DUDUK * Foto: Armen Enikolopov (Wikipedia)      

Instrumente
der Welt

DUDUK
Das süße
Aprikosenholz

 
Arabische und orientalische Oboen sind in der Regel ohrenbetäubend laut und durchdringend schrill. Nicht so der Duduk, der sich auch für geschlossene Räume eignet. Er kann sanft klingen wie eine Flöte, warm wie eine Klarinette, säuselnd wie ein trauriger Gesang. Für Aram Khachaturian (1903-1978), den armenischen Komponisten, der den berühmten „Säbeltanz“ schrieb, war der Duduk „das einzige Instrument, bei dem ich weinen muss“.

TEXT: HANS-JÜRGEN SCHAAL

GEVORG DABAGHYAN
 

Den tiefen, dunklen, weichen Ton verdankt der Duduk (du’duk: Betonung auf der zweiten Silbe!) seiner eigenwilligen Form. Anders als bei den afrikanischen und asiatischen Kegeloboen ist seine Röhre nach unten hin nicht erweitert („konisch“), sondern besitzt eine durchgängig gleichbleibende Bohrung („zylindrisch“). Das Doppelrohrblatt ist hingegen besonders breit und bei den tiefen Instrumenten bis zu vierzehn Zentimeter lang. Man braucht daher viel Luft für den Duduk und muss die Backen kräftig aufblasen, nicht nur bei der Zirkularatmung. Um das typische süßtraurige Vibrato hervorzubringen, wird der Ton am breiten Mundstück ordentlich „durchgekaut“ – mit Zähnen, Lippen und Zunge. Diese Mundbewegung scheint sich auch im Namen des Instruments niedergeschlagen zu haben: Das Wort „Duduk“ ist mit dem deutschen „dudeln“ oder „tuten“ verwandt.

Im Kaukasusstaat Armenien gilt der Duduk als Nationalinstrument. Schon im frühen Mittelalter war er dort weit verbreitet, manche Spuren führen sogar bis in die Antike zurück. Traditionell wird er aus dem weichen, süßen Baumholz der Aprikose gefertigt, der Symbolfrucht Armeniens, und hieß daher früher auch „Tsiranapogh“: Aprikosenpfeife. Für das Rohrblatt verwendet man Schilfrohr vom Fluss Aras, der den Kaukasus von West nach Ost durchfließt. In den Ohren der Armenier spricht der herzzerreißend traurige Klang des Duduks von ihrem tief inneren Seelenschmerz, ihrer leidvollen Geschichte und der strengen Schönheit ihres Hochlands. Jerewan, die Hauptstadt Armeniens, gilt seit Jahren als das Zentrum der Dudukspieler. Allerdings ist das Instrument auch in den Nachbarstaaten verbreitet: In der Türkei heißt es Mey, in Aserbaidschan Balaban, in Georgien Duduki, im Iran Narmeh-Ney. Statt Aprikose nimmt man in diesen Ländern für die Herstellung auch das Holz der Birne, Maulbeere, Olive oder Walnuss.

In Heft 4/2012 setzt Hans-Jürgen Schaal seine Reihe über die typischen Instrumente der Folk- und Weltmusik fort. Dann geht es um die Bechertrommel, die als Darbuka, Dombak oder Djembe in vielen Musikkulturen eine wichtige Rolle spielt.

       
DJIVAN GASPARYAN 2010
       
„Das einzige Instrument, bei dem ich weinen muss.“

... mehr im Heft  

Update vom
18.02.2012
Links
go! Home
go! Voriger Artikel
go! Nächster Artikel

Dieser Text ist nur ein Auszug des Original-Artikels der Print-Ausgabe!

FOLKER auf Papier
Dieser Artikel ist nur ein Auszug des Original-Artikel der Print-Ausgabe!
Bestelle sie Dir! Einfach das
go! Schnupper-Abo! bestellen und drei Ausgaben preiswert testen. Ohne weitere Verpflichtung!
Oder gleich das
go! Abo ?
Anzeige
Den FOLKER liest auch:Anzeige
Mit etwas Glück...
go!
...bist Du dabei. Ein Klick auf das hier gezeigte "Ticket" bringt Dich weiter.
Termine online eingeben
Hallo Folker-Freunde!
Wollt ihr uns
go! Termine zusenden, dann benutzt bitte das Terminportal go! Folk-Lied-Weltmusik.
Die go! Termine sind auch als RSS Feed zu abonnieren.
Anzeige

Mehr Links zum Thema Folk auf
TOP50
Top 50 Folk