Bekannt für ihre starke linke Hand
Anoushka Shankar
Die Zeit nach Ravi

ANOUSHKA SHANKAR * FOTO: BELINDA LAWLEY

Am 11. Dezember 2012 starb der größte indische Musiker der Gegenwart, Ravi Shankar, im Alter von 92 Jahren. Der Tod ihres Vaters traf Tochter Anoushka in einer eher turbulenten Lebensphase, in der sich vieles neu ordnete, sowohl auf kreativem wie privatem Terrain. Im Folker-Porträt spricht sie über ihr neues Album Traces Of You, ihr neues Schaffenszentrum London und die Bedeutung Ravi Shankars für ihr eigenes Werk.

TEXT: STEFAN FRANZEN

Als Anoushka Shankar 1981 geboren wird, ist ihr Vater seit langem ein Weltstar. Er nimmt die musikalische Erziehung der Tochter selbst in die Hand. Ganz anders als in unserer Musikkultur ist das Aufbegehren der jungen Generation den Indern eher fremd. Niemand würde sich von Vorbildern emanzipieren oder gar befreien wollen, das Verhältnis zwischen Guru und Schüler wird ein Leben lang in Ehren gehalten. „Selbst wenn ich heute mit meiner eigenen Stimme spiele, dann wurde diese durch meinen Guru, meinen Vater geformt“, sagt
go! www.anoushkashankar.com

Diskografie:
Anoushka (Angel Records, 1998) Anourag (Angel Records, 2000) Live At Carnegie Hall (Angel Records, 2001) Rise (Angel Records, 2005) Breathing Under Water (mit Karsh Kale; Manhattan/EMI, 2007) Traveller (Deutsche Grammophon, 2011) Traces Of You (Deutsche Grammophon, VÖ: 4.10.2013)

Cover Traces Of You.

Anoushka Shankar wenige Monate nach dem Tod ihres Mentors. „Für mich ist das eine Parallele zum Menschsein: Du bist dir sicher, dass du eine eigene Person bist, aber trotzdem sieht deine Nase aus wie die deiner Mutter und sehen deine Ohren aus wie die deines Vaters. Die Verbindung zur Vergangenheit ist immer da. Und selbst wenn ich heute neue Dinge entdecke, geschieht das immer aus der Perspektive heraus, aus der ich begonnen habe. Die Entdeckung meiner anderen musikalischen Seiten macht mich nicht unbedingt kreativer, aber freier. So gelingt es mir, jedes Mal mit einem frischen Geist zur Tradition zurückzukehren.“
Auf diesem starken Fundament aufbauend, hat Anoushka Shankar mit 31, einem sehr jungen Alter für eine international bekannte Sitarmeisterin, bereits eine eigene künstlerische Stimme gefunden. Nach eigenem Bekunden fühlt sie sich beim Spielen und Improvisieren im Ragasystem viel wohler als noch vor ein paar Jahren. Und es ist ihr gelungen, sanfte Neuerungen einzuführen. Über ihre technischen Errungenschaften spricht sie dennoch nur zögernd, da sie nicht überheblich wirken möchte. „Ich denke, ich bin für meine starke
» Ich will eine fremde Kultur nicht einfach als Verzierung für meine eigene Musik benutzen. «
linke Hand bekannt, deshalb habe ich ausgeprägte, verzwickte melodische Linien entwickelt. Ob das pionierhaft ist, weiß ich nicht“, reflektiert sie. „Aktuell bin ich dabei, meine rechte Hand zu trainieren, damit ich die Technik meines Vaters adaptieren kann. Er war in der Lage, den Schlag seiner Hand so umzukehren, dass er auch die Resonanzsaiten anriss, um in den schnellen, finalen Teilen des Ragas eine größere Wirkung zu erzielen.“ Dass Anoushka Shankar auf der Bühne viele Jahre an der Seite Ravis konzertiert hat, auch dies hat zu einer Innovation geführt. Da sie sich mit ihm nicht auf ein Duell auf melodischer Ebene einlassen wollte, verwendete sie größere Sorgfalt bei der Ausgestaltung des Spiels auf den tiefen Saiten. „So habe ich im Laufe der Jahre eine ausgeprägte Rhythmik entwickelt. Das ist in der Sitartradition eigentlich gar nicht vorgesehen, denn das Instrument wird immer von der Melodie her definiert.“

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Update vom
30.08.2013
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Dieser Text ist nur ein Auszug des Original-Artikels der Print-Ausgabe!

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