Tiken Jah Fakoly

Singen bis zur Morddrohung

Tiken Jah Fakoly

Reggae aus Afrika ist selten geworden. 2007 starb Lucky Dube aus Südafrika. Von Majek Fashek aus Nigeria und Alpha Blondy aus Elfenbeinküste hört man kaum noch was. Und bis Nachwuchskünstler akustisch auch bei uns in Erscheinung treten, dauert es immer eine ganze Weile. Das galt auch für ihn, Tiken Jah Fakoly, ebenfalls aus Elfenbeinküste und zurzeit de facto Reggae-Kontinentalbevollmächtigter. Längst ist er eine feste Größe und stellt die Grundversorgung der westlichen Bevölkerungen mit dunkelschwarzem Reggae im Alleingang sicher. Immerhin ist er einigermaßen regelmäßig mit Konzerten und neuen Alben unterwegs und damit auch mit frischen Nachrichten über einen ganzen Kontinent im Kriegszustand. Denn bei ihm ist ein Lied immer auch ein Stück Zeitung und Zeitgeschichte. Gerade jetzt hat er wieder eine neue CD fertiggestellt, und wer seine politisch rotzfrechen Texte kennt, den wundert auch dieser Albumtitel nicht: African Revolution. Denn die steht seiner Meinung nach immer noch aus.

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AUSWAHLDISKOGRAFIE:
Francafrique
(Universal, 2003)
Coup De Gueule
(Universal, 2004)
The African
(Wrasse, 2007)
African Revolution
(Universal, 2010)

African Revolution

TIKEN JAH FAKOLY UNTERWEGS:
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20.01.11: F-Paris: La Cigale
22.01.11: F-Rouen: Le 106
24.01.11: F-Le Havre: Docks Océane
25.01.11: F-Saint Brieuc: Parc Expo
26.01.11: F-Guipavas: L’Alizée
28.01.11: F-Limoges: Zénith
29.01.11: F-Montpellier: Zénith
30.01.11: F-Nice: Palais Nikaia
01.02.11: F-Bourg-Les-Valence: Théâtre du Rhône
04.02.11: B-Brüssel: Forest National
05.02.11: F-Metz: Le Galaxie

TEXT: LUIGI LAUER

Eines fällt schon nach wenigen Takten der Platte auf: „Revolution“ bezieht sich auch auf die Musik Tiken Jah Fakolys. Klar, er spielt Reggae, was sonst, Roots Reggae, um genau zu sein. Aber eben nicht „wie gehabt“. Akustische westafrikanische Instrumente wie Balafon, Kora und die Geige Soukou geben seiner Spielart des Stils eine völlig neue, tiefafrikanische Färbung, eine, die zum Albumtitel passt. Das ist eine erstaunliche Parallele zu Femi Kuti aus Nigeria, dessen ebenfalls noch lauwarmes neues Werk Africa For Africa von einer ähnlichen Wut über die noch immer katastrophalen Zustände dominiert wird und das ebenfalls eine sehr afrikanische Angelegenheit ist, aufgenommen in Lagos mit ausschließlich nigerianischen Musikern. Man möchte die beiden CDs nebeneinanderlegen und die Titel wirken lassen: „Africa for Africa“ wird es ohne „African Revolution“ nicht geben.

„Ich weiß,
dass Bildung
Afrika
verändern
wird.“

Es ist Fakolys zehntes Album für Afrika und das siebte für Europa. Er wollte keinen neuen Stil, aber einen neuen Sound, eine Veränderung, die ihn und wohl auch sein Publikum vor Langeweile schützen soll. Wenig revolutionär und damit auch weiterhin revolutionär an African Revolution sind die Texte, und das ist gut so. Sie sind wie immer hellwach, politisch, kritisch, voller Sprachwitz und Ironie und stets fordernd. Tiken Jah Fakoly – amtlich eigentlich Doumbia Moussa Fakoly – stellt sich entschieden gegen Neokolonialismus, Rassismus, Waffenhandel, Beschneidung weiblicher Genitalien, Ausbeutung, Korruption und Machtmissbrauch. Dass er nur „gegen“ sei, muss er sich dennoch nicht sagen lassen, er ist für bessere Bildung, Chancengleichheit, Demokratie, die Einheit Afrikas und Schuldenerlass. Das hat ihm 2008 sogar den allerersten vergebenen Freemuse Award für die Verteidigung der Redefreiheit eingebracht. Den bekam er, als er gerade aus dem Exil zurückkam: Fünf Jahre lebte Fakoly in Mali, nachdem er und seine Familie fortgesetzt bedroht worden waren. Das war der Preis, den er für seine Aufrichtigkeit zahlen musste.

„Das Fernsehen
ist unsere neue
Kolonialmacht.“
Tiken Jah Fakoly

Er würde es immer wieder tun, denn die Menschen sollen wissen, was los ist. Und das so früh wie möglich. Darum gibt er Geld für Schulen aus: „Es ist total wichtig, Schulen in Afrika zu bauen. In Mali habe ich gerade eine Grundschule gebaut, in der Elfenbeinküste auch, und aktuell wird eine in Burkina Faso errichtet. Ich weiß, dass Bildung Afrika verändern wird. Wenn man betrachtet, wie der Kontinent heute hinterherhinkt, dass wir arm sind trotz des Reichtums an Bodenschätzen, dann weiß ich, wir verschlafen es wieder. Und Bildung wird die Menschen wachrütteln und sie nach ihren Rechten fragen lassen. Die Menschen haben die Macht! Wenn in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung nicht einverstanden ist mit Angela Merkel, dann muss sie ihre Politik ändern. Die Leute werden in den Städten demonstrieren und ‚Aufhören!‘ brüllen. In Afrika wirst du das nicht erleben. Die Präsidenten machen, was sie wollen, und alle akzeptieren das und sagen: ‚Sie werden mich umbringen, wenn ich was sage.‘ Nein!“

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Update vom
27.12.2010
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