Las Migas - Foto: Rafael Arocha

    MEDITERRANE REZEPTUR AN STILEN,
    FARBEN UND ATMOSPHÄREN

LAS MIGAS

UND MEHR...

MUSIKALISCHE VERKOSTUNG
IN KATALONIEN      

Las Migas - Foto: Geo Kalew

Bei Katalonien war und ist in den letzten Jahren musikalisch vor allem die Rede von der sogenannten Mestizoszene Barcelonas. Der Frankospanier Manu Chao, bis heute Bewohner und bunter Hund der katalanischen Metropole, hatte dort jene stilmixende, politisch wache Bewegung von Musikern aus aller Welt angezettelt. Deren Flagschiffe, Amparanoia und Ojos de Brujo, beendeten mittlerweile ihre Reise. Color Humano, eine weitere Pionierband bestehend aus Franzosen und Spaniern, feiern dagegen gerade ihre Wiedervereinigung mit neuem Album. Dessen musikalische Mixturen und plakative Politbotschaften klingen allerdings so, als sei während der sechsjährigen Bandpause die Zeit stehen geblieben. Nicht, dass diese Szene grundsätzlich schwächeln würde. Sie treibt weiterhin neue, wenngleich nicht unbedingt neuartige Blüten, spinnt ihre Fäden – über Barcelona und über Spanien hinaus – zwischen Europa und beiden Amerikas. Doch vielleicht auch gerade angesichts an Originalität und Individualität verlierender, sich wiederholender Stilelemente wollen viele der „Mestizos“ längst nicht mehr mit diesem Etikett versehen werden.

TEXT: KATRIN WILKE

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(Mercat de Música Viva de Vic)
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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Ai Ai Ai, Lo Més Gran Del Món (Propaganda Pel Fet!, 2008)
María del Mar Bonet & Orquestra Simfonica de Balears, Bellver (Galileo MC, 2010)
Miquel Gil, Miquel Gil & Manel Camp Trio feat. David Pastor (Temps Records, 2010)
Las Migas, Reinas Del Matute (Nuevos Medios, 2010)
La Troba Kung-Fú, A La Panxa Del Bou (Chesapik, 2010)
Albert Pla, La Diferencia (Random Records, 2009)
Lídia Pujol, Els Amants De Lilith (Temps Records, 2007)

Ihr Name fiel oft, wenn sich die Fachbesucher der Weltmusikmesse WOMEX im vergangenen Oktober in Kopenhagen darüber austauschten, wen der dort auftretenden Künstler sie am besten fanden. Las Migas waren für viele, unabhängig vom musikalischen Gusto, die große Offenbarung. 2004 gegründet, machte sich das Frauenquartett – eine Katalanin, eine Andalusierin, eine Französin und eine Deutsche – schnell einen Namen.

„Wir sind die
‚Krümel‘
von dem Brot,
welches der
Flamenco ist.“
(Sílvia Pérez Cruz,
Las Migas)

Die Gitarristin Marta Robles aus Sevilla – sprachgewandt, voller Humor und nicht zu bremsender kreativer Unruhe – kam über die Klassik zum Flamenco. Aus Deutschland kommt die weit gereiste Violinistin und Akkordeonistin Lisa Bause. Die Bretonin Isabelle Laudenbach tauschte ihre wissenschaftliche Karriere gegen die einer Flamencogitarristin aus. Vervollständigt wird das Quartett von Sílvia Pérez Cruz aus Empordà, dem Hinterland der Costa Brava in der Provinz Girona, die unter anderem auch Saz spielen und Fado singen kann.

Miquel Gil

Peret

Las Migas, die mit Béla Bartók und anderer Klassik, Pop, Jazz, Tango und Bossa Nova ein riesiges Spektrum an Einflüssen haben, einte von Anfang an die Liebe zum traditionellen Flamenco. „Wir alle wollten ihn damals erforschen. Er wurde unser musikalischer Ausgangspunkt, von dem wir uns mal mehr, mal weniger entfernen – ganz ohne Zwang und Plan. Unseren großen, demütigen Respekt vor dem Flamenco wollten wir im Bandnamen ausdrücken. Wir sind ‚die Krümel‘ von dem Brot, welches der Flamenco ist. Migas heißt auch ein in ganz Spanien verbreitetes Gericht, ursprünglich ein Armeleuteessen, das je nach Region ziemlich deftig ist“, fügt Sílvia Pérez Cruz schmunzelnd hinzu. Eher kalorienarm, aber reich an Stilen, Farben und Atmosphären ist die musikalische, vor allem mediterrane Rezeptur der Band. In ihrer Instrumentierung klug dosiert und extrem sinnlich, muten die dreizehn Lieder ihres ersten und bislang einzigen
Ai Ai Ai
Albums Reinas Del Matute an. Der gefühlsintensive, betörende Gesang von Pérez Cruz bildet dabei den knallroten Faden, um den sich die sensibel und ausgewogen gestalteten Klänge der Instrumentalistinnen ranken. Für die Aufnahme der Eigenkompositionen undoriginell neu arrangierten Traditionals wie „La Tarara“ konnten die sympathischen und attraktiven jungen Frauen wunderbare spanische Musikerkollegen gewinnen, wie den Flamencogitarristen und Tres-Spieler Raúl Rodríguez oder Javier Colina. Mit dem renommierten Flamenco-Jazz-Kontrabassisten ist die experimentier- und sangesfreudige Vokalistin derzeit ebenfalls unterwegs.

La Troba Kung-Fú - Foto: David Ruano
Lídia Pujol
Ginesa Ortega
María del Mar Bonet

Zu den diversen Parallelprojekten Pérez Cruz’ gehört auch die Duoarbeit mit dem in Barcelona lebenden Percussionisten und Hangspieler Ravid Goldschmidt aus Israel. Der musikalisch essenzielle Dialog zwischen Stimme und Hang, diesem der Steeldrum ähnlichen, in der Schweiz patentierten Instrument, betörte auch die Gäste des Meet Catalan Folk im Februar letzten Jahres in Barcelona. Bei dieser 2009 zum ersten Mal durchgeführten Veranstaltung werden Jazz und sogenannte „Weltmusik“ aus Katalonien Festival- und Konzertorganisatoren aus aller Welt vorgestellt. Organisator ist das ICIC, das Katalanische Institut für Kulturindustrien. Diese 2001 in Barcelona gegründete, mit der Regierung Kataloniens assoziierte Institution agiert heute von fünf europäischen Metropolen aus.

„Die traditionelle
Musik ist ein
immaterielles
Kulturerbe,
das kein harter
Stein ist wie der
einer Burg.“

(Miquel Gil)

Sie ist auf den wichtigsten internationalen Musikmessen und Kulturmärkten, zum Beispiel der WOMEX und der Jazzahead in Bremen präsent. „Für junge Bands aus Katalonien ist es bisweilen schwierig, sich einem internationalen Fachpublikum vorzustellen“, sagt Neus López von der Berliner ICIC-Filiale. „Mit dieser zweitägigen ‚Mini-WOMEX‘ wird eine Plattform für beide Seiten geschaffen, eine eher informelle, entspannte Möglichkeit der Begegnung,
Albert Pla
bei der umgekehrt die Veranstalter auf Bands aufmerksam werden, die sie so eventuell nie kennengelernt hätten. Entsprechend positiv ist die Resonanz aller Beteiligten.“ Der prallvolle Festivalkalender enthält nicht nur zahllose Veranstaltungen in Barcelona, sondern auch etliche weitere solcher Marktplätze einheimischer Musik in der Provinz, wie die Fira Mediterrània im siebzig Kilometer nördlich von Barcelona gelegenen Manresa oder der Mercat de Música Viva de Vic.

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Update vom
27.02.2011
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