ÜBERRASCHENDE VIELFALT

Französisches
Chanson
in Deutschland

HOCHKONJUNKTUR BEI DEUTSCHEN FRANKOFONEN

Evi Niessner und Rainer Leupold
Das Publikum will sein
‚Non, Je Ne Regrette Rien‘.

Brel, Brassens, Barbara, dazu Piaf oder Charles Trénet, die Größen des französischen Chansons der Nachkriegszeit haben nach wie vor Hochkonjunktur bei deutschen Frankophilen. Sie prägen das Bild dieser weltweit geachteten Songgattung. Gitarrenfreunde lassen über Georges Moustaki oder Maxime Le Forestier nichts kommen. Ein bisschen Monsieur 100.000 Volt Gilbert Bécaud darf auch sein, dazu ein paar Tränchen bei Music-Hall-Dinosaurier Charles Aznavour. Vielleicht noch die schlagerangehauchten drei Michels (Delpech, Fugain, Polnareff), ach, die Siebziger am Mittelmeer! Heute noch beliebt bei allen Altersklassen: der Mitgröhler von Joe Dassin „Les Champs-Elysées“. Und das war’s.

TEXT: GERD HEGER

Gilles Floret - Foto: Ernst Klett Verlag
Renaud Marquart
Corinne Douarre - Foto: Sabine Felber

„La nouvelle chanson réaliste“ – eine aktive, eng mit Mitteleuropa-Musik verbundene akustische Richtung? Fehlanzeige. Heutige melancholische oder rockige Popmusik? Außer von Carla Bruni hat hierzulande nur eine kleine Fangemeinde davon gehört, dank Vermittlern wie Le Pop (go! www.lepop.de ) oder Thomas Bohnet aus München mit seiner frankofonen Disko „Tour de France“ (go! www.le-tour.net ). Aktuelle Songwriter aus Paris oder der Provinz? Tatsächlich läuft da gerade eine die Popradios rauf und runter. Wie hieß die doch gleich? Zaz? Schon vergessen.

Dass also die Masse der hierzulande Aktiven im Bereich frankofones Chanson den großen Altvorderen huldigt, erstaunt nicht. Nach wie vor sind auch die schlechtesten Piaf-Programme gut besucht, das Publikum will sein „Non, Je Ne Regrette Rien“ mit „Padam Padam“ garniert für „La Vie En Rose“. Umso mehr, wenn die großen Lieder von Frankreichs intensivster Stimme gekonnt und eigen dargeboten werden wie zum Beispiel von der Saarländerin Petra Lamy, der „Baalinerin“ Evi Niessner (letztens in Stuttgart mit Varietékünstlern und komplettem Orchester) oder Florence Absolu aus Trier (die Piaf-Begleitmusik fürs Trierer Ballett wird 2011 ein eigenes Programm).

Jean-Claude Séférian
Fabienne Carlier

Der als Schauspieler mediennotorische Jacques-Brel-Kopist Dominik Horwitz zieht sich dank französischer Wurzeln achtbar aus der Affäre, könnte aber gerne interpretatorisch mehr auf sich selbst setzen. Auch für Georges Brassens gibt es, insbesondere unter den „Übersetzern“, wirkliche „Aficionados“ wie Ralf Tauchmann oder Sigi Becker, ein ganzes Festival in Basdorf bei Berlin huldigt dem Schnauzbartträger aus dem südfranzösischen Sète, dessen unaufdringlich hochmusikalische Poesie in Frankreich und Deutschland längst im Schulunterricht zelebriert wird. Für viele andere frankofone Nachsingerinnen und -singer gilt: Was dem Sixties-Fan die Oldie-Coverband, das ist dem Freund des guten und wahren Chansons die soirée, am liebsten mit femme fatale am Mikrofon, wahlweise begleitet von mehr oder weniger begabtem Pianisten oder Akkordeonisten. Gerne auch gereicht an einem Menü aus der nouvelle cuisine des örtlichen Bocuse. Ausnahmen gibt es bei Chansonbands wie zum Beispiel Die Schoenen (Riegelsberg/Saarland), Rouge Baiser (Köln), French Touch (Kaiserslautern), Montparnasse (München) oder auch Scorbüt (Berlin). Erwähnt werden müssen auch Stéphane und Didier aus Stuttgart (Dieter Kaiser ist wahrscheinlich der eifrigste Chansonübersetzer, jetzt auch im Netz: www.deutsche-chanson-texte.de).

Moi et les autres - Foto: Hagen Orgus
Duo Balance - Foto: Michael Rinner

Nach dem „Nouvelle Chanson“ eigener Ausprägung muss man schon genauer suchen. Eine ganz sicher nicht komplette Liste der Künstlerinnen und Künstler, die sich in Deutschland um die unzähligen Ausprägungen des Chansons verdient machen, umfasst rund einhundert Namen, was einen kompletten Überblick unmöglich macht. Sie sind also Legion, die meist französischen Chansonmacher und -macherinnen hierzulande, und davon singt eine erkleckliche Anzahl tatsächlich nicht nur nach, sondern schreibt selbst Songs auf Französisch. Wer aber kennt sie? Gehen wir doch mal anhand einiger Beispiele die Genres durch.

„Nach dem ‚Nouvelle Chanson‘ eigener Ausprägung muss man schon genauer suchen.“

Seit ein Berliner Junge aus dem deutsch-französischen Gymnasium als Frédérik Mey in den späten Sechzigern seine Karriere in Paris begann, ist der traditionelle Liedermacher nicht ausgestorben. Reinhard Mey – vor knapp sechs Jahren hat er wieder mal ein französisches Album gemacht – ist nicht das einzige Vorbild für die meist gitarrengestützen Verseschmiede, die oft selbst aus Frankreich kommen. Pierre Chuchana lebt und arbeitet in Bremen, huldigt 2011 auch dem großen Georges B., hat aber mit „Les Souvenirs“ anrührendes klassisches Gitarrenchanson im Programm und auf CD. Nebenbei zaubert er.

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Update vom
13.11.2012
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