HEIMSPIEL



 

EIN KONTINENT AUF DEN MAINWIESEN

Das Africa Festival in Würzburg

Europas größtes Fest für afrikanische Kultur

Einmal im Jahr – 2013 zum 25. Mal – mutiert das eigentlich beschauliche Würzburg zum Mekka der Afrikafans, die aus ganz Europa in die fränkische Stadt pilgern, um an mehreren Tagen auf den Mainwiesen der Stadt nicht nur Musik aus Afrika und der Diaspora zu erleben, sondern auch Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und einen riesigen Afromarkt mit Kunsthandwerk, Bekleidung, Essen, CDs oder Instrumenten. Wer heute dieses Festival mit fast hunderttausend Besuchern sieht, kann sich kaum vorstellen, dass alles mit einem einzigen Konzert begann.

TEXT: WOLFGANG KÖNIG

Organisiert wird das Festival ehrenamtlich vom Afro Project e. V. Zwei seiner Mitglieder, darunter der Psychotherapeut Stefan Oschmann, der es bis heute leitet, hatten 1986 in Amsterdam ein Konzert der guineischen Percussiongruppe Africa Soli erlebt und waren so begeistert, dass sie die Band unbedingt in Würzburg haben wollten. Weil keiner der örtlichen Konzertveranstalter Interesse zeigte, blieb nur die Eigeninitiative.

Stefan Oschmann * Foto: Archiv
Das Konzert war ausverkauft, das Publikum begeistert, und so entstand die Idee eines jährlichen Festivals, das langsam aber stetig zur heutigen Größe heranwuchs. 1989 gab es dann, bereits mit Unterstützung durch die Stadt, das erste Africa Festival im Stadteilzentrum Grombühl. „Das war mitten in einem Wohnviertel“, erzählt Stefan Oschmann, „und wir hatten auch einen Trommler, der auf unserem aus drei Ständen bestehenden Markt spielte. Das gab dann wegen der Lautstärke Probleme mit den Anwohnern, und so sind wir schon im zweiten Jahr mit einem Zirkuszelt auf die Mainwiesen gezogen.“
go!  www.africafestival.org
Bisher haben 370 Bands und Solisten aus fünfundfünfzig Ländern Afrikas, aber auch aus Brasilien und der Karibik, auf den Mainwiesen gespielt. Es gibt wohl keinen Star der afrikanischen Musik, der nicht schon mindestens einmal in Würzburg aufgetreten wäre, darunter Größen wie Miriam Makeba, Youssou N’Dour, Manu Dibango, Hugh Masekela oder Salif Keita. Manche, wie Angélique Kidjo oder Habib Koité, machten erst anschließend international Karriere.

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DREHLEIERBAU NACH FRANZÖSISCHER SCHULE

Sebastian Hilsmanns Tischlerhimmel

Starke Instrumente aus Kirchzarten bei Freiburg

Der Drehleierbauer Sebastian Hilsmann ist nach acht Jahren Selbstständigkeit endlich im Tischlerhimmel angekommen: Er baut seine eigenen Drehleiern, die bei Musikern sehr gefragt sind. Der Weg zu ihm in den Südschwarzwald führt, von Osten kommend, durch das Höllental. Persönliche Engpässe und Durststrecken seiner ersten Jahre als Instrumentenbauer hat Hilsmann überwunden, das Auftragsbuch ist gut gefüllt.

TEXT: KAY REINHARDT

go! www.drehleierwerkstatt.de

Als Kind erlebte ich auf einem Konzert die Drehleierspielerin von An Erminig. Das hat sich eingebrannt. Bis zum Bau meines ersten eigenen Instruments sind dann aber noch etliche Jahre vergangen“, erinnert sich Sebastian Hilsmann. Inzwischen ist der 34-jährige gebürtige Münsterländer ein viel beschäftigter Fachmann. Ein Kunde muss zwischen sechs und achtzehn Monaten auf seine Hilsmann-Leier warten, aber: „Wenn Leihinstrumente frei sind, verkürze ich damit gern die Wartezeit. In der Regel sind die aber immer sehr schnell weg“, sagt Hilsmann.

LERNEN VON DEN ALTEN

Nach einer Tischlerlehre fand er mit Pascal Cranga in Frankreich einen Lutherier, der ihm drei Jahre lang mit ansteckender Begeisterung zeigte, wie man eine gute Drehleier baut. Anfangs mit Händen und Füßen, denn der Schüler sprach damals noch nicht Französisch.

Sebastian Hilsmann beim Verleimen eines Drehleiernbodens unter dem „Tischlerhimmel“, einer Vorrichtung, die
beim Wölben der Böden hilft. * Foto: Kay Reinhardt

Anschließend nahm Hilsmann am Lycée Polyvalante in La Châtre an einem Lehrgang zur Herstellung traditioneller Instrumente mit Schwerpunkt Drehleiern teil. In der Lehrwerkstatt arbeitete er an vielen historischen Drehleiern, vor allem aus dem 18. Jahrhundert. Mit dem Restaurieren und Kopieren alter Drehleiern begann auch seine Laufbahn als Instrumentenbauer. Die Maße, Skizzen und Detailfotos historischer Drehleiern holte er sich aus Museen, denn Fachliteratur über Drehleierbau, die älter ist als vierzig Jahre, gibt es kaum. Besonders begeistern Sebastian Hilsmann bis heute die Instrumente der französischen Meister Nigout und Louvet. In Klang und Formvollendung sind sie für ihn die Stradivaris unter den Drehleiern.

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WENN DIE SCHRAMMELN IN DER GEGENWART ANKOMMEN

Schrammel.Klang.Festival

Karriere eines Familiennamens

Zeno Stanek * Foto: Stephan Mussil

Es wird als „das Woodstock der Weltmusik“ bezeichnet, wartet vor allem aber mit österreichischen Musikern auf. Trotzdem ist der Ruf des Festivals begründet: In reizvoller Landschaft gelegen, können gestresste Besucher hier bei Musik, Literatur, Kunst und besonders ausgesuchter, typisch niederösterreichischer Bewirtung zu sich finden.

TEXT: HARALD JUSTIN

Gib dem Hunderter ein Busserl / Den siehst du nimmermehr / Schau ihm einmal noch ins Auge / Und dann gibst ihn her / Denn die Schrammeln / Müssen sammeln / Brauchen ein kleines Geld!“, singt Stefan Sterzinger, einer der charismatischen Vertreter des Neuen Wienerlieds. Wer oder was aber sind die Schrammeln, die das Geld einsammeln? Man stelle sich einmal vor, hinter einer Musik wie dem Tango stünden Familienverbände, die diesen Musiken den Namen gaben. Etwa eine Familie mit dem Namen Tango, die aus einigen musikalischen Brüdern bestehen würde, und die den Startschuss für eine später nach ihnen benannte Musik gaben. Wer so etwas für vollkommen unmöglich hält, kennt halt die Schrammeln nicht.

HEURIGENMUSIK

Tatsächlich gab es einen gewissen Kaspar Schrammel, der 1811 bei Litschau in Niederösterreich geboren wurde. Dieser Teil Österreichs galt in jenen Jahren als landschaftlich schön, aber hier „hausten Armut und Härte“, wie es hieß. Schrammel war musikalisch begabt, konnte aber von der Musik nicht leben, wurde Weber und Instrumentenbauer. Seine Frau, eine Weberstochter, starb frühzeitig an der Lungenschwindsucht, die bald auch „Wiener Krankheit“ genannt wurde.
go! www.schrammelklang.at
Als Witwer und mit einem Kind, verließ Schrammel das so genannte Waldviertel und zog in einen Vorort von Wien, nach Neulerchenfeld, wo die „Papagenos“ vom Vogelfang lebten und der Wein, weil von der Steuer befreit, deutlich billiger war als in der Hauptstadt. Mehrere zehntausend Menschen wanderten am Wochenende in diese Vorstädte, zum Tanzen und Trinken. In dieser Wirtshausatmosphäre, wo Bänkelsänger und diverse Volkssänger dem Publikum aufspielten und Schrammel als Klarinettist ums Überleben blies, lernte er die Volkssängerin Aloisia Ernst kennen, die alsbald zwei Söhne, Josef und Johann, bekam. Schon als Kinder spielten sie mit dem Vater und anderen Familienmitgliedern dem Wirtshauspublikum in den Heurigen auf und sammelten Geld ein. Alle wussten: „Unsre Schrammeln waren ganz arme Musikerleute, welche schwer ums tägliche Brot kämpfen müssen.“ Zusammen reichte das verdiente Geld jedoch aus, um die beiden Söhne am Wiener Musikkonservatorium ausbilden zu lassen.

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LÄNDLICHE KULTURARBEIT IN DEN WEITEN DER WESERMARSCH

Die Seefelder Mühle

Kulturzentrum – Denkmal – Café

Reetgedeckte Bauernhäuser, tief in die Landschaft geduckt, säumen die schmalen Straßen und Wege, auf denen sich nur mit viel Geschick zwei Fahrzeuge begegnen können. Flaches Land fast bis zum Horizont. Oder bis zum Deich, je nach Blickrichtung. Gleich hinter dem Deich die Nordsee, der Jadebusen. Keine Agrarfabriken weit und breit, dafür Rinder, Schweine, Schafe, Hühner und anderes Getier auf grünen Weiden. Überall Hofläden, die regionale Erzeugnisse zum Verkauf anbieten. Ein kleines Stück bäuerlich-heile Welt. Und dann taucht plötzlich – wie um die Idylle zu vervollständigen – die Seefelder Mühle auf, ein hier 1875 errichteter Galerieholländer, nach zwei Renovierungen wieder voll funktionstüchtig. Seit 1987 werden die Windmühle und ihre Nebengebäude als ländliches Kulturzentrum mit einem ungewöhnlich breitgefächerten Programmprofil genutzt.

TEXT: KAI ENGELKE

Cornelia Iber-Rebentisch, Hans Meinen und Anke Eymers * Foto: Kai Engelke

Wir sind Kulturzentrum, Denkmal und Café in einem“, sagt Programmleiter Hans Meinen und beginnt ohne Umschweife mit der Führung durch das historische Mühlengebäude. Nicht ohne einen gewissen Stolz erzählt er von inzwischen über fünfundzwanzig Jahren Kulturarbeit in der niedersächsischen Provinz. „Es war nicht immer ganz einfach. In der ersten Zeit begegneten die Menschen hier in der Region unseren Aktivitäten durchaus mit Skepsis und Zurückhaltung.“ Doch mit viel Beharrlichkeit, Fantasie und ehrenamtlicher – sprich: meistens unbezahlter – Arbeit haben Meinen, Kulturmanagerin Cornelia Iber-Rebentisch, Organisationsmitarbeiterin Anke Eymers sowie etliche weitere aktive Vereinsmitglieder des Seefelder Mühle e. V. es geschafft, die Mühle als Veranstaltungsort in der Region fest zu verankern. Finanziell trägt sich das Projekt unter anderem durch regelmäßige Zuschüsse der Gemeinde Stadland und des Landes Niedersachsen, Veranstaltungseinnahmen, Spenden sowie Einkünften aus dem gastronomischen Bereich und dem Mühlenladen. Das hochkarätige, vielfältige Programm wird mittlerweile von der örtlichen Bevölkerung und bis weit über die Grenzen der Wesermarsch hinaus zur Kenntnis genommen.

AUFTRITTE MIT KULTCHARAKTER

go! www.seefelder-muehle.de
Schwerpunkt des Kulturprogramms sind nach wie vor die Musikveranstaltungen. Der plattdeutsche Songpoet Helmut Debus, der nicht weit entfernt von der Seefelder Mühle lebt, war der Erste, der 1987 in dem kleinen Raum direkt unter dem Mahlwerk ein Konzert gab. Seine alljährlichen Auftritte haben dort inzwischen Kultcharakter. Die Briten Show Of Hands gastierten hier, die Sands Family aus Irland, aus Russland kamen das Terem-Quartett und die fantastische Band Expromt, die Gruppe Hradištan aus Tschechien war hier ebenso zu Gast wie Bratsch aus Frankreich, Piatkowski & Rieck aus der damaligen DDR oder das Dragseth Duo aus Schleswig-Holstein. Ausdrücklich soll auch jungen Nachwuchskünstlern in der Seefelder Mühle ein Forum geboten werden. Befragt nach den bevorzugten musikalischen Genres nennt Hans Meinen internationale Folkmusik, Weltmusik, Jazz, Klassik und natürlich plattdeutsche Liedkultur.

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Update vom
27.04.2013
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