5 Minuten mit...

Ernst Molden

Szenepoet im Grenzgebiet

ERNST MOLDEN 2012 * Foto: Magdalena Blaszczuk
Manchmal ist es eine nette Übung, den Interviewpartner den Ort der Begegnung wählen zu lassen. Wenn es nicht ein internationaler Gast ist, der die Hotellounge favorisiert, kann diese Wahl, ob Privatwohnung, Badeschiff oder Café, so charakteristisch sein wie ein Fingerabdruck. Ernst Molden etwa, Poet und Liedermacher aus Wien, hat in die Gelsenbar geladen, die, so beschreibt er den Anfahrtsweg, „direkt in der Nähe vom Lusthaus liegt.“ O la la!

TEXT: HARALD JUSTIN

AKTUELLE CD:
A so a scheena Dog
(Monkey, 2012)

A so a scheena Dog

ERNST MOLDEN UNTERWEGS:
01.09.2012 München / lustspielhaus molden & soyka
03.09.2012 Wien / stadtsaalmolden / resetarits / soyka / wirth
10.09.2012 Wien / theater am spittelbergmolden / resetarits / soyka / wirth
27.09.2012 Wien / schutzhaus zur zukunft ernst molden und band feat. willi resetarits
29.10.2012 100 Jahre Woody Guthrie
mit Hans Theessink, Willi Resetarits, Ernst Molden u.v.a.
30.10.2012 100 Jahre Woody Guthrie
mit Hans Theessink, Willi Resetarits, Ernst Molden u.v.a.

go! www.ernstmolden.at
go! www.monkeymusic.at
go! www.wiener-metropol.at
„Ich habe mir im Wald eine ruhige Stelle zum Spielen gesucht!“

Wer den 1967 geborenen Ernst Molden nur vom Hörensagen kennt, mag bei dieser Wahl daran denken, dass es von ihm heißt, er sei in jugendlichen Jahren ein „Dandy“ gewesen und habe „einen kurzen Spazierstock mit Silberknauf getragen und bei den Huren im Hotel Orient gewohnt und dort auch Dichterabende abgehalten“, so wie es der Journalist Robert Rotifer gehört hat. Wien-Kenner wissen allerdings, dass das Lusthaus am Ende der Prater-Allee steht und ein zweigeschossiger, einst kaiserlicher Pavillonbau ist, in dem nichts Sittenwidriges Platz hat, und dass die Gelsenbar ein ebenerdiges Häuschen mit Gartenbewirtung ist. Die Stühle sind aus verblichenem Plastik, die Tische wacklig und kunterbunt zusammengesucht. Alles ist marode, die Bedienung kommt aus Asien und ist erfolglos sprachbemüht, gegessen wird, was da ist und nicht, was auf der Tafel geschrieben steht. Wildwuchs im Garten und drumherum – hier verwischt sich die Grenze zwischen Stadt und Land. Ein paar Meter geradeaus beginnt der Wald, links wiehern Pferde in alten Stallungen, rostige Schilder zeigen einen heruntergekommenen Golfplatz an. Die besseren Zeiten sind vorbei und werden hier nie wieder kommen. Wenn sich in der Gelsenbar jemand betrinkt, dann höchstens Gelsen (Mücken) am Menschenblut, aber selbst die sind so schlapp, dass sie sich mühelos in den Freitod pusten lassen. „Ich liebe diesen Ort, dieses Verfallsgebiet, dieses Grenzgebiet zwischen Zerfall und Ordnung, einstiger Größe und der Rückkehr der Natur.“ Molden trägt einen Strohhut auf dem Kopf und eine Gitarre in der Hand. „Ich habe mir im Wald eine ruhige Stelle zum Spielen gesucht!“

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Update vom
23.08.2012
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Dieser Text ist nur ein Auszug des Original-Artikels der Print-Ausgabe!

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