GASTSPIEL

Über völkerverbindende Musik und anderen Kulturkram

Sechs streitbare Ausflüge mit dem Buchstaben „K“

VON RAINER PRÜSS*

RAINER PRÜSS 2012

Kein Spruch, keine Weisheit ist so verbreitet, wie die über die Völker verbindende Wirkung von Musik. Sie gehört zu den offensichtlichen, oder besser gesagt, offen hörbaren Grundweisheiten jedweder abendländischer Bildung. Dass sie „verbindet“, steht außer Frage. Die Feststellung gilt als trivial. Jeder weiß es. Es bedarf keiner Beweise. Sie ist deshalb rhetorisch als sozialer Abgleich in der einen oder anderen Variante Teil des Abspulprogramms jeder Rede aus Anlass jedweden Kulturereignisses.
Autoreninfo:

*RANIER PRÜSS, 1945 in Dithmarschen geboren, Diplom-Designer, Berater für Unternehmenskommunikation und strategische Unternehmensentwicklung mit Agentur in Flensburg, Rock-/Jazz-/Folkmusiker, internationale Tourneen und Konzerte, 1980 bis 1986 Mitglied von Liederjan, „Deutscher Kleinkunstpreis“, Beirat Folker, Teilnehmer „Magic Concertina“ in Rudolstadt 2012
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Ob Musik tatsächlich verständlich ist, ob sie im Sinne einer musikalischen Völkerverständigung zwischen einem mongolischen Obertonsänger und einem Gelsenkirchener Schalke-Fan „Brücken baut“, das bliebe allerdings zu erforschen. Wenige Volkskundler oder Soziologen haben sich diesem Thema zugewandt. Kaum einer hat im tiefsten Kirgisien bei einer alten Teppichknüpferin das musikalische Verständnis für linksrheinische Karnevalsgesänge oder den Radetzky-Marsch untersucht. Der durchschnittliche Schalke-Fan (Westkurve) hat jedenfalls schon mit neuerer estnischer Chormusik seine Probleme, von den traditionellen Vierteltongesängen bulgarischer Frauen ganz abgesehen. Da reicht ja schon „türkisches Gedudel“, um möglicher Verständigung ein Ende zu bereiten. Finnisches Joiken oder das Fideln eines anatolischen Ziegenhirten führt in der Regel nach weniger als einer Minute zu Kopfschütteln, nicht selten zu offener Aggression. Dass so jemand „ein Rad ab hat“, zählt noch zu den harmloseren Kommentaren. Also: Dass Musik „Brücken baut“ steht sehr wohl in Frage, aber keiner will es zur Kenntnis nehmen.

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24.10.2012
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