinuierlicher an die Decke abgibt. Eine weitere Besonderheit des Steges sind seine sechs in Längsrichtung verschiebbaren kleinen Quader aus Knochen. Der Musiker kann sie je nach Saitenmaterial perfekt feineinstellen. „Mit diesem Instrument bekommt der Musiker ein Werkzeug in die Hand, das ihm ermöglicht, auch in großen Räumen durch musikalischen Ausdruck zu überzeugen“, sagt Langenbacher.

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Gluthitze und Polarlichter, Melancholie und Heippa

Finnischer Tango im Hamburger Spätsommer

Musik, Straßentanz, Ausstellung und Sauna

Dass das Wetter für die Gemütslage eines Volkes hauptverantwortlich ist, haben die Finnen vor einhundert Jahren widerlegt. Hinsichtlich eines Lebensgefühls – einer Mischung aus Leidenschaft und Sehnsucht – ticken sie im kühlen Norden genauso wie die Argentinier in der Gluthitze von Buenos Aires.

TEXT: IMKE STAATS

TANGON TAIKAA MIT TIMO VALTONEN (VORNE) * FOTO: JULIA WEHNER

So lässt sich erklären, wie vor rund hundert Jahren eine Bewegung dreizehntausend Kilometer weit die Ozeane überbrückte, um genau in die Seelen der Menschen auf der anderen Seite der Weltkugel zu treffen: Der Tango schipperte damals von Argentinien nach Europa.
go! www.fintango.de

Das Festival findet vom 27. bis 29. September in Hamburg zwischen dem Bahnhof Altona und dem Altonaer Rathaus statt.

In den meisten Großstädten zog er als Modeerscheinung vorüber, doch ausgerechnet in Finnland mauserte er sich zur kulturellen Tradition. An einem grauen Novembernachmittag des Jahres 1913 wurde der erste Tango Argentino auf die Bretter eines Theaters in Helsinki gestampft. Danach wussten die Nordmenschen, was ihnen fehlte. Die melancholische Tiefe und sehnsuchtsvolle Leidenschaft fanden hier widerstandslos Aufnahme, weil sie so stilvoll und treffend ein Lebensgefühl ausdrückten, das dem Volk der Finnen nach Jahren russischer und deutscher Besetzung ohnehin auf der Seele lag.


FINNISCHE ADAPTION

Der Ausdruck musste nur noch ein bisschen angeglichen werden: mehr in Moll, mit einem Quentchen mehr Marschmusik und mit Texten in der Landessprache, die in der Nordvariante eine größere Bedeutung haben. Die Meister des finnischen Tangos waren ebenso Komponisten wie Sänger, die mit Hingabe und oft auch Ironie von fatalen Königinnen der Nacht, dem ersehnten Märchenland oder mysteriösen Geschehnissen hinter dem Pelargonien-geschmückten Balkon der Oma berichteten. In den Dreißigerjahren keimte er so richtig auf, dann gab es einen Schub in den Sechzigerjahren, der eine bis heute ununterbrochene blühende finnische Tangokultur begründete.
Die einflussreichsten Komponisten – Toivo Kärki und Unto Mononen – schufen Melodien, die den Ruhm von Volksliedern erreichten, so zum Beispiel Mononens hymnisches „Satumaa“ (finn. „Märchenland“) von 1955. Auch unter den beliebtesten Tänzen reihte sich der Tango neben Humppa, einer Variante des Foxtrotts, und dem Walzer ein. Es vergehen weder Sommerfest noch Diskoabend, ohne dass Tango gespielt wird. So richtig zu Ehren kommt der Tanz aber jeden Sommer beim Tangofestival der Stadt Seinajöki, bei dem stets ein Königspaar des Tanzes gekrönt wird.

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Update vom
02.09.2013
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