Rezensionen EUROPA


ALLDRA
Domm

(Frisin Rekkords 11001, go! www.alldra.com )
12 Tracks, 37:16

Der Dialekt in Dornbirn, Österreich, ist so fremdartig, dass selbst die Verschriftlichung der Texte im Booklet keine Hilfe zum Verständnis ist. Die vier Herren, die Alldra ausmachen, und ihre Gäste kümmert das anscheinend wenig. Denn sie machen eine Musik, die auf E-Gitarren, Balalaika, Orgel, Harmonium, Akkordeon, Bass, Schlagzeug, Dobro, Cajon und den Rechner setzt, also weniger regional und statt dessen international und modern ausgerichtet ist. Unterlegt von allseits dominierenden Akkordeonklängen geht es, musikalisch größtenteils befreit von Heimatklängen, munter in Richtung Rockpop-Chanson. Und weil es Leute gibt, die sich Musik aus Norwegen, Spanien, Mali oder England anhören, ohne die jeweilige Landessprachen zu verstehen, gilt für diese Musik aus Dornbirn, die zudem von Zikadenklängen unterstützt wird: Daumen hoch!

Harald Justin

 

ALLDRA – Domm


AMSTERDAM KLEZMER BAND
Mokum

(Essay Recordings AY CD 10/Indigo, go! www.amsterdamklezmerband.com )
Promo-CD, 16 Tracks, 69:57

1996 sammelte Job Chajes (voc, sax) eine Handvoll engagierter Musiker um sich, die – allesamt bereits auf den Gebieten Klezmer und Balkan erfahren – schließlich als Septett die Amsterdam Klezmer Band bildeten. Nach fünfzehn Jahren – für manche Promotionsbegierige Anlass zu einem Jubiläum – sollte das eintausendste Konzert der Gruppe stattfinden, ein weiterer Beweggrund der Mitglieder, neben Job Chajes noch Jasper de Beer (bass, banjo), Alec Kopyt (voc, perc), Gijs Levelt (tr), Joop van der Linden (tromb, perc), Janfie van Strien (cl) sowie Theo van Tol (acc), sich im letzten Januar für ihr siebtes Album zusammenzufinden. Sammelpunkt sollte das renommierte Studio 150 in Amsterdam sein. Aus dem Live-Konzert vor ausgewähltem Publikum wurden 70 Minuten zu einem Album zusammengestellt, das den Titel Mokum erhielt. Dieses Wort lehnt sich an das hebräische „Makom“ an (Ort, Platz), gleichzeitig gilt der Ausdruck auch als Spitzname für die Innenstadt Amsterdams. Mit fulminantem Tempo vorgetragene Musik wie in „Di Naie Gruppe“ bis zum „Chassid in Amsterdam“ beweist die Amsterdam Klezmer Band, dass der Preis der deutschen Schallplattenkritik 2011 für das Vorgängeralbum Katla kein Zufall war. Absolut hörenswert!

Matti Goldschmidt

 

AMSTERDAM KLEZMER BAND – Mokum


AT FIRST LIGHT
Idir

(At First Light AFLCD201101; go! www.atfirstlight.net )
10 Tracks, 47:03, mit Infos

Synchronizität unter den Melodiespielern in der irischen Musik kennt im neuen Millenium Maße, die wir vorher nicht gehört haben. Auf höchstem Standard modernen irischen Ensemblespiels bewegt sich John McSherry mit At First Light. Mit Uilleann Piper Francis McIllduff hat er ein so verblüffendes, kraftvolles Note-für-Note Zusammenspiel entwickelt, dass man die beiden Pipes streckenweise kaum unterscheiden kann. Donal O’Connor – Sohn des renommierten Gerry O’Connor – bringt kongeniales Fiddle-Spiel mit ein, das glatt und eingepasst ist, aber doch genug Kante hat, um als eigenständiges Instrument wahrgenommen zu werden. Den Dreien steht mit Paul McSherry, Ruben Bada und Michael McCague virtuose Begleitung zur Seite und für weitere Veredelung sorgt die charmante und eindringliche Stimme Ciara McCrickards. Die Pipes-Duette schlängeln sich, sehr „dünn“ gemischt, hyper-elegant durch teilweise lyrisch, oft aber sehr rasant gespielte Sets – mit einer Präzision, die es in dieser Form in der heutigen irischen Musik nicht noch einmal gibt! Besonders erwähnenswert: das asturische Tune „El Garrotin“. Manchem vielleicht sogar zu perfekt, ist hier phantastische, überirdisch gespielte Musik zu hören!

Johannes Schiefner

 

AT FIRST LIGHT – Idir


BENJAMIN BIOLAY
Best Of Benjamin Biolay

(EMI France/Capitol Records Germany 7299722/EMI, go! www.benjaminbiolay.com )
19 Tracks, 77:01

Ein Best-of-Album enthält für Kenner des jeweiligen Œuvres nie die wirklich besten Stücke. Nach Meinung dieses Rezensenten müsste auf Best Of Benjamin Biolay etwa unbedingt „Little Darlin’“ vom Album Negatif von 2003 dabei sein, diese unwiderstehliche Verschmelzung eines gesampelten Carter-Family-Klassikers mit prototypischem Biolay-Geraune samt großem Orchester. Doch einen repräsentativen Querschnitt bietet diese üppige Zusammenstellung zweifellos. Und sie ist keine Mogelpackung, trotz Biolays Wechsel von der EMI zu Naïve go! www.naive.fr vor drei Jahren wurden Lieder von sämtlichen Alben aufgenommen, wobei der Schwerpunkt auf den beiden ersten und erfolgreichsten liegt. Wem die zentrale Figur des Nouvelle Chanson bislang fremd war, der lernt hier alle Facetten kennen: den tüftlerischen Perfektionisten, der sich seinen Breitwandklang mit einer Fülle von analogen Instrumenten und elektronischen Effekten zusammen baut; den Melancholiker, der sich ohne irgendwelche Hemmungen in großen Emotionen suhlt; den Autor, der mit einem Konzeptalbum über die Kennedys startete; und den zurückhaltenden Sänger, dem man die Gainsbourg-Schule in jeder Zeile anhört – oder wäre Sprecher das richtigere Wort?

Gunnar Geller

 

BENJAMIN BIOLAY – Best Of Benjamin Biolay


PATRICK BOUFFARD EN TRIO
Force Mineur

(Buda Musique 860203, go! www.myspace.com/patrickbouffard )
14 Tracks, 61:38, mit franz. Texten

Den Namensgeber des Trios muss man nicht mehr vorstellen – ein Drehleierspieler der Extraklasse, innovativ und doch der Tradition verpflichtet. Für Force Mineur hat er sich mit dem Akkordeonisten Raphaël Maurel und dem Dudelsackspieler Rémy Villeneuve zusammengetan – dazu gesellt sich für vier Lieder als Gast Sängerin Violaine Jourdren. Bisweilen bereichern noch Frédéric Paris (Klarinette, Cister) und Olivier Sulpice (Banjo, Mandoline) die launigen, fein abgestimmten Arrangements. Bouffards Leier dominiert keineswegs – die drei Hauptinstrumente begegnen sich auf Augenhöhe, durchweg in dynamischem Wechselspiel. Die ausgewählten Stücke sind an sich sehr unterschiedlich, passen aber gut zusammen. Bei den Instrumentalstücken werden öfter traditionelle Bourées und Märsche mit Eigen- beziehungsweise Fremdkompositionen kombiniert, dabei fällt die beschwingte Version des Jigs „Hunt The Squirrel“ natürlich heraus. Neues Leben wird auch Serge Gainsbourgs Chanson-Klassiker „La Javanaise“ eingehaucht. Überhaupt berühren die Lieder mit Violaine Jourdrens einfühlsamen Gesang, etwa „Le Plus Bel Âge“ des bretonischen Musikers Melaine Favennec, oder das traditionelle Seefrauenlied „La Batelière“.

Roland Schmitt

 

PATRICK BOUFFARD EN TRIO – Force Mineur


CALAN
Jonah

(Sain SCD2657, go! www.calan-band.com )
14 Tracks, 54:43, mit einigen engl. Texten

Zweites Album des jugendlichen Aushängeschildes der walisischen Folkszene. Speziell die drei Damen sehen aus wie ihre Altersgenossinnen Samstagabend vor dem Club – außer wenn es an die Instrumente geht: Der weibliche Calan-Teil weiß sehr wohl, wie Fiddle, Akkordeon und Harfe kompetent zu bedienen sind. Und die beiden Herren mit Gitarre, Fiddle und Bagpipes stehen dahinter nicht zurück – instrumentell ist das Quintett daher besonders kraftvoll und überzeugend. Dafür sorgt zusätzlich die musikalische Erfahrung des Produzenten, Maartin Allcock, von 1985 bis 1996 bei Fairport Convention, der unter anderem noch Bass und Schlagzeug hinzumischt. Die Songs, zwei in Englisch, drei in Walisisch zeigen eine kommerzielle Seite, die nicht zuletzt von Huw Williams geprägt wird, einem walisischen Liederschreiber, der Band familiär verbunden ist; speziell der Titelsong hat diesbezüglich das Zeug zu Höherem. Als Bonustracks gibt es zwei akustische Live-Versionen bereits in Studioversionen auf dem Album enthaltener Tunes, die zeigen, dass Calan auch live und ohne Unterstützung mehr als bestehen können – Jonah zeigt eine junge Band in einem erfreulichen Reifungsprozess.

Mike Kamp

 

CALAN – Jonah


ELIN FURUBOTN
Heilt Nye Vei

(Ozella Music OZ 039 CD/Galileo MC, go! www.elinfurubotn.com )
13 Tracks, 50:51, mit engl./norw. Texten

Der Auftakt macht bange, jedenfalls Leute mit einer Phobie gegen die norwegische Manie, alles mit einem möglichst ähnlich klingenden Saxofonklang beginnen zu lassen. Immerhin, es ist der Virtuose Karl Seglem, der hier ins Horn stößt – und es geht nicht so weiter, wie auf geschätzten 99 Prozent aller norwegischen Alben unserer Zeit. Elin Furubotn, die alle Stücke selbst geschrieben hat, singt auf Norwegisch und zwei Lieder auf Englisch. Sie stammt aus Sirdalen in Südnorwegen und die dortige Gesangstradition fließt in ihr Schaffen ein, in dem sich allerdings auch Jazzelemente und internationaler Songwriterstil geltend machen. Selbst Reggae-Einflüsse hören wir heraus, wie in „Slipp Tvilen Fri“ – „Gib dem Zweifel eine Chance“ – was für ein wunderbares Motto! Immer dominiert ihre klare Gesangsstimme, die Begleitmusiker – neben Karl Seglem unter anderem der Gitarrist Morten Mølster – halten sich angenehm zurück und liefern die passende Begleitung, so dass alles eine wunderbare Einheit ergibt. Dieses Album, Elin Furubotns fünftes, soll ihr den Einstieg in eine internationale Karriere ermöglichen – und dass dies klappt, ist der Sängerin unbedingt zu wünschen.

Gabriele Haefs

 

ELIN FURUBOTN – Heilt Nye Vei


PETER HORTON
Personalissimo

(Inakustik Inak 9105CD/In-akustik, go! www.peter-horton.de )
13 Tracks, 50:53, mit dt. Texten und Infos

Der Black, Reinhard Mey und Hannes Wader werden in diesem Jahr siebzig, ihr österreichischer Liedermacherkollege, der Sänger, Gitarrist, Komponist und Buchautor Peter Horton ist es schon letzte Jahr geworden. Seine Musik kommt reif und entspannt daher, manch einer der Texte des früheren Duopartners von Sigi Schwab vermittelt gar so etwas wie Lebensweisheit, aber gleichzeitig klingt sein neues, sehr jazziges Album auch unverbraucht, durchaus frisch und originell. Personalissimo präsentiert fast ausschließlich Peter Hortons Stimme und sein ungewöhnliches Instrument, nämlich eine exklusiv für ihn gebaute Avalon-Paradis-Gitarre, deren Besonderheit eine zusätzliche elektronische Bassfunktion ist. Das Album enthält neben vielen Originalkompositionen auch ein paar von Hortons alten, bewährten Hits in Neubearbeitungen wie zum Beispiel „Wenn du nichts hast als die Liebe“ oder „Solang du in dir selber nicht zuhause bist“. Personalissimo ermöglicht es Neueinsteigern, einen großartigen Liedermacher kennen zu lernen und erfahrenen Kennern der Liederszene, eine recht eigenwillige, rein akustische Seite des ehemaligen Wiener Sängerknaben zu genießen.

Kai Engelke

 

PETER HORTON – Personalissimo


PASCAL LAMOUR
La Chant De La Mandragore

(BNC Production/Coop Breizh DB 12X2, go! www.pascallamour.com )
18 Tracks, 70:26, illustriertes Buch mit frz. Texten

Das ist Multimedia alter Schule. Das neue Album von Pascal Lamour, dem bretonischen Elektro-Schamanen, kommt im Paket mit einem 48-seitigen Comic-Buch. Oder genauer: Zuerst gab es den Comic A La Recherche De La Mandragore, dann hat Lamour noch die Musik dazu geschaffen. Es geht um die Initiation einer jungen Druidin, die die geheimnisvolle Alraune – Französisch: Mandragore – suchen muss; eine Pflanze, die früher oft als Ritual- und Zauberpflanze angesehen wurde. Der Fantasy-Comic ist liebevoll und genretypisch gezeichnet von Brucero. Bei der musikalischen Umsetzung wirken neben Multiinstrumentalist Lamour (Gitarre, Keyboard, Dudelsack, Bombarde, Computer-Beats) viele Größen der bretonischen Szene mit wie Gilles Servat, Myrdhin und Louise Ebrel. Leider ist das Album über weite Strecken lahm und langatmig geraten. Nur hin und wieder lässt Lamour seine große Fähigkeit aufblitzen, traditionelle bretonische Musik mit elektronischen Beats und akustischen Instrumenten funky und clubtauglich zu machen.

Christian Rath

 

PASCAL LAMOUR – La Chant De La Mandragore


LITHA
Dancing Of The Light

(Artes Records ARCD30453/Rough Trade Distribution, go! www.litha-music.com )
14 Tracks, 65:46, mit dt. und engl. Infos

Litha ist die angelsächsische Bezeichnung für das Fest und den Monat der Sommersonnenwende – und der neue Name des gemeinsamen Projekts der Duos Deitsch (Gudrun Walther & Jürgen Treyz) und Secret Orders (Claire Mann & Aaron Jones), die somit nun eine Band sind. Wie schon unter ihrem alten Namen 2Duos präsentieren sie auf diesem ihrem zweiten Album eine Mischung aus deutschen und schottischen, nebst irischen und englischen Liedern und Instrumentals, wobei die Instrumentbegleitung der deutschen Lieder sehr inselkeltisch gefärbt ist. Ob bei Balladen und Liebesliedern oder Reels und Zwiefachen, die Vier zeigen wieder, wie verwandt und unterschiedlich zugleich die verschiedenen Musiktraditionen sind und wie vielfältig sie klingen können, wenn sich passionierte Profis ihrer annehmen. Die Gesangspartien werden vor allem von Gudrun Walthers und Aaron Jones' Stimmen kontrastreich geprägt, während auf den Instrumenten Gitarre, Dobro, Bouzouki, Gizouki, Fiddle, Diatonisches Akkordeon, Flute und Whistle alle vier gleichermaßen brillieren und von Anfang bis Ende einen vollen, mitreißenden Klang bieten. Das Album ist eine gleichrangige Fortsetzung des ersten und den Freunden der Musik aller Beteiligten zu empfehlen.

Michael A. Schmiedel

 

LITHA – Dancing Of The Light


LA MAL COIFFÉE
Ou! Los Òmes!

(Sirventés 21166013/L’Autre Distribution, go! www.myspace.com/lamalcoiffee )
12 Tracks, 45:34, mit occitan. und franz. Texten und Infos

Frisch, frech und völlig ungeschönt, selbstbewusst und mit einer gesunden Portion National- oder besser Regionalstolz behaupten sich La Mal Coiffée mühelos gegen die weibliche A-cappella-Konkurrenz. Frei nach dem Motto „Gute Mädchen kommen in den Himmel, die anderen überall hin“ führte bereits das zweite Album, A L’Agacha (2009) die fünf Sängerinnen aus dem Languedoc bei mehr als 200 Konzerten quer durchs Land und brachte ihnen hervorragende Kritiken ein. Sie bleiben bei der im vergangenen Herbst veröffentlichten dritten Produktion sowohl ihrer Verbundenheit zur occidentalen Sprache treu als auch dem musikalischen Grundgestus. Unisono geführte Stimmen wechseln mit clever gesetzter Mehrstimmigkeit und dabei überraschenden polyphonen Elementen, die oft im Dienst kraftvoller spannender Rhythmik stehen, teilweise mit Übergängen zu Mouth Music. Perkussive Instrumente werden sparsam, aber sehr wirkungsvoll eingesetzt und transparent abgemischt. Auffallend sind neben den reizvollen ungewohnten Details in Melodieführung und Harmonik vor allem die ausgesprochen schönen Anfänge und Schlüsse der einzelnen Titel. Phantastisch lebendige Musik!

Cathrin Alisch

 

LA MAL COIFFÉE – Ou! Los Òmes!


MY DARLING CLEMENTINE
How Do You Plead?

(Drumfire Records DRMFR006/Cargo Records, go! www.facebook.com/mydarlingclementine.music , go! www.michaelwestonking.com )
13 Tracks, 51:22, mit engl. Texten und Infos

Glücklich die Paare, die nicht nur den Alltag teilen! Lou Dalglish und ihren Gatten Michael Weston King eint offenbar auch die Liebe zur Country Music – in England, der Heimat der beiden, sicher nicht die Regel, weswegen My Darling Clementine, womit sie aus dem gemeinsamen Faible nun ein Dutzend Duett-Funken schlagen, verständlicherweise denn auch nicht einer gewissen Ambivalenz der Haltung entbehrt. Das beginnt bei der Aufmachung des Albums mit einer Porträtserie des Paars auf der Wartebank des Standesamts – oder, siehe Albumtitel, des Scheidungsgerichts? Gegen letzteres sprechen Rosen und die Braut in Weiß. Oder sind es die Blumen aus „I Bought Some Roses“, wo der Titel den Zusatz bekommt: „They’re not for you“? How Do You Plead? hält sicher die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Ironie, eine Mischung, wie sie im Country, bei aller Liebe, für aufgeklärte Zeitgenossen ja auch gar nicht anders möglich ist. Cracks wie Martin Belmont und Geraint Watkins kleiden die lakonische Melancholie in souveräne, fast majestätische Gelassenheit. Und auf dem Booklet zieht Töchterchen Mabel eine Schnute dazu – das handfesteste Ergebnis all der Gemeinsamkeiten, die dieses Album hervorgebracht haben.

Christian Beck

 

MY DARLING CLEMENTINE – How Do You Plead?


RADIO RUMELI
Balkan Stories

(Galileo Music GMV041/Galileo MC, go! www.radiorumeli.de )
12 Tracks, 54:41

Radio Rumeli stellt mit erfrischender Leichtigkeit eine Fusion zwischen balkanischen und orientalischen Traditionen und der Jetztzeit her. Der Bandname meint also weniger das Repertoire des Ensembles – Rumeli wird der europäische Teil der Türkei genannt, der Begriff bezeichnet die Nahtstelle zwischen Orient und Okzident, zwischen Ost und West, zwischen Tradition und Moderne. Das tschechisch-türkisch-deutsche Quartett klingt mit Geige, Klarinette, Percussion und dezenten Keyboardharmonien sowie drei Gastmusikern keineswegs spektakulär – ohne jene solistische Akrobatik, wie sie von vielen Balkan-Orient-Bands aus der Scholle gebrochen wird. Statt dessen kommt Radio Rumeli überraschend entspannt daher und wirkt erfrischend souverän für eine erst zwei Jahre alte Band. Lieder und Instrumentaltitel wechseln sich ab, in den wechselnden Stilistiken schimmern ungarische, makedonische, albanische, türkische und bulgarische sowie armenische Wurzeln durch. Das Album klingt wie ein Club-Konzert und stellt damit eine Intimität her, die der Musik angemessen ist.

Birger Gesthuisen

 

RADIO RUMELI – Balkan Stories


EMILY SMITH & JAMIE MCCLENNAN
Adoon Winding Nith

(White Fall Records WFRCD003, go! www.emilysmith.org , go! www.jamiemcclennan.com )
11 Tracks, 42:54, mit engl. Texten und Infos

JAMIE McCLENNAN
In Transit

(White Fall Records WFRCD002, go! www.jamiemcclennan.com )
12 Tracks, 54:25

Mit ihrer im doppelten Sinne ausgezeichneten Stimme kann Emily Smith eigentlich nichts falsch machen. Wenn sie dann noch die Songs ihres „Nachbarn“ in Dumfriesshire, Robert Burns, interpretiert, dann ist das zwar nicht neu, aber es klingt sehr erfreulich. Smith und Jamie McClennan teilen sich auf Adoon Winding Nith alle Instrumente mit Ausnahme des Double Bass von Duncan Lyall. Im eigenen Studio aufgenommen und produziert muss Ehemann McClennan ob der Stimme seiner Gattin naturgemäß einen Schritt zurücktreten. Daher ist es nur gerecht, wenn er zusätzlich ein durchgehend selbst geschriebenes, selbst produziertes und dicht arrangiertes Instrumental-Soloalbum vorlegen darf. Bei den Tunes von In Transit beweist er vor allem sein Können als Fiddler, erneut unterstützt von Bassist Lyall und fünf weiteren Kollegen mit Whistle, Gitarren, Mandoline und Schlagzeug, und einmal hilft auch die Ehefrau mit dem Piano aus. Auch dieses Album ist sehr geschmackvoll und empfehlenswert.

Mike Kamp

 

EMILY SMITH & JAMIE MCCLENNAN – Adoon Winding Nith

JAMIE McCLENNAN – In Transit


CARMEN SOUZA DUO FEAT. THEO PAS’CAL
London Acoustic Set

(Galileo Music GMCD046/Galileo MC, go! www.carmensouza.com )
12 Tracks, 59:38, mit Infos

Wer Kapverden hört, denkt an Mornas und Cesária Évora. Bei der kapverdischstämmigen Carmen Souza, einer der polyglotten, jungen Sängerinnen, die mit gleichem Effekt Französisch, Englisch, Kreolisch oder Portugiesisch singen, sollte man besser an Ella Fitzgerald, die Königin des Scat-Gesangs, denken. Kamen auf Souzas Studioalben die Rhythmen und Melodien der Heimat ihrer Eltern neben dem Jazz noch stärker zum Tragen, so zeigt die vorliegende Live-Auswahl sie ausschließlich von ihrer jazzigen, experimentellen Seite. Sie zerdehnt und zerhackt die Silben nach Belieben, keucht und krächzt, spielt dazu die akustische Gitarre ebenso minimal wie sie singt – immer rhythmisch, und immer im Dienste der Stimme. Theo Pas’cal, ihr musikalischer Partner, spielt abwechselnd Bass und Percussion. Das hört sich nicht immer einfach an, fasziniert aber trotzdem, gerade weil die Stücke bis auf die Knochen abgemagert, auf ihre Essenz zurückgestutzt werden. Einer der Höhepunkte des Albums ist mit „Sous Le Ciel De Paris“ von Edith Piaf eines der wenigen nicht von Theo Pas’cal und Carmen Souza geschriebenen Stücke des Albums. Der Spatz von Paris hätte sicher Freude an dieser rauen Fassung des Liedes gehabt.

Martin Steiner

 

CARMEN SOUZA DUO FEAT. THEO PAS’CAL – London Acoustic Set


VALKYRIEN ALLSTARS
Ingen Hverdag

(Heilo HCD7220/Grappa/Galileo MC, go! www.valkyrienallstars.com )
11 Tracks, 37:02, mit allen Liedtexten und norw. Info

Das Trio begann seine steile Karriere 2005 im Osloer Club Valkyrien. Es folgten viele Konzerte und mehrere Preise, wie 2010 der Preis der Deutschen Schallplattenkritik für ihr Debütalbum von 2007. Weiter ging es mit To Måner und nun folgt ihr drittes Album Ingen Hverdag (Kein Alltag). Anders als bei ihren teils sehr heftigen Bühnenauftritten vor meist jüngerem Publikum, enthält dieses Album viele ruhiger arrangierte schöne Melodien mit besinnlichen Texten, beides meist aus der Feder von Tuva Livsdatter Syvertsen und Erik Sollid. Mit dem Dritten im Bunde, Ola Hilmen, spielen sie sich durch die Resonanzsaiten Hardanger-Fiedeln, die bestimmend für den Klang der Gruppe sind. Hier setzen sie diese intensiver als Geigen klingenden Instrumente außer beim Instrumentalstück „Frøyraken“ zugunsten ihrer Gastmusiker an Gitarre, Cello und Kontrabass etwas zurückhaltender ein. Dennoch bleibt es beim unvergleichlichen Klang der Gruppe. Ob man das Ergebnis Folk oder Pop nennen will – die norwegischen Wurzeln sind sowieso nicht zu überhören. Besonders berührend „ Himmel Og Hav“, mit warmer und weicher Stimme von Erik Sollid gesungen, und „ Jeg Tenker På Deg “ in gleicher Weise von Tuva Syvertsen.

Bernd Künzer

 

VALKYRIEN ALLSTARS – Ingen Hverdag

Update vom
03.03.2012
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