Gemeinsam für den Frieden

MUSIKER UND DER KONFLIKT
IN MALI

Mit Liedern ein Signal setzen

FATOUMATA DIAWARA * FOTO: THESUPERMAT, WIKIMEDIA

Obwohl Weltmusikland Nummer eins, spielte Mali in der politischen Wahrnehmung bisher in Deutschland kaum eine Rolle. Das hat sich 2012 mit dem Putsch im Süden, dem Vormarsch von Tuaregrebellen und Islamisten und der Intervention ausländischen Militärs drastisch geändert. Ein paar Monate nach den dramatischen Ereignissen geht die Frage an die Musiker: Welche Auswirkungen bekamen sie zu spüren, wie ist es nach ihrer Einschätzung um die Zukunft der Kultur Malis bestellt?

TEXT: STEFAN FRANZEN

Niafunké, ein kleiner Ort am Niger, an dem die Wüste langsam aber sicher die Oberhand gewinnt, hat einen klangvollen Namen. Hier ist die Heimat des Klans von Ali Farka Touré († 2006), der seit den Neunzigern mit seinem Wüstenblues den Siegeszug um die Welt angetreten hatte. Ein anderer Prominenter der Region ist der Gitarrist und Sänger Samba Touré, Exbandmitglied von

DER MALI-KONFLIKT

Am 21. März 2012 putschten in Bamako Soldaten der malischen Armee gegen die Regierung von Amadou Toumani Touré. Sie warfen ihr vor, keine wirksame Politik gegen die Tuareg-Aufstände im Norden zu verfolgen, die im Januar desselben Jahres erneut aufgeflammt waren. In einer Blitzreaktion nutzte die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) das Machtvakuum und erklärte nach Besetzung wichtiger Städte im Norden am 6. April die Unabhängigkeit ihres Staates Azawad. Doch eine zweite Front entstand: Nutznießer der politischen Wirrnisse waren radikale Gruppierungen wie Ansar Dine und Kämpfer von Al Kaida im Maghreb, die von Gao bis Timbuktu die Scharia etablierten und eine anfängliche Allianz mit der MNLA aufkündigten. Zeitweise waren über vierhunderttausend Malier auf der Flucht. Ende des Jahres drohte der Sturm auf die Hauptstadt Bamako, Frankreich entschloss sich zur Intervention (freilich auch zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor Ort und zur Kontrolle über die Bodenschätze). Binnen weniger Wochen wurden die Islamisten vertrieben, doch von einem befriedeten Land kann keine Rede sein: Ihr Rückzugsgebiet ist unüberschaubar und riesig.
Stefan Franzen
Ali Farka. „Als die Kämpfe ausbrachen, hatte ich alle Hände voll zu tun, meine Familie und Verwandten in den Süden zu bringen“, sagt er. „Die Ältesten konnten nicht reisen und wurden Zeuge, wie die Tuaregrebellen der MNLA [siehe Kasten]
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CD-TIPPS:
Bombino, Nomad (Nonesuch/Warner, 2013)
Dirtmusic, Troubles (Glitterbeat/Indigo, 2013)
Diverse, Live From Festival Au Désert Timbuktu (Clermont Music, 2013)
Salif Keita, Talé (Wrasse/Harmonia Mundi, 2013)
Tamikrest, Chatma (Glitterbeat/Indigo, VÖ: September 2013)
Samba Touré, Albala (Glitterbeat/Indigo, 2013)
Rokia Traoré, Beautiful Africa (Outhere Records/Indigo, 2013)

VIDEOTIPP:
United Voices of Mali, „Mali-ko“ (www.youtube.com/watch?v=elwA7SHM8_U)

vergewaltigten, folterten, Schulen und Krankenhäuser plünderten und zerstörten. Es war ein Schock für uns, wie unsere Nachbarn von gestern plötzlich die Waffe gegen uns richteten. Diese Leute sind mit uns aufgewachsen, haben die Probleme mit uns geteilt! Und was die MNLA nicht zerstörte, haben die Islamisten erledigt, die danach kamen.“

Diese radikalen Gruppierungen wandten die Methoden der Taliban an: Sie verboten jegliche Musikausübung unter Androhung von Verstümmelung, störten Radiosender, zertrümmerten Stereoanlagen, duldeten auf den Handys nur noch Koransuren. Tourés Mitmusikerin Khaira Arby wurde gedroht, man werde ihr die Zunge herausschneiden, sollte sie weiterhin singen. Der Antrieb für alle Rebellen sei die Schaffung eines Durchgangsstaats für Drogenhandel, so sieht es Samba Touré. Leidtragende seien vor allem die Tuareg, die nun in Flüchtlingslagern vegetieren. Der Songhai-Blues auf Tourés neuem Album Albala („Gefahr“) klingt beizeiten düster und traurig, wendet sich mit einem Song wie „Fondora“ unerschrocken und direkt an die Terroristen, fordert in „Awn Bè Ye Kelenye“ die Einheit des Staates. „Anders hätte ich bei den aktuellen Ereignissen das Album gar nicht machen können, das war eine künstlerische Notwendigkeit“, sagt Touré.

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Update vom
30.06.2013
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