URNA CHAHAR-TUGCHI 2008 * FOTO: KERSTIN STELTER

Stimmwunder aus
der Inneren Mongolei

URNA
CHAHAR-TUGCHI
Leise leicht und
leidenschaftlich laut

»ZU HAUSE HABEN WIR
EIN MEER VON LIEDERN.«
Urna kommt im langen, azurblauen Abendkleid auf die Bühne, lächelt ins Publikum, weist auf ihre Musiker-Kollegen des Klezmer-Trios Kroke, verbeugt sich tief – und geht erst mal zu ihrer Thermoskanne, um sich einen Tee einzuschenken. Dann ergreift sie das Mikrofon und erzählt, dass sie eine Kehlkopfentzündung habe und in den letzten drei Tagen so viele Tabletten einnehmen musste wie noch nie in ihrem Leben. Es folgt ein gut anderthalbstündiges Konzert plus Zugabe, das Urna, anfangs mit eingeschränkter Kraft und später mit fast vollem Einsatz virtuos bestreitet, unterstützt v on Tomasz Kukurba, Tomasz Lato und Jerzy Bawol virtuos bestreitet. Dabei scheint die Musik der vier Künstler wie füreinander bestimmt. Leicht, unangestrengt und mit sichtlich viel Freude verbinden sie ihre unterschiedlichen musikalischen Wurzeln zu einem klanglichen Gesamtkunstwerk, das die Zuhörer in der ausverkauften Berliner Passionskirche begeistert mit Standing Ovations quittieren, bis das Licht angeht: Urna live ist selbst bei nicht hundertprozentiger Leistungsfähigkeit ein berührendes Erlebnis.

TEXT: SABINE FROESE

Allerdings erlaubte ihre Erkrankung ihr nicht, bei dem Berliner Konzert die ganze Bandbreite ihrer außergewöhnlichen Vier-Oktaven-Stimme auszuschöpfen, die in allen Tonlagen von einer gleichbleibenden, durchdringenden Intensität ist. Teils schnelle Wechsel der Klangfarben zeichnen ihren Gesang aus, dabei haucht sie die Töne manchmal nur und vermittelt den Eindruck von Zartheit und Zerbrechlichkeit, um alsbald die
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Tal Nutag
(Klangräume, 1995)
Crossing
(Klangräume, 1996)
Hödööd
(Oriente, 1999)
Jamar
(Trees Music & Art, 2001)
Amilal
(Trees Music & Art, 2004)
Urna Portrait
(Network Medien, 2012)

Urna Portrait

ganze Wucht ihrer Stimmkraft einzusetzen. Ihr Facettenreichtum reicht von Sprechgesängen bis zu sphärischen Tönen, die übersinnlich-spirituell klingen, wobei Urna selbst immer ganz geerdet und authentisch wirkt und durch Charisma und warmherzige Freundlichkeit besticht. Ein Kritiker bezeichnete ihre poetische Stimme einmal treffend als „so vielfältig wie ein kleines Orchester“. Sie selbst erlebt ihre Auftritte wie eine Katharsis: „Ich interpretiere meine Songs mit meiner ganzen Energie, mit der Vielfalt meiner Lebenserfahrung, deshalb fühle ich mich nach einem Auftritt wie wiedergeboren.“

Urna stammt aus einer Hirtenfamilie aus dem Ordos-Distrikt, einem Hochplateau im Südwesten der Inneren Mongolei, und wuchs mit Schafen, Pferden und Kühen, umgeben von Sanddünen, mannshohem Gras, einer scheinbar endlos weiten Steppe – und den Liedern ihrer Region auf. Sie lernte Hunderte Songs von ihrer Großmutter und ihren Eltern. „Zu Hause haben wir ein Meer von Liedern, unzählig viele, und dort gibt es niemanden, der unsere Musik nicht kennt“, erzählt sie und erinnert sich, wie sie einmal mit ihrer Großmutter, einer leidenschaftlichen Sängerin, an einem herrlichen, sonnigen Tag in der Steppe sitzt: „Sie machte einfach die Augen zu und begann zu singen. Ich schaute kurz zu ihr rüber, schloss dann auch meine Augen und spürte plötzlich die Landschaft, die ganze Natur um uns herum – wunderschön.“

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Update vom
28.12.2012
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