Sozialarbeit nach Noten


  CRIOLO  

  Rap aus São Paulo

CRIOLO


Er zählt zu den großen musikalischen Überraschungen des zurückliegenden Jahres. Die liefert ein an Vielfalt und Innovation kaum zu überbietendes Musikimperium wie Brasilien zwar andauernd, mit Criolo alias Kleber Cavalcante Gomes scheint allerdings ein besonders guter, inzwischen weltweiter Wurf gelungen zu sein.


TEXT: KATRIN WILKE

Der Sohn von Emigranten aus dem armen Nordosten Brasiliens erinnert in seiner Lebensgeschichte ein wenig an die seines Landsmannes Seu Jorge.
»ICH UNTERSCHEIDE
NICHT ZWISCHEN RAPPEN
UND SINGEN,
ES IST ALLES MUSIK.«

Der Neo-Sambista aus Rio vollzog einen geradezu märchenhaften Wandel vom stigmatisierten, delinquenten Favela-Jungen zum international gefeierten Superstar. Sein in São Paulo geborener, ebenfalls in einer Favela aufgewachsener Kollege geriet dagegen nicht erst auf kriminelle Abwege, sondern schon ganz früh auf menschlich geradezu noble Pfade – u. a. dank seiner Mutter, mit der der heute 37-Jährige sogar gemeinsam die Schulbank drückte, als diese als Erwachsene ihre fehlende Ausbildung nachholte.
 Manfred Siebald
Die beiden eint die Liebe zur Poesie und zur Musik sowie ein starkes soziales Solidargefühl. Solidarität ist auch ein Wort, das häufig auftaucht in den gedankenschweren, bisweilen gar weihevoll anmutenden Überlegungen, die der Brasilianer im Interview langsam und mit Bedacht formuliert. Nicht erst durch seine mehrjährige Arbeit mit Straßenkindern weiß der Paulista um die „Stärke dieser Kinder, deren schwierige Lebensbedingungen sicher auch das Ergebnis einer Fehlplanung ist. Es geht darum, wertzuschätzen, dass das Wichtigste eines Landes seine Einwohner sind. Für unsere Kinder braucht es einen Plan, damit sie bessere Tage erleben.“

go! www.criolo.net

Aktuelle CD:
Nó Na Orelha (Sterns, 2012)

Babel

Diese Aufgabe überlässt Criolo lieber den Politikern, die seiner Ansicht nach dafür zuständig sein sollten. Seine ganz eigenen politischen Aktivitäten als Musiker wurzeln in der sozialkritisch-kämpferischen Rapszene São Paulos der Achtzigerjahre, die von der Peripherie der Riesenmetropole aus operiert. Dort ist auch die Kultur der sogenannten Saraus zu Hause – einer Art Lesesalons der einfachen Leute für jede Art von Wortmeldung, nicht nur die von Dichtern oder Rappern. „Die Saraus von São Paulo sind etwas Sensationelles, Treffpunkte, die weit über das Gedichtevortragen hinausgehen. Man hat dort seinen Platz, die Möglichkeit des alltäglichen Erfahrungsaustauschs, trifft auf Menschen mit jeweils eigenen Idealen, Gedanken, die sich um die ganze Menschheit drehen. Leute, die träumen, sich die Ärmel hochkrempeln und gute Werke tun. Die Saraus setzen Signale, sind wirklich Lichtpunkte und wie die Kunst selber etwas Demokratisches und für alle.“

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Update vom
25.02.2013
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