5 Minuten mit...

Setsuko Hirao

Musik von Welt – japanisch gespiegelt

The Tom McConville Band 2009

„Weltmusik“ kann ein schwammiger Begriff sein. Die Übergänge zu Rock, Pop, Klassik, Ethno etc. sind oft fließend, und wir schwimmen auf den jeweiligen Wellen der – bestenfalls – Begeisterung, um zu sagen, worum es uns gerade geht. Das mag als Verständigungsbasis funktionieren, solange man einigermaßen den Blickwinkel auf das jeweilige Phänomen teilt, zum Beispiel wir, die Europäer unter uns, oder wir, die Western-World-Music-mehr-oder-weniger-Kenner. Was aber, wenn da jemand mit ganz anderen Augen auf unser Kategoriensystem schaut, mit anderen Wahrnehmungen, Wertigkeiten, anderen Hörgewohnheiten und auch anderen Selbstverständlichkeiten im Musikgebrauch auf das zu- und damit umgeht, was wir meinen, ein für allemal sortiert zu haben?

TEXT: CATHRIN ALISCH

„Für die Japaner ist Beethovens Neunte Weltmusik.“

Setsuko Hirao taucht an einem Freitag im vergangenen März, früh um acht Uhr morgens als Gast beim Treffen des englischsprachigen Berliner Rotary Clubs im Stammlokal am Hauptbahnhof auf. Kaum größer als ein Meter fünfzig, kräftige Statur, ein Energiebündel, vielleicht um die siebzig Jahre alt, mit lebhaften, schmal geschnittenen Augen, füllt sie den Raum völlig aus, erzählt, lacht, freut sich, dass sie mit ihren Sängerkollegen in Berlin ist, und lädt alle Anwesenden zu den Jubiläumskonzerten in der Stadt anlässlich und im Rahmen der Feierlichkeiten zu 150 Jahren deutsch-japanischer Freundschaft ein. Der Name Fukushima wird von der japanischen Sängerin in dieser ersten Begegnung nicht ein einziges Mal erwähnt – und niemand fragt sie danach, vielleicht in einer Mischung aus Respekt, Rücksicht und Verunsicherung.

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Update vom
22.06.2011
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