FOLKER
präsentiert:
TFF RUDOLSTADT 2013

Wie käme sonst das T zum FF?

RUDOLSTADT TANZT

Ehren-Ruth für Tanzmeisterin Eva Sollich

Da liegen lange und kurze Tradition eng beieinander: Die etwas längere, das sind die Rudolstädter Feste des Deutschen Volkstanzes, die Tanzfeste seit den Fünfzigerjahren. Und dann die – vergleichsweise – kürzere, die seit Anfang der Achtziger in der DDR aufgeblühte Folkstanzszene. Eine, die all diese Phasen als Beteiligte miterlebte, ist Tanzpädagogin Eva Sollich, dereinst in den Siebzigerjahren Begründerin und über zwei Jahrzehnte lang Leiterin des Tanzhauses Benshausen. Sie ist eine der wichtigsten Personen unter jenen, die halfen, den Mitmachtanz neuerer Prägung nach Rudolstadt zu bringen. Für ihr engagiertes Lebenswerk wird Eva Sollich beim diesjährigen TFF in Rudolstadt mit der Ehren-Ruth ausgezeichnet. Anlass für den Folker, nicht nur mit ihr zu sprechen, sondern auch mit zwei weiteren Verantwortlichen, die das Tanzprogramm beim TFF seit Jahren entscheidend prägen: Sigrid Doberenz, Aktivistin der ersten Stunde beim Mitmachtanz in Leipzig und selbst Tanzmeisterin mit der Spezialität Kindertanz, für den sie in Rudolstadt verantwortlich zeichnet. Und Matthias Weyrich, seines Zeichens Tanzbeauftragter des TFF.




Folker: Frau Sollich, Sie haben die verschiedenen Rudolstädter Feste von Anfang an als Mitwirkende erlebt. Was sind Ihre Erinnerungen an die frühen Jahre?

Eva Sollich: Am Anfang hat man beispielsweise Massentanzen auf dem Sportplatz veranstaltet. Das war ein Bild, wie ich es mir auch im Jugendtanz hätte vorstellen können. Dann kam die Akzentuierung: absolut Bühne! Und das wurde dann immer eindringlicher gefordert. So dass auch nicht mehr jeder, der kommen wollte, nach Rudolstadt kam, sondern es musste schon ein bestimmtes Niveau nachgewiesen werden. Es gab immer wieder neue Akzentuierungen. Durch thematische Aussagen oder dadurch, dass dann mal der Showtanz wieder mehr Raum bekam. Also, das war immer ein großes Spannungsfeld.

»Über ein bestimmtes Thema zu arbeiten. Mit Leuten aus aller Welt, wie sie mittlerweile ja nach Rudolstadt kommen; dass sich der Kreis derer, die sich für Tanz interessieren, einem Thema nähert, sich vorbereitet auf einen Akzent wie bei den Instrumenten. So einen Wunschtraum hätte ich für das TFF.«
Eva Sollich
Eva Sollich

Den wohl größten Umbruch stellte die Wende dar, die eine Neuausrichtung des Rudolstädter Festivals mit sich brachte. War es von Anfang an klar, dass der Tanz da weiterhin seinen Platz hätte?

Sigrid Doberenz: Mitmachtanz sollte schon passieren. Das war von Anfang an klar. Wir hatten ja damals, Anfang der Achtzigerjahre, die wunderbare Erfahrung gemacht mit den Veranstaltungen in der Leipziger Kongresshalle. Da war der Folkstanz das Rahmenprogramm, und dazu gab es immer Akzente aus verschiedenen Musikgenres: Rock, Blues, Liedermacher, Kammermusik. Und das Publikum hat das wunderbar angenommen. Auch die Musiker, die dort ihre Sachen vorstellten, waren begeistert. Eben deshalb sollte der Mitmachtanz beim Rudolstädter Fest präsent sein.

Frau Sollich, Ihr Benshausener Konzept lief eher darauf hinaus, Einblicke in konkrete historische Situationen des Volkstanzes zu geben …

Ein Leben für den Tanz

EVA SOLLICH, geboren 1937 in Genthin, Sachsen-Anhalt, ist gelernte Schneiderin und dem Volkstanz seit frühester Jugend verbunden. Mit fünfzehn leitete sie ihre erste eigene Gruppe, wurde Fachmethodikerin für Tanz in Salzwedel und Magdeburg und absolvierte schließlich ein Studium für Tanzpädagogik an der renommierten Palucca-Schule in Dresden, worauf sie auf dem Gebiet des Volkstanzes in Güstrow und Jena arbeitete. 1977 gründete sie im thüringischen Benshausen das erste – und einzige – Tanzhaus der DDR, das sie über zwanzig Jahre lang leitete. In dieser Zeit entstand eine Vielzahl von inhaltlich genau und liebevoll gestalteten Programmen („Das Laubmännchen zieht ein“/“Gut Fuhrmann schafft gut Fracht“/“Spinngang der Kinder“/“Allweil ist Sonnenwende“), in denen Eva Sollich historisches Brauch- und Sozialverhalten im bäuerlichen und handwerklichen Tanz abbildete. Wobei es ihr immer darum ging, Laientänzer unterschiedlichster Generationen einzubeziehen.
Viele dieser Produktionen wurden bei den Rudolstädter Tanzfesten aufgeführt und mit Preisen bedacht. Mit großem Einsatz widmete sie sich der Ausbildung von Tanzmeisterinnen und Tanzmeistern der seit den Achtzigerjahren in der DDR entstehenden Folkstanzszene, und nicht hoch genug zu schätzen ist ihr Anteil daran, das Rudolstädter Tanzfest für den Mitmachtanz zu öffnen. Als Rentnerin lebt Eva Sollich seit 1997 in Berlin und arbeitet als Tänzerin mit blinden und körperlich behinderten Menschen. In ihrer Freizeit widmet sie sich hingebungsvoll der Aquarellmalerei.

Eva Sollich: Mein erstes Programm war der „Spinngang der Kinder“, wo ich Bräuche von 1820 aufgegriffen habe. In den damals sehr armen thüringischen Gegenden war seinerzeit keine Schulbildung möglich; da ersetzten die Spinnstuben die Schulen. Die Spinnmütter haben den Kindern die Regeln fürs Leben mitgegeben, haben selbst Rechnen und Schreiben unterrichtet. Ich fand das alles so faszinierend, das war einfach so ein ganzes Bild, was ich vermitteln wollte, diesen sozialen Einblick. Und der Erfolg dieses Programms hatte mich dann ermuntert, in ähnlicher Weise weiterzuarbeiten.

Weniger um inhaltliche Genauigkeit und Tiefe bemüht waren die schon erwähnten jungen Leute, die dann in Leipzig, Berlin und anderswo in Jeans und T-Shirt kreuz und quer durch die Säle folks-tanzten. Was war da Ihre spontane Reaktion? Blankes Entsetzen?

Eva Sollich: Ich kann nur sagen: herrlich! Ich selbst hatte schon sehr früh angefangen, anschließend an meine Programme Mitmachtanz zu machen und fand das immer fantastisch. Und ich habe den Folkstanz gleich zu Anfang erlebt, in der alten Kongresshalle in Leipzig. Was mich schockiert hat, war nur das Tempo. Alles andere hat mich total beeindruckt. Wenn ich mit den Tänzern gesprochen habe, sagten die: Zu schnell? Ja, das sind die Musiker, die drängeln wieder!

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Update vom
27.04.2013
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