HEIMSPIEL
Der Friedenspark in der Kölner Südstadt liegt direkt am Rhein, zwischen vielbefahrener Rheinuferstraße und Südbrücke. Die alte preußische Fortanlage, die bis Mitte der Achtzigerjahre Hindenburgpark hieß, war einst beliebter Treffpunkt der Kölner Hitlerjugend. Anfang der Siebziger entstand hier der erste Bauspielplatz der Stadt samt Jugendzentrum. Der ideale Ort also für das Edelweißpiratenfestival, das seit 2005 mit Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen und Stadtführungen an jene proletarische Jugendbewegung aus dem Rheinland erinnert, die sich von den Nationalsozialisten nicht gleichschalten ließ, sondern singend und wandernd dem braunen Terror die Stirn bot. TEXT: SYLVIA SYSTERMANS
Es erinnert schon ein wenig an Woodstock, wenn Althippies und Pfadfinder, Rocker und Rentner, Lokalpolitiker und junge Familien alljährlich im Sommer zum Edelweißpiratenfestival in den Friedenspark der Kölner Südstadt pilgern. Rund zehntausend Besucher waren es im vergangenen Jahr. An sechs Bühnen lauschten sie einer wilden Mischung aus Soul und Punk, Tango, Klassik und Klezmer, Folk, Chanson und Reggae. Mindestens ein Edelweißpiratenlied muss traditionsgemäß jede Band aus Köln und Umgebung bei ihrem Auftritt neu interpretieren. Lieder dieser bündischen Jugendgruppen von Fernweh und Lagerfeuerromantik werden dabei recht unorthodox mit brasilianischen Trommelrhythmen, Hip-Hop, Polka oder Ska gemischt. Mancher Zeitzeuge greift auch selbst zur Gitarre und lässt noch einmal die wilden Gesellen über endlose Straßen bis nach Schanghai ziehen. Andere erzählen im Zeitzeugencafé des Baui – so der Name des hiesigen Jugendzentrums – erlebte Geschichten von Widerstand und Verfolgung. ... mehr im Heft
Das Image der Schweiz als kosmopolitisches Land bekam in jüngster Zeit einige Risse, vor allem durch wachsende fremdenfeindliche Gruppierungen und das Minarettverbot. Zu denen, die nach wie vor die Fahne interkultureller Verständigung hochhalten, gehört Daniel Bühler, Mitbegründer und Präsident des Festivals Afro-Pfingsten. TEXT: WOLFGANG KÖNIG Die Anfänge gehen auf das Jahr 1990 zurück, erzählt Daniel Bühler. Ich lebte damals in Zürich und hatte mit Tom Keller die Idee, afrikanische Tanz- und Trommelkurse zu organisieren. Der Dritte im Bunde war Michael Röttger, der in Frankfurt am Main mit afrikanischen Instrumenten handelte. Es ergab sich dann, dass die senegalesische Gruppe Gainde, die die Workshops leitete, auch ein Konzert mit traditioneller Musik gab. Das war die Geburtsstunde des Festivals. Weil es über Pfingsten stattfand, war der Name schnell gefunden: Afro-Pfingsten. Das führte anfangs zu Verwirrungen, weil einige Leute glaubten, das Festival habe mit der Pfingstmission (einem freikirchlichen christlichen Gemeindeverband) zu tun, beziehungsweise, dass eine Sekte dahinterstecke. Die erste Ausgabe von Afro-Pfingsten fand in Zürich statt, danach zog das Festival um ins gut zwanzig Kilometer entfernte Winterthur, Bühlers Heimatstadt. ... mehr im Heft
Inmitten einer Touristendestination sondergleichen und einer lebendigen Volkskultur setzt ein Festival in Niederösterreich nachhaltige Akzente bei der Weltmusikbegegnung. TEXT: HARALD JUSTIN
Wissenswertes über die Wachau? Weinaanbaugebiet in Niederösterreich, etwa achtzig Kilometer westlich von Wien. Von der Donau durchflossen, entlang von Hügeln und Bergen zwischen den Städten Melk und Krems gelegen, im Jahr 2000 in die Liste des UNESCO-Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen. Solche Verlautbarungen lassen sich leicht zusammenschnurren, wie nach einem Strickmuster für Reiseführer. Apropos Stricken: Josef Aichinger ist ein bisschen verlegen, als er erklärt, dass die Bezeichnung Glatt & Verkehrt etwas mit Stricken zu tun habe, er aber selbst nicht genug davon verstehe, um ins Detail gehen zu können. Er ist der künstlerische Leiter des Glatt-&-Verkehrt-Festivals, das seit 1997 alljährlich im Juli rund um Krems stattfindet. Wer hinfahren will, sei gewarnt: Nichts, was über diese Gegend zu lesen ist, bereitet Städter auf den Realitätsschock vor. ... mehr im Heft
Wenn nicht in Saarbrücken, wo sonst? Die saarländische Landeshauptstadt gilt – laut Monsieur Chanson Gerd Heger – längst als heimliche Chansonhauptstadt Deutschlands. Hier hat der Saarländische Rundfunk (SR), die zweitkleinste ARD-Anstalt, seinen Sitz und nutzt die Nähe zu Frankreich auch programmatisch: zum Beispiel in der Radiosendung Rendezvous Chanson und der mit ihr verbundenen Konzertreihe Bistrot Musique. TEXT: ROLAND SCHMITT
Aufmerksame Folker-Leser wissen, dass Gerd Heger auch in diesem Magazin mitunter die Gelegenheit bekommt, seinen fast schon missionarisch anmutenden Eifer in puncto Werben für das Chanson, die frankofone Popmusik schlechthin, auszuleben. Nach dem Romanistikstudium an der Uni Mannheim (mit einer Abschlussarbeit über Serge Gainsbourg) landete der gebürtige Pfälzer als Hörfunkjournalist beim Saarländischen Rundfunk, arbeitete sich dort im besten Sinne nach oben und hatte dabei immer das besondere, Jahrhunderte lang durch Kriege belastete erbfeindliche deutsch-französische Verhältnis im Blick. In jener Anfangszeit erlebte Heger noch Pierre Séguy, bei deutschen Radiohörern als Grandseigneur des klassischen französischen Chansons geschätzt – eine schillernde Persönlichkeit schon in der Nachkriegsmedienlandschaft. Er war Sendeleiter bei Radio Saarbrücken, dem von den Franzosen im autonomen Saarland ab 1946 installierten Rundfunksender, und wurde vor allem ab 1965 mit seiner zunächst Cest ça quon chante en France, später Chansons de Paris betitelten Hörfunksendung bekannt, die auch deutschlandweit über Mittelwelle zu empfangen war. ... mehr im Heft |
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