Vater des schottischen Folkrevivals
„ES WIRD NIE EINEN ANDEREN
HAMISH HENDERSON GEBEN!“
Von den Schwierigkeiten im Umgang mit einem unorthodoxen Menschen

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LITERATURHINWEISE:
Timothy Neat: Hamish Henderson - A Biography
Vol. 1: The Making of the Poet (1919 - 1953)

Birlinn/Polygon, Edinburgh 2009, 377 S. mit s/w Abb., ISBN 9781846971327, Paperback, £14,99
Vol. 2: Poetry becomes People (1954 - 2002)

Birlinn/Polygon, Edinburgh 2009, 395 S. mit s/w Abb., ISBN 9781846970634, Hardback, £25,00

Eberhard Bort (Hrsg.): Borne on the Carrying Stream - The Legacy of Hamish Henderson
Grace Note Publications, Ochtertyre 2010, 319 S., mit s/w Abb u. Noten, ISBN 9781907676017, Paperback

Anlässlich des Todes von Hamish Henderson am 8. März 2002 im Alter von 82 Jahren schrieb Chris Dolan im Glasgow Herald: „Er war unser Woody Guthrie, unser Alan Lomax und Studs Terkel, unser William Blake (denn er schrieb den Song, der unsere Nationalhymne sein sollte, ,Freedom Come A’ Ye‘) und vieles andere mehr. Nationalist und Internationalist, radikal und Liebhaber von Traditionen, Friedensstifter und Soldat, Familienmann mit schwulen Eskapaden, Akademiker und Poet mit Sinn für das Ordinäre.“ Welchen Einfluss hatte dieser widersprüchliche Hamish Henderson auf die schottische Folkmusik und was ist davon zehn Jahre nach seinem Tod noch übrig?

TEXT: MIKE KAMP

HAMISH HENDERSON * Foto: Proiseact nan Ealan

Es ist verständlich, dass der Name Hamish Henderson hierzulande nur bedingt auf Resonanz stößt. Sein Wirken jedoch ist auf Umwegen auch in Deutschland nicht ohne Folgen geblieben, denn unsere Rezeption der Folkmusik Schottlands stammt von Musikern, die auf unterschiedlichste Art in den Genuss seiner Arbeit kamen. Ein paar seiner Stationen und Verdienste sollten daher vorangestellt werden.

„Der Mann,
der in Edinburghs legendärer Kneipe Sandy Bell’s sein zweites Arbeitszimmer und Zuhause hatte, hat wie kein Zweiter die schottische Folkszene des zweiten Teils der 20. Jahrhunderts geprägt.“

1919 in Schottland geboren, wuchs er jedoch im Süden Englands auf, schmuggelte als überzeugter Sozialist Juden aus dem Vorkriegsdeutschland und verhörte als britischer Soldat Kriegsgefangene in Nordafrika. Eine ideale Besetzung, denn er sprach u. a. Deutsch und Italienisch. In Afrika schrieb er 1943 den ersten Song, der weltweit bekannt wurde, „Banks O’ Sicily“, wenig später die „D-Day Dodgers“. In Italien unterstützte er die Partisanen und wurde später deshalb zur Persona non grata. Zurück in Schottland lebte er ohne feste Adresse an der Armutsgrenze und bei Freunden, engagierte sich für ein sozialistisches und unabhängiges Schottland, gründete das erste Edinburgh People‘s Festival Ceilidh (ein Vorläufer des heutigen Fringe), schrieb 1948 den „John Maclean March“ und die
HAMISH HENDERSON UND JEANNIE ROBERTSON
„Ballad Of The Men Of Knoydart“. In den Fünfzigerjahren begann er ernsthafte Folklorestudien, begleitete Alan Lomax bei Aufnahmereisen, entdeckte u. a. Jeannie Robertson und die Stewarts of Blair, war an der Gründung der der School of Scottish Studies maßgeblich beteiligt, heiratete die Deutsche Kätzel Schmidt und verfasste 1959/60 schließlich sein musikalisches Opus Magnus „Freedom Come A’ Ye“.

HENDERSON MIT DEM GÄLISCHEN GESCHICHTENERZÄHLER ALI DALL 1958

Das sind Skizzen aus der ersten Hälfte von Hamish Hendersons prallem Leben. Farbenfrohe Details bekommt vermittelt, wer die höchst empfehlenswerte zweiteilige Biografie von Timothy Neat liest. Der Autor kannte Henderson seit 1967 als Freund und als Kollegen. Die Biografie ist ein beeindruckendes und persönliches, gegen Ende seines Lebens zuweilen emotionales Denkmal für einen Menschen, dessen Leistungen zumindest außerhalb der Folkszene eher nicht gewürdigt wurden. Seine Gedichte, allen voran das (Anti-) Kriegsgedicht „Elegies For The Dead In Cyrenaica“ wurde von Dichterkollegen belächelt und erschien ebenso wie seine anderen Werke in kaum einer Sammlung. Andere kritisierten seine Betonung der mündlichen Traditionen Schottlands und wiederum andere denunzierten ihn schlicht als marxistischen Säufer.

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Update vom
13.02.2012
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