Rezensionen EUROPA


SYLVAIN BAROU, DÓNAL LUNNY, PÁDRAIG RYNNE
Triad

(Eigenverlag RLBCD001, go! www.sylvainbarou.com , go! www.myspace.com/donallunny . go! www.padraigrynne.com/trio )
10 Tracks, 42:05, mit kurzen Infos

Die jüngeren Virtuosen Sylvain Barou (Flute, Uilleann Pipes) und Pádraig Rynne (Anglo Concertina), die unter anderem bei Guidewires zusammenspielen, treffen auf Dónal Lunny, den Übervater der irischen Bouzouki. Ein Konzept, das hält, was bereits das hervorragende Line-up verspricht. So geben sich lebendige, phrasierungstechnisch und rhythmisch unschlagbar gut gespielte Traditionals die Hand. Pádraig Rynne spielt sogar deutlich entspannter als auf seinem unlängst veröffentlichten Soloalbum, über Dónal Lunny muss man nichts sagen, und auch dass Sylvain Barou einer der wirklich großen Flötenspieler seit der Jahrtausendwende ist, wussten wir bereits. Hier bringt er mit unnachahmlicher Eleganz einige Schätze aus Mazedonien und der Bretagne mit in das abwechslungsreiche Programm. Einzig manche der Eigenkompositionen mit ihrem Augenmerk auf polyrhythmischen Vertracktheiten lassen manchmal ein wenig musikalischen Biss vermissen. Dass die Musiker selbst gemischt und gemastert haben, ist problematisch: Vom Klang her hätte hier und da noch einiges an Nachdruck, Esprit und Herzenswärme herausgeholt werden können. Dennoch meisterliche Musik von drei hochkarätigen keltischen Weltmusikern!

Johannes Schiefner

 

SYLVAIN BAROU, DÓNAL LUNNY, PÁDRAIG RYNNE – Triad


BELLOWHEAD
Broadside

(Navigator Records NAVIGATOR073/Rough Trade, go! www.bellowhead.co.uk )
12 Tracks, 46:39, mit engl. Texten

Das ist es, das beste Album Großbritanniens im Jahre 2012; das Album, das den BBC2 Folk Award gewann. Da kann man eigentlich nicht meckern, oder? Kommt drauf an – denn wie so vieles im Leben sind auch Bellowhead Geschmackssache. Wer auf klare Strukturen steht, Schlichtheit bevorzugt, Gesang und zurückhaltende Instrumentierung mag, der wird sich fragen, warum um alles in der Welt ausgerechnet dies das beste Album eines Landes mit so vielen potenziellen Kandidaten sein soll. Wer allerdings auf den bombastischen Sound einer elfköpfigen Big Band steht, die ihr Instrumentarium von Bläsern bis E-Gitarren zur Neige ausschöpft; wer die fast ausschließliche Konzentration auf traditionelles Material bevorzugt, angereichert mit komplexen Arrangements; und wer schräge und ausgefallene musikalische Ideen mag, der wird einfach nur begeistert sein. So oder so, egal in welche Geschmacksrichtung man tendiert, ist Tatsache: Bellowhead sind eine seltene Ansammlung von Könnern. Dieses Album beweist das erneut.

Mike Kamp

 

BELLOWHEAD – Broadside


BILLY BRAGG
Tooth & Nail

(Cooking Vinyl COOKCD580/Indigo, go! www.billybragg.co.uk )
Promo-CD, 12 Tracks, 42:12

RICHARD THOMPSON
Electric

(Proper Records PRPCDX108/Rough Trade, go! www.richardthompson-music.com )
11 Tracks, 50:01, plus Bonus-CD: 7 Tracks, 25:16

Der eine beginnt verhalten; und so richtig wütend wird Billy Bragg heutzutage auch nicht mehr. Dafür wird er musikalisch zunehmend amerikanisch: Woody Guthrie, Blues, Steelgitarre – und „Chasing Rainbows“ ist ein astreiner Countrysong. Da kratzt man sich ein wenig am Kopf, aber Gesang, Diktion und vor allem die relevanten Texte zwischen Politik und Privatleben sind typisch Bragg. Der hat somit fünf Jahre nach seinem letzten kompletten neuen Album mit dieser Studioproduktion wieder ein stimmiges Werk vorgelegt. Der andere beginnt mit immenser, stampfender Kraft. Der in den USA lebende Brite Richard Thompson zelebriert seinen ganz eigenen gitarrenorientierten Folkrock, der von englischen Themen wie in „Salford Sunday“ bis zu Jimi-Hendrix-Zitaten wie in „Sally B“ reicht – wie üblich bei ihm mit Texten, die alles andere als optimistisch sind. Thompson ist frisch wie eh und je und kann sich in der Deluxe-Ausgabe eine Bonus-CD mit Zusatzmaterial leisten, die andere liebend gerne als Hauptalbum veröffentlichen würden. Ein weiteres grandioses Alterswerk!

Mike Kamp

 

BILLY BRAGG – Tooth & Nail RICHARD THOMPSON   – Electric


GEORG CLEMENTI
Zeitlieder

(Eigenverlag, go! www.clementi.de )
13 Tracks, 51:40

Wo holt ein Liedermacher seine Inspiration her? Der Schauspieler, Sänger und Komponist Georg Clementi aus Bozen fand seine Quelle in Artikeln der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. So etwas kann zu einer anstrengenden Übung verkommen, nicht aber bei Georg Clementi: Seine Lieder sind voller Poesie und Melancholie. Sie sind lebenstrunken, nicht selten schwermütig und hüpfen auch einmal ganz leicht. „Blau wie die Seine“, nach einem Artikel von Georg Randow, ein opulent sinnliches Chanson mit Musettecharme, macht den Auftakt des Albums. Als ob die Geister von George Brassens und Jacques Brel ihre schützende Hand über das Lied und die weiteren Stücke des Albums gehalten hätten. Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon), Tom Reif (Gitarre, Bass) und Robert Kainar (Percussion) lassen sich genüsslich von dieser Hand leiten. „Heimat“ heißt eines der eindrücklichsten Zeitlieder. Eigentlich verbindet alle Lieder die Suche nach einem Stück Zuhause. Manchmal, wie im ergreifenden „Kinderknast von Lesbos“ über jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan, bleibt die Tür verschlossen. Im herbsüßen „Salzburg im Schnee“ über Georg Clementis Wahlheimat gelingt das Heimatgefühl für einen Moment.

Martin Steiner

 

GEORG CLEMENTI  – Zeitlieder


CRUINN
Cruinn

(Eigenverlag CRUINNCD001, go! www.cruinn.net )
11 Tracks, 38:07, mit engl. Infos und gäl./engl. Texten

Lange Zeit galt Cliar als die gälische Supergruppe Schottlands schlechthin, aber von diesen Damen und Herren haben wir lange nichts mehr gehört. Zeit für einen Wechsel an der Spitze also, Zeit für Cruinn. Auch dieses Quartett könnte sich durchaus das Label Supergruppe anheften, schließlich waren und sind Fiona Mackenzie, Rachel Walker, James Graham und Brian Ó hEadra allesamt in diversen anderen Zusammenhängen tätig, deren Auflistung hier zu weit führen würde. Seit 2012 treten sie gemeinsam auf und legten im Januar 2013 ihr Debüt vor. Trotz Gitarre, Piano, Whistle und drei Begleitmusikern, unter denen vor allem Produzent Jim Sutherland clevere Percussionakzente setzt, ist es wie im gälischen Kulturkreis üblich der Gesang, der im Mittelpunkt steht. Und wie! Vier grandiose Solostimmen, die jede für sich die Klaviatur der Emotionen bedienen kann. Wenn sich jedoch diese vier Stimmen auf Harmonien konzentrieren wie im Paradebeispiel „Ceann Tráigh Ghruinneart“, dann möchte man einfach nur dahinschmelzen. Musik kann so schön sein – diese hier ist es, im positivsten Sinne des Wortes.

Mike Kamp

 

CRUINN – Dancing Cruinn


FANFARE TIRANA MEETS TRANSGLOBAL UNDERGROUND
Kabatronics

(World Village WVUK01/Harmonia Mundi,go! www.myspace.com/fanfaratirana , go! www.transglobalunderground.net )
Promo-CD, 12 Tracks 57:03

Das Londoner Musikkollektiv Transglobal Underground hat Anfang der Neunziger die Blaupause geschaffen für das, was man heute als Global Pop bezeichnet: Beats der britischen Clubszene zu Melodien und Klängen aus aller Welt, vornehmlich Nordafrika und Osteuropa. Sie haben dieser Art von Musik eine breite Öffentlichkeit beschert, sie in den Mainstream geholt und dürften von Shantel bis La Brass Banda jeden inspiriert haben, der tanzbare elektronische Musik mit folkloristischen Elementen produziert. Die Zusammenarbeit mit der albanischen Blaskapelle Fanfare Tirana begann vor zwei Jahren als Remixprojekt und mündet in das jetzt vorliegende Album. Die musikalische Verschmelzung zwischen Tirana und London gelingt sehr organisch, das osteuropäische Tempo wird gedrosselt, der harsche Bläserklang in warme Arrangements verpackt, auf der anderen Seite wird den entspannten Clubgrooves ordentlich Feuer unter dem Hintern gemacht. Balkanbeat und Elegisches wechseln sich ab, bleiben durch Mix und Stimmung aber gleichzeitig immer verbunden. Das meiste bleibt instrumental, nur ab und an führen diverse Sänger durch die Stücke. Nichts wirklich Unerhörtes, das Gebotene aber spielt auf extrem hohem Niveau.

Dirk Trageser

 

FANFARE TIRANA MEETS TRANSGLOBAL UNDERGROUND – Kabatronics


ANDREAS JULIUS FASCHINGS KUCHLRADIO
Grobn

(Rauschfrei Records RR 777, go! www.kuchlradio.at )
12 Tracks, 46:09

Andreas Julius Fasching ist ein niederösterreichischer Liedermacher, der von den Lesern des österreichischen Weltmusikmagazins Concerto zweimal zum beliebtesten österreichischen Musiker gewählt wurde. Nach Jahren des Schweigens meldet er sich mit diesem zwischen Niederösterreich und der Steiermark aufgenommenen Album wieder zurück. Bei der Livepräsentation in Wien gab es ein begeistertes Publikum und fragende Gesichter. Letztere, weil anwesende Deutsche und sogar Wiener aufgrund des Dialektgesangs wenig vom Witz und Feinschliff der Worte verstanden. Was live schwierig zu verstehen war, lässt sich im Booklet nachlesen. Fasching zeichnet mit Wortwitz und Ironie bitterböse Miniaturen vom niederösterreichischen Alltag zwischen Grenzdebilen und armen Kleinbauern: Grenzerfahrungen, die man nur im Grobn machen kann. Der Klang wird dabei durch die steirische Knopfharmonika und die Resonatorgitarre bestimmt. Sie wird von einem der international gefragtesten Bluesgitarristen gespielt, Gottfried Gfrerer, und so ist eine ansprechende Mischung aus amerikanischer Rootsmusik und alpenländischer Folklore entstanden, die mit ihrer Akkurettesse den Worten Faschings nicht nachsteht.

Harald Justin

 

ANDREAS JULIUS FASCHINGS KUCHLRADIO – Grobn


SAMPO LASSILA NARINKKA
Suomiklezmer

(Narinkaattori Records NARI001, go! www.narinkka.com )
10 Tracks, 55:12, mit finn./engl. Infos

Die Finnen seien keine großen Redner, sagt man – aber via Musik zuweilen fabelhafte Geschichtenerzähler. Das vorliegende Album des Helsinkier Trios um Komponist und Kontrabassist Sampo Lassila, ist ein perfektes Beispiel dafür. Jeder Titel hat eine Idee, baut assoziative Brücken zwischen dem historischen Klezmer des alten Europa und dessen Spiegelungen in der hochimpulsiven Folkjazzszene Finnlands von heute. Die Produktion besticht rundum durch exzellente Spieltechnik, ungewöhnliche Instrumentierung, glasklare, fantasievolle Arrangements und transparente Abmischung mit viel Fingerspitzengefühl für Dynamik und Klangqualität. Neben Akkordeon, Viola, satten Männerstimmen und geschickt eingesetzter, sparsamer Percussion dominiert und brilliert immer wieder der Kontrabass in seinem ganzen Facettenreichtum als klangliches Fundament oder Soloinstrument: nie aufdringlich, nie vordergründig – aber immer präsent. Fest verwurzelt in seiner nordischen Musiktradition und ausgestattet mit vitaler Experimentierfreude, gelingt es dem Trio mit traumwandlerischer Sicherheit, an allen Klischees vorbei tatsächlich neue und unbedingt hörenswerte Geschichten von finnischem Klezmer zu erzählen.

Cathrin Alisch

 

SAMPO LASSILA NARINKKA – Suomiklezmer


LENACAY
Ryma

(Satélite K SATKCD089/K Industria/Galileo MC, go! www.lenacay.com )
12 Tracks, 43:13, mit span. Infos u. span. u. engl. Texten

Was ist eigentlich aus den Musikern der famosen Ojos de Brujo aus Barcelona nach deren Auflösung geworden? Alle schlugen ihren eigenen, mal mehr, mal weniger von den Flamenco-Hip-Hop-Visionären wegführenden Weg ein. Zwei Ex-Ojos, darunter DJ Panko, sind Teil von Lenacay, die sich noch explizit mit der erfolgreichen Vorband assoziieren, im Netz unter www.ojosdebrujo.com gar direkt an ihre Stelle getreten sind. Dabei steht das neue schnittige Quintett eigentlich schon ganz gut auf eigenen Beinen. Auch wenn es bisweilen nach Ojos klingt, so hat man doch die Rezeptur raffiniert mit neuen Zutaten abgeschmeckt, etwa mit viel mehr Funk, Soul und Pop – auf Spanisch wie auf Englisch gesungen oder gerappt. Auf den Fotos und in den Infos des Booklets deutet sich schon an, dass das Ganze vor allem live ein fröhliches, interdisziplinäres Spektakel ist, nicht zuletzt durch die Mitwirkung einer Tänzerin. Ein Ansatz, den schon die besagten Vorgänger kultivierten und der nun erweitert wird. Und auch aus dem Caló, der Sprache der iberischen Gitanos zu schöpfen, ist schon alter Ojos-Brauch. Lenacay steht für das Lernen: ein wohl auch für die drei Jungs und zwei Mädels nicht so bald endender Prozess.

Katrin Wilke

 

LENACAY – Ryma


JOHAN MEIJER
Liedermannen

(Nederossi NOP121101, go! www.nederossi.nl )
18 Tracks, 67:14, mit dt. Texten und Infos

Johan Meijer treibt sein vorbildliches Europeana-Projekt weiter voran. Widmete er sich beim preisgekrönten Vorgänger, dem opulenten Doppelalbum Europeana: Raum & Zeit, den politisch engagierten Liedermachern Europas, so sind es dieses Mal die niederländischsprachigen Liedermannen, deren Werke er einfühlsam interpretiert. Was Johan Meijer selbst kritisch anmerkt: Frauen sind leider nicht vertreten, ebenso wenig die belgischen Liedermacher – eine vermeintlich willkürliche Auswahl der Künstler liegt halt in der Natur einer derartigen Anthologie. Eine bemerkenswerte Besonderheit der Liedermannen ist der Dialekt: Meijer berücksichtigt nicht nur verschiedene niederländische Dialekte, er singt selbst sogar im oberhessischen Dialekt, der Sprache seiner Kinder- und Jugendjahre in Frankfurt am Main. Es ist das Verdienst des niederländisch-deutschen Singer/Songwriters, Künstler wie Stef Bos, Bram Vermeulen, Ramses Shaffy, Ede Staal oder Jules de Corte einem deutschen Publikum zur Kenntnis zu bringen. Natürlich sind auch ein paar eigene Songs Meijers vertreten. Das nächste Europeana-Album – Zeitenwechsel wird es heißen – ist schon in Arbeit.

Kai Engelke

 

JOHAN MEIJER – Liedermannen


ANA MOURA
Desfado

(Emarcy Records/Universal 0602537228584, go! www.anamoura.com.pt )
14 Tracks, 54:15, mit port. u. engl. Texten

Musik aus Kuba, von den Kapverden? Die Stimme und die portugiesische Gitarre verbreiten Fadoflair. Das wummernde Schlagzeug lässt auf einen aufgemotzten Son Jarocho aus Mexiko schließen. „Desfado“ – ein vom angestammten Gleis umgeleiteter Fado – heißt das Lied. Komponiert hat es Pedro da Silva, Gitarrist der Gruppe Deolinda. Die Frau, die es zelebriert, könnte singen, was sie wollte – und das tut sie in der Folge auch –, ihre Stimme ist unwiderstehlich. „A Case Of You“, das zweite Stück, stammt aus der Feder von Joni Mitchell. Wer die Kanadierin covert, scheitert meistens. Nicht so Ana Moura – mit ihrem leicht rauchigen Timbre verleiht sie dem Lied eine wunderbare Sinnlichkeit. Mit von der Partie sind Leute wie Herbie Hancock und Bob-Dylan- oder Crosby-&-Nash-Personal wie David Piltch (Kontrabass), Dean Parks (Gitarre), Jay Bellerose (Schlagzeug). Am Mischpult saß Larry Klein, der Ex-Ehemann von Joni Mitchell. Drei der dreizehn Lieder singt Ana Moura auf Englisch, zehn auf Portugiesisch. Manchmal ist sie ganz nahe am traditionellen Fado, nicht zuletzt dank Ángelo Freire an der portugiesischen Gitarre. Fado oder kein Fado, egal. Ana Mouras Stimme macht das Album zum Genuss.

Martin Steiner

 

ANA MOURA – Desfado


NEIGUNGSGRUPPE SEX, GEWALT & GUTE LAUNE
Loss mas bleibm

(Trost/Trikont US-0443/Indigo, go! www.myspace.com/neigungsgruppe )
14 Tracks, 52:45, mit Texten

Die vier Herren mit dem auffälligen Bandnamen, die vom österreichischen Radiosender FM4 aus ihre Karriere gestartet haben, wollen diese nach zehn Jahren mit ihrem dritten Album wieder beenden. Da sie gut und gerne Lieder covern, knüpfen sie auch bei Titel und Cover an das letzte Beatles-Album an: Let It Be. Von den 14 Songs der Scheibe sind die Hälfte von ihnen selbst, die anderen stammen unter anderem von Nick Cave, Robbie Williams, Lou Reed oder Nirvana. Ihrem Ende eilt die Neigungsgruppe in Liedern über das Ende von Beziehungen zu oder gar über das Ende des eigenen oder anderen Lebens. Überwiegend ruhige Weisen, im wienerischen Dialekt gesungen, so herrlich morbid, wie man es kennt, wie man es haben will, und wie es auch dem Klischee entspricht, dadurch schon wieder einschmeichelnd schön. Selbstmitleid und Melancholie in bester Form, zu der auch die vielen Gastmusiker beitragen wie Oliver Welter oder Anja Franziska Plaschg alias Soap & Skin. Ein Bandende, das zu betrauern ist. Doch vielleicht ist die Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune ja nur scheintot oder wir erleben nach einer gewissen Zeit eine glückliche unglückliche Wiederauferstehung?

Rainer Katlewski

 

NEIGUNGSGRUPPE SEX, GEWALT & GUTE LAUNE – Loss mas bleibm


MARKUS SCHLESINGER
Changes

(Eigenverlag/office4music.com, go! www.fingerpicking.at )
10 Tracks, 33:20

Der Wiener Gitarrist Markus Schlesinger, schon seit Jahren sehr aktiv um die österreichische Akustikgitarrenszene bemüht, legt sein erstes Soloalbum vor. Folk, Blues und ein wenig Jazz sind die musikalischen Quellen der zehn Miniaturen aus eigener Feder. Locker und mit großem, warmem Ton lädt der junge Steelstring-Solist zu einer Reise durch seinen freundlichen, melodietrunkenen Klangkosmos ein. Abgesehen von „My Way“ oder „Sometimes“, den entspannt groovenden Ragtimes und dem rockigen „My Alibi“, ist es ein eher ruhiges Debüt geworden. Feine melodische Linien und sanfte harmonische Verbindungen schaffen ein poetisch-melancholisches Ambiente, in dem man gerne verweilt. Dem Schöpfer des Vienna Fingerstyle Festivals, das 2012 bereits zum dritten Mal einige wichtige Vertreter der Akustikgitarrenszene versammeln konnte, ist ein herzwärmendes erstes Solowerk gelungen, das vielleicht auch gerade aufgrund seiner Kürze Lust auf mehr macht.

Rolf Beydemüller

 

MARKUS SCHLESINGER  – Changes


SVØBSK KVARTET
Bjergtaget

(GO’ Danish Folk Music GO0413, go! www.svobs.dk )
13 Tracks, 43:29 mit dän. und engl. Infos

Das dänische Duo Svøbsk mit Jørgen Dickmeiss (v, mand, g) und Maren Hallberg (acc) feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Die beiden trafen sich beim Folkstudium am Konservatorium auf Fyn und studierten später an der Carl-Nielsen-Musikakademie. Seit 2009 spielen sie auch als Quartett: Theis Langlands (p, Harmonium) ist Absolvent der Nielsen-Musikakademie als Jazzpianist, aber ebenso in Folk, Rock und Pop zu Hause; diese Vielseitigkeit macht ihn zum beliebten Mitspieler in Gruppen wie Habadekuk und Rannok. Simon Busk ist der jüngste der vier. Er begann schon mit sechs Jahren mit der Musik, probierte viele Instrumente aus und blieb dann bei der Percussion. Die Erweiterung zum Quartett erzeugt einen anderen Klang. Geblieben ist aber die empathische, trotzdem brillante Spielweise. In den Arrangements spürt man die Liebe zu den nordischen Traditionen, auch wenn es kleine Ausflüge in den Jazz, den Tango und die Klassik gibt. Schnelle Tanzmelodien im Polka- und Walzerrhythmus wechseln sich ab mit melancholischen Stücken wie „Holmeja“, das an den südschwedischen Geburtsort von Hallbergs Mutter erinnern soll, und dem Wiegenlied „Sov Sødt Barnlille“, anrührend gesungen vom Duo.

Bernd Künzer

 

SVØBSK KVARTET – Bjergtaget


HANNES WADER & ALLAN TAYLOR
Old Friends In Concert

(Universal 060253726777,go! www.scala-kuenstler.de , go! www.allantaylor.com )
Promo-CD, 17 Tracks, 71:08

Sie wollten schon immer einmal ein gemeinsames Konzert machen, Anknüpfungspunkte gibt es genug. Beide Künstler sind auch weiterhin on the road – nur bisher immer auf unterschiedlichen Straßen. Und dann rief Hannes Wader bei Allan Taylor an und fragte: „Wie wär’s denn mit sieben Konzerten?“ So geschehen im Mai 2011, und natürlich wurden die Konzerte mitgeschnitten, es könnte ja etwas Nettes dabei herauskommen. Wenn Künstler gemeinsam musizieren, die sich und dem Publikum nichts mehr beweisen müssen, wird das eine entspannte Geschichte. Sie singen zusammen, nur ganz selten einmal alleine, ihre großen Hits. Meist abwechselnd deutsch und englisch, Wader auch mal englisch und – Überraschung! – Taylor auch mal deutsch. Das ist natürlich berechenbar, muss es aber auch sein bei zwei Stimmen und zwei Gitarren, die sich in Venne ins Trainingslager begaben und dann einfach loslegten. „Heute hier, morgen dort“, „Banjo Man“, „Es ist an der Zeit“ oder „It’s Good To See You“ – solche Lieder klingen hier, als hatten Wader und Taylor sieben Tage lang viel Spaß. „Sag mir wo die Blumen sind“ musste vielleicht nicht unbedingt sein, aber die Musizierfreude kommt rüber. So soll es auch sein!

Mike Kamp

 

HANNES WADER & ALLAN TAYLOR – Old Friends In Concert

Update vom
27.04.2013
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