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Instrumente
der Welt
NYCKEL- HARPA
Klingende schwedische Fichte
Wie der Name schon vermuten lässt, kommt die Nyckelharpa aus dem Norden: In Schweden gilt sie als Nationalinstrument, ihr
Bild ziert sogar die Rückseite des schwedischen 50-Kronen-Scheins. Ob die Tastenfidel dort erfunden wurde, ist allerdings
unklar. Denn im Mittelalter war sie aus der Drehleier entwickelt in Deutschland, Dänemark, Flamen, Österreich oder
Italien ebenso zu Hause. Nun aber, aus Schweden zurückkehrend, erobert sie gleich die ganze Welt.
TEXT:
HANS-JÜRGEN SCHAAL
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Von einer Geige unterscheidet sich die Nyckelharpa durch zweierlei: erstens durch die Tasten (Schlüssel oder keys),
mit denen man die Saiten drückt, anstatt sie direkt mit den Fingern zu greifen, und zweitens durch die unter den
Melodiesaiten gelegenen Resonanzsaiten. Diese sind es, die dem Instrument seinen besonderen, kraftvollen, obertonreichen
»
Im ständigen
Wettkampf mit der
Geige.«
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Klang geben, den wir sofort mit Volksmusik und Renaissance verbinden. Besonders Fichtenholz soll diese Klangfülle
begünstigen, aber auch Tanne und Ahorn sind beliebtes Baumaterial für die Nyckelharpa. Das einen Meter lange und zwei
Kilogramm schwere Instrument wird im Sitzen gespielt, dabei quer über den Schoß des Spielers gelegt und in dessen Nacken
von einem Band gehalten. Die rechte Hand bedient den kurzen Streichbogen, die linke greift von unten am Hals des Instruments
die Tasten.
Frühe Exemplare von Nyckelharpor (so die Pluralform) haben sich nur in Schweden, Finnland und Norwegen erhalten. Das
könnte daran liegen, dass man in Skandinavien nie aufgehört hat, dieses Instrument zu schätzen, während es in
Kontinentaleuropa irgendwann in Vergessenheit geriet. Nach der Barockzeit wurde die Nyckelharpa offenbar
tatsächlich nur noch in Schweden gespielt. Dort hat man um 1700 auch damit begonnen, Resonanzsaiten einzuziehen,
um dem Volksmusikinstrument seine besondere Klangqualität zu geben. Im ständigen Wettkampf mit der Geige, den die
Nyckelharpa in Mitteleuropa bereits verloren hatte, entwickelten sich in Schweden immer neue, immer komplexere Bautypen
wie Enkelharpa, Silverbasharpa, Kontrabasharpa, Mixturharpa oder Österbyharpa.
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