5 Minuten mit...
Setsuko Hirao
Musik von Welt – japanisch gespiegelt

Weltmusik kann ein schwammiger Begriff sein. Die Übergänge zu Rock, Pop,
Klassik, Ethno etc. sind oft fließend, und wir schwimmen auf den jeweiligen
Wellen der – bestenfalls – Begeisterung, um zu sagen, worum es uns
gerade geht. Das mag als Verständigungsbasis funktionieren, solange man
einigermaßen den Blickwinkel auf das jeweilige Phänomen teilt, zum Beispiel wir,
die Europäer unter uns, oder wir, die
Western-World-Music-mehr-oder-weniger-Kenner. Was aber, wenn da jemand mit ganz
anderen Augen auf unser Kategoriensystem schaut, mit anderen Wahrnehmungen,
Wertigkeiten, anderen Hörgewohnheiten und auch anderen Selbstverständlichkeiten
im Musikgebrauch auf das zu- und damit umgeht, was wir meinen, ein für allemal
sortiert zu haben?
TEXT: CATHRIN ALISCH
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Für die Japaner ist Beethovens Neunte Weltmusik.
Setsuko Hirao taucht an einem Freitag im vergangenen März, früh um acht Uhr
morgens als Gast beim Treffen des englischsprachigen Berliner Rotary Clubs im
Stammlokal am Hauptbahnhof auf. Kaum größer als ein Meter fünfzig, kräftige
Statur, ein Energiebündel, vielleicht um die siebzig Jahre alt, mit lebhaften,
schmal geschnittenen Augen, füllt sie den Raum völlig aus, erzählt, lacht, freut
sich, dass sie mit ihren Sängerkollegen in Berlin ist, und lädt alle Anwesenden
zu den Jubiläumskonzerten in der Stadt anlässlich und im Rahmen der
Feierlichkeiten zu 150 Jahren deutsch-japanischer Freundschaft ein. Der Name
Fukushima wird von der japanischen Sängerin in dieser ersten Begegnung nicht ein
einziges Mal erwähnt – und niemand fragt sie danach, vielleicht in einer
Mischung aus Respekt, Rücksicht und Verunsicherung.
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