HEIMSPIEL



 

DAS UMWELTFREUNDLICHE FESTIVAL

Die 5. Geraer Songtage

Gutes Klima für gute Musik

Wenn Begeisterungsfähigkeit, Tatkraft und Fantasie, dazu noch eine gehörige Portion Mut, ersatzweise vielleicht auch ein wenig Verrücktheit, aufeinander treffen, dann stehen die Chancen durchaus gut, etwas ganz Besonderes auf die Beine zu stellen. Nahezu im Alleingang, lediglich unterstützt von einem soziokulturellen Verein im Hintergrund und mit Hilfe einiger mittelständischer Unternehmen der Region, organisieren und veranstalten Stefan Wenzel und Daniel Zein seit 2008 die Geraer Songtage, die in diesem Frühjahr bereits in die fünfte Runde gehen. Zielstrebig arbeiten die beiden Musikfanatiker daran, in der Kulturlandschaft Thüringens und Mitteldeutschlands ein Festival zu etablieren, das nicht nur jedes Jahr ein attraktives Programm zu bieten hat, sondern darüber hinaus ein gewisses Verantwortungsgefühl für umweltpolitische Erfordernisse erkennen lässt.

TEXT: KAI ENGELKE

go! www.songtage-gera.de
DIE SONGTAGE GERA finden vom 16.3.2012 bis zum 25.5.2012 statt.

Die Songtage in Gera sind bestrebt, ein klimafreundliches Festival zu sein. „Wir verwenden Werbemittel, die auf Umweltpapier in einer zertifizierten Druckerei in
STEFAN WENZEL UND DANIEL ZEIN 2011 * Foto: Björn Rank
Gera hergestellt werden. Die kurzen Lieferwege bedeuten einen geringeren CO2-Ausstoß“, sagt Stefan Wenzel. Die An- und Abfahrten zu den einzelnen Veranstaltungen, der gesamte Stromverbrauch, Herkunft von Getränken und Essen – all das wird bereits in der Planung auf Energieersparnis und CO2-Ausstoß hin analysiert. Hier kooperieren die Festivalmacher mit der Berliner Firma co2online.

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DEUTSCHLAND HAT DEN SUPER-CASTER

Albert Dietrich

Der „Vater der Münchner Straßenmusikanten“

Wer in Münchens Fußgängerzone musizieren will, braucht einen Dietrich, Albert Dietrich, der gut sechzigjährige Leiter der Stadt-Information im Münchner Rathaus. Er hat die Lizenzen zum Spielen. Seit zwölf Jahren vergeben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt-Information, in der es sprichwörtlich zugeht „wie am Stachus“, die begehrten amtlichen Genehmigungen. Von montags bis samstags ab neun Uhr an maximal zehn Straßenmusikanten oder Bands pro Tag. Zusätzlich werden täglich zwei Maler, drei Statuen (die sich nur bewegen, wenn ein Geldstück in ihrem Hut landet) und zwei Clowns zugelassen. Mehr ist auf den 1.600 laufenden Metern nicht drin, da zwischen jedem Künstler ein Abstand notwendig ist.

TEXT: KAY REINHARDT

go! www.muenchen.de/...
.../Stra-enkunst--musik.html

CASTER DIETRICH MIT KLEZMERON 2011 * Foto: Kay Reinhardt

DIE BAND „KLEZMERON“, deren Mitglieder aus der Ukraine stammen und in Nürnberg leben, hat Albert Dietrich mit ihrem Können und ihrem Auftreten überzeugt. Auf dem Münchner Marienplatz erfreuen sie die Passanten mit klassischer und Unterhaltungsmusik.

Die Nachfrage ist sehr groß. Rund 4.000 Künstler enthält die Kartei des Jahres 2011. „Angehört, werns den ganzn Tag“, sagt Albert Dietrich, aber an diesem Tag musizieren dürfen nur die ersten zehn für gut Befundenen. Im Sommer warten Künstler bereits ab fünf Uhr auf ihre Chance. Wer es in die Kartei geschafft hat, wird nicht erneut geprüft, muss sich aber immer wieder anstellen.

An allen Wochentagen castet Albert Dietrich, bei seiner Abwesenheit eine der Kolleginnen, für die Spielplätze zwischen Stachus, Marien- und Odeonsplatz. Wer die Tageslizenz, einen rosafarbenen Schein, in der Hand hat, darf, maximal an zwei Wochentagen und am Sonntag, entweder vormittags zwischen 11 und 14 Uhr oder von 15 bis 22 Uhr, an stündlich wechselnden Orten malen oder sich anderweitig zur Schau stellen. Die dafür erhobene Gebühr von zehn Euro füllt die klamme Kasse der „Weltstadt mit Herz“ jedes Jahr mit rund 20.000 Euro, die als Verwaltungsaufwand voll in den städtischen Haushalt einfließen. Dafür muss ein Straßenmusikant lange singen, selbst wenn er es in München auf bis zu 50 Euro pro Stunde bringen kann. Leider stehen die Mittel nicht zweckgebunden für Kulturarbeit zur Verfügung Unter den Kulturarbeitern in Münchens Öffentlichem Dienst ist Albert Dietrich sicher einer der wenigen, die ihre Gehälter zu einem großen Teil refinanzieren. Dafür sollte ihm OB Ude die „Ohrwaschln“ vergolden lassen.

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EIN FEST DER QUETSCHKOMMODE

Akkordeonale

Das tourende interkulturelle Akkordeonfestival

SERVAIS HAANEN 2011

Eine Festivaltour, die sich nicht an einem Musikstil, einer Musiktradition oder einer Herkunftsregion, sondern an einem Instrument orientiert – kann die funktionieren? Besucher des TFF Rudolstadt kennen die von Wolfgang Meyering initiierten Magieprojekte, bei denen in jedem Jahr Musikerinnen und Musiker zusammenkommen und demonstrieren, wie man ganz verschiedene musikalische Traditionen auf diversen Vertretern einer Instrumentenfamilie zu Gehör bringt. Dabei wird aber jedes Jahr ein anderes Instrument vorgestellt. Bei der Akkordeonale geht es immer nur um Akkordeons, abgesehen von wenigen Begleitinstrumenten, die fast jedes Jahr wechseln, mal Cello, Drehleier und Perkussion oder, wie 2012, Geige und Posaune.

TEXT: MICHAEL A. SCHMIEDEL

go! www.akkordeonale.de

DISKOGRAFIE:
Cataract
(Klangwelten Records, 2007)
Temporale
(Klangwelten Records, 2011)

AKKORDEONALE UNTERWEGS:
11.04.2012 Karlsruhe: Tollhaus – Kulturzentrum
12.04.2012 Reutlingen: Franz.K
13.04.2012 Laupheim: Schloss Großlaupheim
14.04.2012 Lörrach: Burghof Lörrach
15.04.2012 Offenburg: Reithalle
16.04.2012 Koblenz: Café Hahn
17.04.2012 Bonn: Harmonie Bonn
18.04.2012 Mainz: SWR Cultur
19.04.2012 Jena: Volkshaus Jena
20.04.2012 Dreieich: Bürgerhaus Sprendlingen
21.04.2012 Marburg: Kulturladen KFZ
22.04.2012 Pforzheim: Kulturhaus Osterfeld
23.04.2012 Neustadt: Schloss Landestrost
24.04.2012 Dresden: Dreikönigskirche Dresden
25.04.2012 Holzwickede: Haus Opherdicke
28.04.2012 Landau: Altes Kaufhaus Kulturzentrum e.V.
29.04.2012 Herdecke: Werner Richard Dörken Saal
02.05.2012 Fürth: Kulturforum
03.05.2012 Worms: Wormser
06.05.2012 Trier: Tuchfabrik – Tufa

Der Initiator, Arrangeur und Tourmanager der Akkordeonale ist Servais Haanen, niederländischer Akkordeonspieler, dem es dieses Instrument von Jugend an besonders angetan hat, seit er in einer Kneipe seiner Heimatstadt einem Akkordeonisten begegnete: „Wir haben an der Maas gewohnt und bei uns an der Ecke war eine Schiffer-Kneipe. Dort gab es einen Papagei, eine Madame mit turmhoch toupierten Haaren und einen Akkordeonisten. Als kleines Kind hat mich das sehr fasziniert, ich bin da öfters einfach reingegangen, bis mich meine Mutter an den Ohren wieder rausgezerrt hat“, weiß er zu erzählen. Seinen Eltern schien das Akkordeon kein seriöses Instrument zu sein, so dass Haanen zuerst den Umweg über Blockflöte, Mundharmonika, Klavier, diverse Blechblasinstrumente und schließlich die Gitarre nehmen musste, bis er letztere nach seinem Gitarrenexamen verkaufte und sich endlich dem Akkordeon widmen konnte.

Alternative zum langweiligen Quetschkommodenorchester

Das Akkordeon wurde im 19. Jahrhundert in Österreich erfunden, in Deutschland und Italien bald industriell hergestellt und von europäischen Emigranten in alle Winkel der Erde verbreitet. In der Folge entstand eine Vielzahl verschiedener Typen, chromatische und diatonische, Modelle mit Tasten und solche mit Knöpfen, Konzertinas und Bandoneons, Ausführungen mit nur einer Tonart und andere mit vielen, einige mit Halb- oder gar Vierteltönen und einige mehr. Und überall wurden und werden völlig unterschiedliche Musikstile darauf gespielt, je nach Musiktradition.

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FÜR PROFIS UND AMATEURE

Global Music Academy

Workshops, Studium und internationale Anbindung

Unter der Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission e. V. entsteht im Berliner Stadtteil Kreuzberg ein einzigartiges Projekt: die Global Music Academy. Als private Hochschule in Gründung und bereits mit einigen Angeboten am Start, will sie das Potenzial nicht-westlicher Musikkulturen erschließen, um neue und zeitgemäße Formen kosmopolitischer, urbaner Musik zu entwickeln. Dazu stützt sich das Projekt auf drei Schwerpunkte: den Global Music Campus, der die Akademie international an andere Institute und Musiker andockt, die Global Music Studies, die Studium und Forschung zu weltweiten Musikkulturen ermöglichen sollen, und die Global Music Boxx, die eine breite Palette an Kursen auch für Amateure aller Alterstufen bereit hält.

TEXT: SABINE FROESE

go! www.global-music-academy.net
ANDREAS FREUDENBERG 2007

Angefangen hat alles mit einem Schlusspunkt, als 2005 die Abteilung für Weltmusik an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler (HFM) aufgelöst wurde. Der südafrikanische Saxofonist, Komponist und Arrangeur William Ramsay, der diesen Bereich an der HFM aufgebaut und geleitet hatte, sprach darüber mit
DIETRICH WÖHRLIN 2007
Andreas Freudenberg, Mitinitiator des Berliner Karnevals der Kulturen, des Weltmusikpreises Creole und damals auch Leiter der Werkstatt der Kulturen. Daraus entwickelte sich der Plan, die entstehende Lücke durch ein wesentlich komplexeres Angebot zu schließen. Gemeinsam mit dem Musikpädagogen und Komponisten Dietrich Wöhrlin entwickelten die beiden in den folgenden Jahren Konzepte und Curricula, knüpften ein internationales Netzwerk, stellten Förderanträge und warben Mittel ein. Auch einen ersten Global Music Campus organisierte das Gründungsteam der Global Music Academy, die im Herbst 2011 offiziell eröffnet wurde und inzwischen Räumlichkeiten in einer alten
WILLIAM RAMSAY 2010
Grundschule am Marheinekeplatz bezogen hat.

Global Music Campus

Die Projekte des Global Music Campus, zeitlich begrenzt und mobil angelegt, haben zwei Kernelemente: Zum einen tragen die Musiker in den Partnerländern musikalisches Wissen zusammen, das dadurch erhalten bleibt, mit dem gearbeitet werden kann und das in die Lehrinhalte der Akademie einfließt. „Wir wollen, dass unsere Musik überall zu hören ist, dass sie gespielt und dokumentiert wird, nur so überlebt sie“ – diesen Satz haben Andreas Freudenberg und Willliam Ramsay auf ihren Recherchereisen immer wieder gehört. Deshalb bildet die Akademie zum anderen Musiker und angehende Musiklehrer vor Ort in Technik und Musiktheorie aus und vermittelt, wie Lehrmaterialen erstellt werden können.

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Update vom
13.02.2012
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