Rezensionen NORDAMERIKA


BLACK PRAIRIE
A Tear In The Eye Is A Wound In the Heart

(Essence Music/Sugar Hill Records SUG-CD-4084/Welk Music Group, go! www.blackprairie.com )
Promo-CD, 16 Tracks, 69:02, mit engl. Texten

Geigerin Annalisa Tornfelt ist tief in der US-amerikanischen Musiktradition verankert, war sie doch seit Jahren mit verschiedenen Bluegrassformationen auf Tour. Nun hat sie sich mit dem Gitarristen Jon Neufeld sowie drei Mitgliedern der Decemberists zusammengetan, um als Black Prairie moderne, jedoch ebenfalls zutiefst traditionelle Musik zu machen. Da alle beteiligten Musiker Multiinstrumentalisten sind, gibt es neben der Standardinstrumentierung auch den Lap Dulcimer, Autoharp, Nyckelharpa oder die Phono Fiddle zu hören. Dementsprechend reich ist das Klangspektrum der sechzehn Songs. Gesangs- und Instrumentaltitel wechseln sich ab, sodass sensible, von Tornfelts klarer, weicher Stimme getragene Balladen neben instrumentalen Jigs und Mazurkas stehen. Irische, schottische und südamerikanische Einflüsse sind auf diesem Album zu vernehmen, die ein wunderbares Gleichgewicht mit den klassischen Folksongs Tornfelt halten. Federleicht schafft dieses Quintett den Spagat zwischen uraltem und brandneuem – heute Weird Folk genannt – ohne dabei beliebig oder gar anbiedernd zu wirken. A Tear In The Eye Is A Wound In The Heart hat dabei einen Hauch von Sentimentalität, der nicht falsch wirkt.

Michael Freerix

 

BLACK PRAIRIE – A Tear In The Eye Is A Wound In the Heart Tempest


ARLAN FEILES & THE BROKEN HEARTED
Weeds Kill The Wild Flowers

(Not Pop Records NP-001, go! www.arlanfeiles.com )
13 Tracks, 56:08

Ein „Musician’s Musician“, ein Musiker für Musiker – so heißen Kollegen, die bei ihresgleichen höchsten Respekt genießen, von den Konsumenten jedoch weitgehend ignoriert werden. Der in Los Angeles geborene, heute in New York lebende Arlan Feiles hat die Bühne mit vielen Helden geteilt, von Warren Zevon über Joan Baez bis zu The Band, die ihn im Studio begleitete. Er hatte einigen Erfolg mit Natural Causes, um dann wieder solo im eigenen Kombi durch die Bars und Cafés der USA zu touren. Ein ruheloser Tausendsassa, der nach zwei Soloalben nun wieder mit Band aufgenommen hat. Die Musik ist tief verwurzelt in den Siebzigern, frisierter Rootsrock mit Orgel und E-Gitarre, die Greetings From Ashbury Park von Boss Springsteen lassen grüßen. Intensiv, geschmeidig, groovy, tolle Gitarre von Joel Schantz, Stücke die im Ohr bleiben und alles hervorragend mit Patina produziert. Singen kann Arlan Feiles selbstredend auch mit Dreitagebart und „Durchgemachte-Nacht-und-trotzdem-nicht-müde“-Stimme. Wer so etwas aus dem Ärmel schüttelt, hat es nicht nötig, neue Wege zu gehen, die oft aus Unzulänglichkeit entstehen. Dieses Album zelebriert Dagewesenes auf höchstem Niveau. Einer muss es ja tun.

Dirk Trageser

 

ARLAN FEILES & THE BROKEN HEARTED – Weeds Kill The Wild Flowers


HAT CHECK GIRL
Road To Red Point

(Waterbug Records WBG110, go! www.hatcheckgirl.net )
10 Tracks, 45:23

ANNIE GALLUP
Little Five Points

(Waterbug Records WBG105, go! www.anniegallup.com )
11 Tracks, 38:27

Später Oktober, eine Hütte an der Küste Oregons, vom Wind umhüllt, innen still, dazu im Kopf eine Reihe von Fotos aus der Zeit der großen Depression: Welche Musik mag unter solchen Vorzeichen entstehen? Keine Überraschung: eine Musik mit dichter Atmosphäre, mit wimmernden Lap Steels und Dobros, urtümlich pluckernden Banjos, knarzigen E-Gitarren aus Verstärkern mit heißgeglühten Röhren, die den Staub wegbrennen. Dazu Songs, in denen Erinnerungen aufscheinen, vergangene Liebschaften, Bilder von dem Augenblick, in dem man das erste Lied seines Lebens gehört hat, Momentaufnahmen aus der Natur, deren Szenerie letztlich doch für innere Zustände steht. Annie Gallup und Peter Gallway alias Hat Check Girl graben tief in Gefühlen und den Ausdrucksmöglichkeiten ihrer akustischen und elektrischen Instrumente, mal aufgewühlt, mal gelassen. Völlig reduzierte Klänge, wesentliche Geschichten, eindringliche Stimmen, Annie Gallup klingt nach einer Mischung aus den McGarrigle-Schwestern und Marianne Faithfull. Ihr Soloalbum wirkt wie die Fortsetzung des Duos mit ähnlichen Mitteln: intime Stimmung, sorgfältig gewählte Wege, Peter Gallway an Gitarre und Tasten. Wintermusik.

Volker Dick

 

HAT CHECK GIRL – Road To Red Point ANNIE GALLUP  – Little Five Points


CIRO HURTADO
Los Angeles Blues

(Inti Productions, go! www.cirohurtado.com )
11 Tracks, 41:17, mit engl. Infos

Der Titel ist ein wenig irreführend, denn mit Blues im engeren musikalischen Sinne hat das Soloalbum des Gitarristen Ciro Hurtado nichts zu tun. So beschreibt er selbst seinen Stil als „Anden-Blues“, und damit ist dann auch eher der Entwurf einer emotionalen Landschaft gemeint, die von Melancholie und Einsamkeit geprägt ist. Der gebürtige Peruaner bezieht sich in seinen Kompositionen für akustische Gitarre, bis auf wenige Ausnahmen, durchweg auf Themen seiner Heimat. Klare, einfache melodische Linien und ein großer, runder, warmer Ton gestalten den sehr intimen Charakter der Aufnahmen. In seiner Wahlheimat Los Angeles ist Ciro Hurtado vor allem durch seine Band Huayucaltia bekannt geworden oder durch die Arbeit mit dem bekannten Gitarrenduo Strunz & Farah. Hurtado versteht das Soloalbum als Erkundung seiner Wurzeln. Der kultivierte klassische Ton und die Sprache der peruanischen Volksmusik gehen eine überaus geglückte Verbindung ein. Auch der Einfluss des Flamenco ist deutlich hörbar. Dezente Begleitung erfährt Hurtado bei zwei Stücken durch den Percussionisten Julio Ledezma.

Rolf Beydemüller

 

CIRO HURTADO  – Los Angeles Blues


KELLY JOE PHELPS
Brother Sinner & The Whale

(Black Hen Music BHCD-0070/In-akustik, go! www.kellyjoephelps.net )
12 Tracks, 51:12, mit engl. Infos

Der amerikanische Ausnahmegitarrist und Sänger aus Washington hat wieder einmal ein Rootsalbum veröffentlicht. Als Mann der sanften Töne mit Hang zum Jazz verwebt er auf seiner elften Veröffentlichung Elemente aus Folk, Singer/Songwriter und Blues mit einem Hauch von Avantgarde. Die Platte, die sich im Genre Americana einordnen lässt, zeichnet sich durch Leichtigkeit und sanfte Grundstimmung aus. Bis auf das Traditional „I’ve Been Converted“ stammen alle Titel aus der Edelfeder von Phelps selbst. Der Musiker hat viel zu erzählen – von der Sonne und dem Mond, von giftigen Lippen und Gesprächen mit Jehova. Seine Texte scheinen beim Hören durch den Raum zu schweben. Die Gesamtstimmung der Produktion ist warm und sanft. Sowohl die akustische als auch die Slidegitarre beherrscht Phelps perfekt. Der 53-Jährige gehört zur neuen Generation von Bluesgitarristen, die sich der akustischen Musik verschrieben haben. Brother Sinner & The Whale ist das beeindruckende Soloalbum eines gereiften Musikers, der genau weiß, was er tut.

Annie Sziegoleit

 

KELLY JOE PHELPS – Brother Sinner & The Whale

Update vom
28.12.2012
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