Instrumente der Welt

Bansuri

Bansuri

Die Stimme Krishnas

Die nordindische Querflöte Bansuri ist ein nacktes Instrument, nur ein Bambusrohr mit eingebrannten Löchern. Dennoch sind gute Bansuris selten und teuer: Ein dünnwandiger, gleichmäßig gewachsener Bambus muss erst einmal gefunden werden. Und ein anderes Material kommt nicht in Frage, denn nur der Bambus hat diesen reichen, obertönigen, spirituellen Klang.

TEXT: HANS-JÜRGEN SCHAAL

go! www.bansuriflute.com

In Heft 4/2011 setzt Hans-Jürgen Schaal seine Reihe über die bunte Vielfalt der in der Folk- und Weltmusik eingesetzten Instrumente fort. Dann geht es um die Harfe, das Instrument des Jahres beim TFF Rudolstadt 2011.

Der dunkelhäutige Krishna, eine im Hinduismus höchst beliebte Figur, gilt als menschliche Inkarnation der großen Schöpferkraft Vishnu. Krishna, so sagt die Legende, wuchs als Kuhhirte auf und hatte stets seine Querflöte bei sich, die er Murali nannte. Mit ihr verzauberte er die Tiere, verführte die Hirtenmädchen und gewann schließlich seine Gefährtin Radha. Die traditionelle Hirtenflöte Bansuri (sanskr. etwa „Bambuston“) symbolisiert daher die göttliche Liebe, die Stimme Gottes, den Ursprung der Musik – sie ist eines der ältesten Instrumente Indiens. Über viele Jahrhunderte war das Instrument aus Nordindien eine Sopranflöte, höchstens 35 Zentimeter lang, und hatte sechs Grifflöcher – wie die irische Tin Whistle. Man spielte auf ihr einfache Stücke, Hirtenweisen, Volksmusik. Im frühen indischen Tonfilm erklang sie gewöhnlich zu ländlichen Szenen.

Hariprasad Chaurasia - Foto: Dániel Zafir

Dann aber kam Pannalal Ghosh (1911-1960), der Vater und Zaubermeister der modernen Bansuri, Spross zweier ehrwürdiger Musikerklans im heutigen Bangladesch. Für eine Filmproduktion in Bombay wünschte sich Ghosh ein tiefer klingendes, vielseitigeres Instrument, machte sich selbst ans Experimentieren, probierte zusammen mit einem muslimischen Spielzeughändler verschiedene Materialien und Größen aus und präsentierte schließlich 1943 den Prototyp der modernen Bansuri: 82 Zentimeter lang, weiter gebohrt, mit größeren Grifflöchern und einem zusätzlichen, um 90 Grad versetzten siebten Loch für den kleinen Finger der unteren Hand.

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Update vom
27.02.2011
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