CARMEN SOUZA 2011 * FOTO: CHICO GADELHA

      Einmal Cachupa, bitte

 Carmen Souza

Kapverdische Folklore trifft Jazz



Cachupa ist ein würziger Mais-Bohnen-Eintopf und das Nationalgericht der hingetupften Inselgruppe vor Afrika. Und je mehr Gemüse die kapverdische Köchin zur Verfügung hat, desto reichhaltiger das Essen. Für Carmen Souza ist die üppige Suppe zum Symbol für ihr Schaffen geworden und gab ihrem neuen Album den Namen. „Die Cachupa hat genauso viele Zutaten wie meine Musik“, lacht sie, „da sind die Parallelen doch unverkennbar.“

TEXT: SUZANNE CORDS

Wenn man als Kind kapverdischer Eltern in Portugal das Licht der Welt erblickt, saugt man nicht nur die kreolische Sprache, sondern auch die Klänge der Vorfahren mit der Muttermilch ein. Und es ist erstaunlich, was die Kapverden alles an musikalischem Reichtum zu bieten haben. Fast jede Insel hat ihren eigenen Stil kreiert, beeinflusst von musikalischen Elementen, die die Seeleute aus aller Herren Länder in die Hafenstädte mitbrachten. Auf Santiago dominieren Funaná und Tabanka mit westafrikanischer High-Life-Rhythmik, auf São Vicente die Samba-ähnliche Coladeira, das leichtfüßige, tanzlustige Gegenstück zur wehmütigen Morna von Boa Vistas Gestaden.
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AKTUELLE CD:
Kachupada
(Galileo Music, 2012)

Kachupada

Aus all diesen Elementen hat Carmen Souza ihren ganz eigenen Cachupa-Stil kreiert, dominiert von einer mehr als kräftigen Prise Jazz. „Der Jazz lebt von der Improvisation, und so kommen bei jedem Konzert unterschiedliche Emotionen zum Tragen – je nachdem, wie wir Musiker uns gerade fühlen“, sagt sie. „Das mag ich. Und natürlich ist da die Herausforderung, jeden Tag nicht nur anders, sondern dazu noch besser zu klingen.“ Und so begibt sich Carmen Souza mit einer beeindruckenden stimmlichen Bandbreite auf Vokalreise durch Cachupa-Gefilde; sie schmeichelt, seufzt, flüstert und scattet die Oktaven rauf und wieder runter und hat sichtlich Spaß dabei. Zwischen all den Jazzlinien schlängeln sich immer wieder die afrikanischen Wurzen hervor, allerdings mit einigen Abstrichen, wie die Musikerin erklärt.
» Je mehr
man studiert,
desto mehr
will man
entdecken. «
„Wir Kinder kapverdischer Eltern, die in Portugal geboren wurden, haben einfach einen anderen kulturellen Hintergrund. Jeder trägt ein Stück der Inseln in sich, das ist unsere Identität, aber wir haben natürlich auch andere Einflüsse und Lebenserfahrungen aus der neuen Heimat mitbekommen.“

Souza hat ihrer Musik einen derartig persönlichen Stempel aufgedrückt, dass Landsleute gar von einem neuen Stil reden. Das freut die 31-Jährige, zumal sie auch bei ihren Auftritten in Afrika gut ankommt. „Puristische Anhänger kapverdischer Melodien können mit mir nichts anfangen“, schmunzelt sie, „aber die Aufgeschlossenen erkennen den Swing der Inseln wieder und identifizieren sich damit.“

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Update vom
27.12.2012
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